Politik

Vor Corona-Gipfel Merkel: Virus-Mutationen schon bei 20 Prozent

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Bundeskanzlerin Merkel dürfte am kommenden Mittwoch für eine Verlängerung des Lockdowns plädieren.

(Foto: imago images/sepp spiegl)

Bundeskanzlerin Merkel geht davon aus, dass der Anteil der Virus-Mutationen unter den Corona-Proben bereits bei 20 Prozent liegt. Entsprechend äußerte sie sich Teilnehmern zufolge im CDU-Präsidium.

Jüngsten Daten des Robert-Koch-Instituts zufolge hat die zuerst in Großbritannien aufgetretene Virus-Mutation B.1.1.7 in Deutschland einen Anteil von 5,8 Prozent der positiven Corona-Proben, einschließlich der Mutationen aus Südafrika und Brasilien sind es 6,9 Prozent. Diese Zahlen sind allerdings nicht ganz neu: Sie stammen aus einem Bericht vom vergangenen Freitag und beziehen sich auf die letzte Januarwoche.

Vor dem Bund-Länder-Treffen am Mittwoch soll es aktuellere Daten geben. Nach Informationen von ntv und RTL geht Bundeskanzlerin Angela Merkel davon aus, dass die Zahlen mittlerweile deutlich höher sind. In der CDU-Präsidiumssitzung am Montag sagte sie nach Angaben von Teilnehmern: "Ich vermute, dass 20 Prozent aller Corona-Infektionen aktuell auf die Mutationen zurückzuführen sind."

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Im Interview mit ntv und RTL hatte Merkel in der vergangenen Woche gesagt, sie könne noch nicht sagen, was am Mittwoch beim Bund-Länder-Gipfel beschlossen werde. Sie wolle zunächst die weitere Entwicklung abwarten und sich angucken, wie die Virus-Mutation schon vorgedrungen sei.

Zunahme der Virus-Mutationen wahrscheinlich

Auch einer ihrer Berater schlägt Alarm und befürchtet drastisch steigende Inzidenzwerte. Der Bioinformatiker Rolf Apweiler, Direktor des European Bioinformatics Institute im britischen Cambridge, spricht eine eindringliche Warnung aus: Rechnet man die Schnelligkeit der Ausbreitung hoch, könnten wir Ende März bei einer Inzidenz von "mindestens 400" liegen - trotz der derzeitigen Lockdown-Maßnahmen.

Apweiler bezieht sich auf die genannten Daten des Robert-Koch-Instituts: Diese zeigen, dass Ende 2020 in Deutschland weniger als ein Prozent der positiven Proben die britischen, südafrikanischen oder brasilianischen Mutationen aufwies. Drei Wochen später lag der Wert all dieser Mutationen bei 6,9 Prozent. Innerhalb dieser kurzen Zeit hatte sich die Zahl der Fälle mit Coronavirus-Mutationen von weniger als 1200 auf etwa 6600 erhöht - eine Steigerung um etwa 77 Prozent pro Woche.

In einer Berechnung des Bioinformatikers, die RTL und ntv vorliegt, geht Apweiler davon aus, dass die jetzigen Maßnahmen nicht ausreichen, um die Ausbreitung der verschiedenen Varianten zu stoppen. Bereits in zwei Wochen könnten die Mutationen die dominierende Variante sein. Bei den jetzigen Lockdown-Maßnahmen und ihrer Durchsetzung geht der Wissenschaftler von einem Wachstum der Inzidenz von 30 bis 70 Prozent pro Woche aus. Somit läge der Inzidenzwert Ende März bei rund 400.

Quelle: ntv.de, swi/hvo