Politik

"Ich will Deutschland dienen" Merkel bestätigt Kanzlerkandidatur

Nun ist es offiziell: Angela Merkel bewirbt sich erneut als Kanzlerkandidatin und CDU-Chefin. Allerdings sei ihr die Entscheidung alles andere als leicht gefallen, sagt sie und erklärt, was sie motiviert, nach elf Jahren als Kanzlerin weiterzumachen.

Kanzlerin Angela Merkel hat ihre Kanzlerkandidatur für die Bundestagswahl 2017 erklärt. Sie werde sich auch erneut für den Parteivorsitz der CDU bewerben - dies gehöre in ihrem Verständnis zusammen, sagte sie nach der Sitzung des Präsidiums und des Bundesvorstandes ihrer Partei in Berlin. Sie habe "sprichtwörtlich unendlich viel darüber nachgedacht", erklärte die Kanzlerin. "Die Entscheidung für eine vierte Kandidatur ist nach elf Amtsjahren alles andere als trivial. Weder für das Land, noch für die Partei noch - ich sage es ganz bewusst in dieser Reihenfolge - für mich persönlich." Sie wolle Deutschland aber nach wie vor dienen. Ihr Ziel für die Politik sei es, für den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu arbeiten.

"Ich habe bei meiner ersten Kanzlerkandidatur am 30. Mai 2005 gesagt: Wir wollen Deutschland dienen, ich will Deutschland dienen. (...) Und das leitet mich auch heute." Die Menschen hätten in diesen Zeiten wenig Verständnis, "wenn ich jetzt nicht noch einmal meine ganze Erfahrung und das, was mir an Gaben und Talenten gegeben ist, in die Waagschale werfen würde, um meinen Dienst für Deutschland zu tun", sagte sie. Dabei betonte Merkel, dass sie für die volle Legislaturperiode von vier Jahren antrete.

Die Kanzlerin hatte vorher schon in den CDU-Gremien ihre Bereitschaft zu einer weiteren Kandidatur erklärt. Anfang Dezember will sie sich auf dem Parteitag in Essen erneut zur Parteichefin wählen lassen.

Merkel: Einige Erwartungen sind "geradezu absurd"

Merkel erwartet im kommenden Bundestagswahlkampf Anfechtungen von allen Seiten. "Diese Wahl wird wie keine zuvor - jedenfalls seit der deutschen Wiedervereinigung nicht - schwierig." Sie erwarte nicht nur Herausforderungen von Rechts und von Links und eine starke Polarisierung der Gesellschaft. Auch europäisch und international drohten Anfechtungen "für unsere Werte" und "unsere Art zu leben".

Auch in dieser Situation sei sie bereit, als Kanzlerkandidatin anzutreten. Jedoch warnte sie vor überzogenen Erwartungen an sie. "Aber all das was damit, ganz besonders jetzt nach den Wahlen in den Vereinigten Staaten von Amerika, verbunden wird, wie es auf mich ankommt, das ehrt mich zwar, aber ich empfinde es auch sehr stark als grotesk und geradezu absurd", sagte Merkel. "Kein Mensch alleine, auch nicht mit größter Erfahrung, kann die Dinge in Deutschland, Europa, in der Welt mehr oder weniger zum Guten wenden, und schon gar nicht eine Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland." Die "New York Times" etwa hatte Merkel zur "letzten Verteidigerin des freien Westens" erklärt, nachdem Donald Trump zum neuen US-Präsidenten gewählt worden war.

Seehofer kommt nicht zum CDU-Parteitag

CSU-Chef Horst Seehofer kündigte an, dass seine Partei die Kanzlerkandidatur Merkels unterstützen werde. An der "gemeinsamen Kanzlerkandidatin" könne nun niemand mehr zweifeln sagte er. Zum Parteitag der CDU wird Seehofer trotzdem nicht kommen. Das habe sie mit Seehofer "im Sinne der Reziprozität" so vereinbart, teilte Merkel mit. "Ich war nicht bei der CSU und Horst Seehofer wird nicht Gast bei der CDU in diesem Jahr sein."

Merkel erinnerte aber an das geplante gemeinsame Treffen der Schwesterparteien zu Beginn nächsten Jahres. Dann solle "an einem gemeinsamen Wahlprogramm" von CDU und CSU gearbeitet werden. Wegen des Flüchtlingsstreits war Merkel entgegen der Tradition der Schwesterparteien nicht beim CSU-Parteitag im November aufgetreten.

Quelle: n-tv.de, hul/dpa/AFP/rts

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