Politik

Wettlauf gegen Delta-Variante Merkel kündigt Nachimpfungen ab Herbst an

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Die Delta-Variante mache Sorge, sagte Merkel - Bayerns Ministerpräsident Söder war digital zugeschaltet.

(Foto: via REUTERS)

Anders als bei früheren Treffen von Bund und Ländern zur Corona-Pandemie gibt es diesmal wenig Streitpunkte - auch dank "extrem erfreulicher" Fallzahlen, wie es Kanzlerin Merkel formuliert. Sie warnt jedoch ausdrücklich vor der Delta-Variante und kündigt Auffrischungsimpfungen für Ältere an.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor der Gefahr der Delta-Variante des Coronavirus gewarnt und gleichzeitig erste Nachimpfungen bei Älteren ab Herbst angekündigt. "Das, was uns Sorge macht, ist die sogenannte Delta-Variante, die sich in Großbritannien wieder sehr stark ausbreitet", sagte sie im Anschluss an Beratungen mit der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) in Berlin. "Wir nehmen diese Delta-Variante sehr ernst", sagte auch Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder.

Jeder Tag, in dem es eine geringe Nachweisbarkeit der derzeit in Deutschland nur für 2,5 Prozent der Corona-Infektionen stehenden Variante gebe, sei ein guter Tag, sagte Merkel. Aber wichtig seien nun weitere Fortschritte beim Impfen. Die Ausbreitung der zuerst in Indien nachgewiesenen Delta-Variante in Deutschland werde sich wohl nicht verhindern lassen, aber "entscheidend ist, wann und unter welchen Bedingungen". "Wir sind im Grund in einem Wettlauf mit dem Impfen", sagte die CDU-Politikerin.

"Impfen ist eine Daueraufgabe"

Die Kanzlerin stellte zudem klar, dass das Thema Impfen alle noch lange begleiten werde. "Wir werden im Herbst mit den Nachimpfungen beginnen müssen für die ältere Generation", sagte Merkel. "Impfen ist eine Daueraufgabe", betonte Söder. Insofern soll auch zumindest ein teilweiser Weiterbetrieb der Impfzentren eine Option bleiben.

Die Länder rechneten weiter mit der Arbeit der Impfzentren über den 30. September hinaus, sagt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller von der SPD. "Wir brauchen sie möglicherweise, um nochmal einen letzten Schub in diese erste Impfkampagne zu bekommen", sagte er. "Und wir müssen immer noch mitbedenken, dass dann im Herbst auch möglicherweise das Nachimpfen beginnt."

"Sommer, der uns viele Möglichkeiten gibt"

Merkel nannte gleichzeitig die aktuelle Entwicklung in Deutschland aber "extrem erfreulich", was die Fallzahlen anbelange. "Wir können sagen, dass sich die Anstrengungen der vergangenen Monate gelohnt haben." Allerdings sei Corona damit nicht verschwunden, wie das wieder exponentielle Wachstum in Großbritannien wegen der Delta-Virusvariante zeige.

"Wir haben einen Sommer, der uns viele Möglichkeiten gibt, die wir lange Monate nicht hatten. Aber wir sollten nicht sorglos sein, sondern die Lage immer wieder sehr, sehr genau beobachten", betonte die Kanzlerin. Merkel sagte weiter, bei den zu erwartenden Impfstofflieferungen gebe es für Juli "noch kein ganz klares Bild".

"Die Lage ist einfach ganz positiv", sagte Bayerns Ministerpräsident Söder über die derzeitigen Fallzahlen. "Überall fallen die Inzidenzen." Doch auch er warnte vor den Gefahren durch Virusvarianten. "Wir wollen am Ende alle Öffnungen mit gutem Gewissen machen", so Söder. Man müsse die Inzidenzen beachten, aber auch die Impfgeschwindigkeit erhöhen. "Das Impfen wird uns die nächsten Jahre begleiten", sagte er.

Länderchefs treffen sich im August wieder

Die Ministerpräsidenten trafen bei ihren Gesprächen keine Entscheidung zur Durchführbarkeit von Großveranstaltungen und Sportveranstaltungen. Wie Merkel sagte, sollen sich die Staatskanzleichefs der Bundesländer nun darüber verständigen. Bund und Länder sollten sich in nächster Zeit alle vier Wochen auf der Ebene der Staatskanzleichefs austauschen.

Berlins Regierender Bürgermeister Müller sagte, es gelte erst die weitere Entwicklung zu beobachten. Immerhin sei man bei Großveranstaltungen jetzt überhaupt "überraschend schnell in der Lage, wo wir darüber wieder reden können". Es gebe wieder Perspektiven, aber man werde nicht "ab morgen Großveranstaltungen zulassen" können. Söder sagte, es werde auch auf die Art der Veranstaltungen kommen: Fußballspiele wie aktuell bei der EM seien hier mit gute Hygienekonzepten weniger problematisch als beispielsweise ein Rockkonzert.

In der zweiten Augusthälfte solle es dann vor der Bundestagswahl noch eine MPK geben, bei der unter anderem über die pandemische Lage und über das weitere Vorgehen beim Impfen beraten werden solle, kündigte Merkel an.

Bei dem Treffen handelte es sich um eine turnusmäßige reguläre MPK, bei der Corona nur eines von mehreren Themen war. Schwerpunkte waren außerdem der Klimaschutz und die Digitalisierung. Für die Kanzlerin, die nach der Bundestagswahl im Herbst aus dem Amt scheidet, war es allerdings die letzte reguläre MPK. Sie erhielt nach eigenen Angaben ein Porzellangeschenk von den Länderchefs. "Ministerpräsidentenkonferenzen waren nie einfach, aber sie waren extrem wichtig für Erfolge, die wir gemeinsam erreicht haben", sagte Merkel rückblickend und erinnerte an ihr erstes Treffen im Dezember 2005. Es sei manchmal schwer und konfliktträchtig gewesen, "wir sind aber nie auseinandergegangen, ohne eine Lösung zu finden".

Quelle: ntv.de, mli/AFP/dpa

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