Politik

"In Berlin muss was passieren" Merkel fürchtet Corona-Zahlen wie in Frankreich

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Am Dienstag will Merkel in einer Videoschaltkonferenz mit den Ministerpräsidenten über Maßnahmen gegen die steigenden Infektionszahlen beraten.

(Foto: via REUTERS)

Die Kanzlerin befürchtet, dass Deutschland zum Jahresende Corona-Infektionszahlen wie Frankreich haben könne. Vor allem das Vorgehen der Berliner Landesregierung macht ihr Sorge.

Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einem deutlichen Anstieg der Ansteckungszahlen in Deutschland gewarnt. Wenn diese sich wöchentlich so weiterentwickeln würden wie bisher, werde es zu Weihnachten 19.200 Neuinfektionen am Tag geben, sagte Merkel nach Angaben aus Teilnehmerkreisen in einer Videokonferenz des CDU-Präsidiums. Die Kanzlerin habe das hochrechnen lassen, wenn es einen exponentiellen Verlauf geben würde, hieß es.

An diesem Dienstag will die Kanzlerin in einer Videoschaltkonferenz mit den Ministerpräsidenten der Länder über geeignete Maßnahmen gegen die steigenden Infektionszahlen in der Pandemie beraten.

Priorität hätten Schulen, die Kindertagesstätten und die Wirtschaft, sagte Merkel. Man müsse lokale Infektionsherde sehr deutlich angehen, sonst habe man an Weihnachten Zahlen wie in Frankreich. Frankreich ist von der Pandemie schwer getroffen. Der bisherige Höchstwert der täglichen Corona-Neuinfektionen wurde im Nachbarland am vergangenen Donnerstag mit mehr als 16.000 Fällen erreicht.

Am Dienstag ist eine Videokonferenz der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer geplant, um das weitere Vorgehen in der Corona-Krise zu koordinieren. Regierungssprecher Steffen Seibert mahnte davor ein konsequentes Handeln an, um einen weiteren Anstieg der Neuinfektionen zu verhindern. "Wir sind alles andere als ohnmächtig." Es müsse aber beherzt gehandelt werden. Die Neuinfektionen hätten sich seit Juni verdreifacht. Das sehe die Bundesregierung mit großer Sorge, lokal und regional gebe es sogar sprunghafte Anstiege. Wichtig sei es, die Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung der Infektionsketten nicht zu überfordern. Sie seien derzeit zum Teil am Anschlag.

Söder auch für Corona-Warnampel

Bayerns Ministerpräsident Söder sprach sich vor der Videoschalte mit Merkel, wie zuvor auch schon Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet, für eine Art Corona-Warnampel aus. Notwendig sei ein einheitliches, verbindliches, verhältnismäßiges und verlässliches Regelwerk, das dann in ganz Deutschland gelte, sagte Söder. Zuvor hatte die "Süddeutsche Zeitung" über sein Konzept für eine Ampel berichtet. Bei Überschreiten bestimmter Infektionszahlen würde diese auf Gelb oder Rot springen und entsprechende Maßnahmen würden in Kraft treten, wie Tests für Risikogruppen, weniger Zuschauer bei Sportveranstaltungen, weniger Teilnehmer bei privaten Veranstaltungen oder eine verschärfte Maskenpflicht etwa auf öffentlichen Plätzen.

Ampel-Modelle für mehr Übersicht in der Corona-Lage gibt es bereits in Österreich oder auch in Berlin. In der Hauptstadt gibt es drei Ampeln. Eine zeigt die Reproduktionszahl an, also wie viele Menschen ein Infizierter im Mittel ansteckt, eine weitere die Belegung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten und die dritte Ampel die sogenannte 7-Tage-Inzidenz, also die in den vergangenen sieben Tagen neu registrierten Corona-Fälle pro 100 000 Einwohner. Merkel äußerte am Montag allerdings Zweifel, dass die Berliner Landesregierung angesichts stark steigender Zahlen in der Hauptstadt ernsthaft versuche, Maßnahmen gegen die Ausbrüche einzuleiten. "Es muss in Berlin was passieren", wurde die Kanzlerin zitiert.

Quelle: ntv.de, kst/hvo/vpe/dpa/rts/AFP