"Schatz, ich rufe dich zurück"Meloni geht während Rede ans Handy

Die italienische Ministerpräsidentin Meloni feiert den Amtszeit-Rekord ihrer Regierung. Mitten in ihrer Rede greift sie zum Telefon - ihre Tochter hat angerufen. Die Neunjährige kommt derzeit häufiger in Melonis öffentlicher Inszenierung vor.
Mitten in ihrer Rede bei einer Parteiveranstaltung greift Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni plötzlich zum Handy und flüstert mit vorgehaltener Hand ins Telefon. "Schatz, ich rufe dich zurück", hört man die rechte Regierungschefin ins Telefon wispern. "Das ist meine Tochter, entschuldigt", ruft sie dann unter dem Gelächter des Publikums. Gleich dreimal habe die neunjährige Ginevra angerufen, so Meloni.
Seit der Trennung von ihrem langjährigen Partner Andrea Giambruno erzieht die 49 Jahre alte Politikerin ihre Tochter allein. Meloni nimmt ihre Tochter manchmal auf Auslandsreisen mit. Meloni begründete dies damit, dass sie ihre Rolle als Regierungschefin und Mutter vereinbaren wolle. Ihr Familienleben hält sie aus der Öffentlichkeit heraus. Diesen Sommer fanden allerdings auffällig viele Fotos der beiden aus dem Urlaub auf Sardinien den Weg in die Öffentlichkeit. Meloni inszeniert sich darauf als liebevolle, bodenständige Mutter.
Beobachter werten das als strategische Charme-Offensive angesichts der neuen politischen Konkurrenz von Rechtsaußen. Die Anfang des Jahres gegründete Partei Futuro Nazionale des früheren Generals Roberto Vannacci liegt in Umfragen inzwischen vor Melonis Koalitionspartnern Lega und Forza Italia und könnte bei der Parlamentswahl im nächsten Jahr zum ernsthaften Rivalen für Melonis Fratelli d'Italia werden. Ein Termin für die Wahl steht noch nicht fest. Sie muss jedoch spätestens Ende 2027 stattfinden.
Italien nicht mehr "der kranke Mann Europas"
Erstmal feierte Meloni aber in der süditalienischen Hafenstadt Bari den Amtszeitrekord ihrer Regierung, die im Oktober 2022 vereidigt wurde. Am Freitag war sie seit 1413 Tagen am Ruder - und damit länger als jede andere Regierung seit der Republikgründung 1946. Diese Stabilität verdanke sie dem Vertrauen der Wähler von 2022, das sie nie als "Blankoscheck" betrachtet habe, erklärte Meloni vor zahlreichen Anhängern ihrer Partei. Italien sei nicht mehr "der kranke Mann Europas", sagte Meloni bei der Kundgebung. "Es gab Tage, an denen ich das Gefühl hatte, in Kleister zu schwimmen, aber ich habe nicht aufgegeben und habe auch jetzt nicht vor, dies zu tun", sagte sie.
In Bari versammelten sich am Freitag auch regierungskritische Demonstranten. Sie warfen der Regierung vor, eine "Kriegs- und Rüstungswirtschaft" sowie einen "Polizeistaat" zu schaffen und ein Klima des Hasses gegen Migranten zu schüren. Kritiker lasten Melonis Regierung zudem an, ihre Stabilität nicht ausreichend für Reformen und Wachstum genutzt zu haben. Die Wirtschaftsleistung dürfte in diesem Jahr nach Regierungsprognosen lediglich um 0,6 Prozent wachsen. Mehrere zentrale Reformprojekte Melonis sind ins Stocken geraten oder gescheitert, darunter eine Justizreform und die geplante Direktwahl des Regierungschefs.