"Täglich Hunderte Opfer"Menschenrechtler: Mehr als 2500 Tote bei Protesten im Iran

Die brutale Reaktion des iranischen Regimes auf die Massenproteste soll mittlerweile Tausende Todesopfer gefordert haben. Dies berichten Aktivisten. Auch die "New York Times" erhält ähnliche Zahlen aus Teheran.
Im Iran sind Aktivisten zufolge seit Ausbruch der Proteste vor mehr als zwei Wochen mindestens 2500 Menschen ums Leben gekommen. Das berichtete die Menschenrechtsorganisation Hengaw mit Sitz in Norwegen und wies darauf hin, ihr Verifikationsteam sei täglich damit beschäftigt, Todesfälle im Kontext der Massenproteste zu dokumentieren.
Zuvor hatte Iran Human Rights (IHRNGO), die ebenfalls in Norwegen registriert sind, die Zahl der getöteten Demonstranten auf mindestens 734 beziffert. Die Organisation warnte aber auch davor, dass die tatsächliche Zahl der Todesopfer deutlich höher, gar bei Tausenden, liegen könnte. "Aufgrund der vollständigen Abschaltung des Internets seit Donnerstagabend und der massiven Einschränkungen des Informationszugangs ist eine unabhängige Überprüfung dieser Zahlen derzeit äußerst schwierig", hieß es in dem Bericht.
Proteste seit Ende Dezember
Die "New York Times" berichtete indes zuletzt von 3000 Toten - unter Berufung auf zwei iranische Offizielle, die anonym bleiben wollten. Ein hochrangiger Beamter des iranischen Gesundheitsministeriums gab demnach an, dass landesweit etwa 3000 Menschen getötet worden seien. Er schob die Schuld jedoch auf "Terroristen", die Unruhen schürten. Unter den Toten befänden sich auch Hunderte von Sicherheitsbeamten, sagte er.
Ein weiterer Regierungsbeamter, der ebenfalls unter der Bedingung der Anonymität sprach, sagte der "New York Times", er habe einen internen Bericht gesehen, in dem von mindestens 3000 Toten die Rede sei, und fügte hinzu, dass die Zahl noch steigen könne.
Seit mehr als zwei Wochen demonstrieren Iranerinnen und Iraner gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik. Die durch eine Wirtschaftskrise ausgelösten Proteste haben inzwischen eine landesweite Dimension angenommen. In Städten kam es zu heftigen Ausschreitungen und schweren Unruhen. Der Sicherheitsapparat reagiert mit brutaler Härte. Es sind die schwersten Proteste im Iran seit Jahren.
Regime verteidigt Vorgehen
Der iranische Staat verteidigte das gewaltsame Vorgehen damit, dass es sich bei den Teilnehmern der Unruhen um "Terroristen" oder "Randalierer" gehandelt habe. Dutzende Sicherheitskräfte seien getötet worden, hieß es in Berichten des staatlichen Rundfunks. Alle Angaben können derzeit nicht unabhängig überprüft werden.
Die Bevölkerung in dem Land mit gut 90 Millionen Einwohnern ist seit Donnerstag vom Internet abgeschnitten. Informieren konnten sich Menschen im Land in den vergangenen Tagen teilweise über Exilsender, die ihre Programme über Satelliten-Fernsehen ausstrahlen. In mehreren Teilen der Hauptstadt Teheran haben Sicherheitskräfte jedoch bereits begonnen, Satellitenschüsseln von den Hausdächern zu beschlagnahmen - eine alte Praxis aus der Zeit vor dem Internet. Satellitenschüsseln sind offiziell verboten.
Am Dienstag konnten Iranerinnen und Iraner nach einer tagelangen Kommunikationsblockade erstmals wieder ins Ausland telefonieren. Einige Stimmen, die nach außen drangen, schilderten schreckliche Tage. Ein junger Mann sagte: "Wir hören, dass täglich Hunderte Opfer - Tote und Verletzte - in die Krankenhäuser gebracht werden. Die Lage ist nicht gut."