Politik

Agrargipfel im Kanzleramt Merkel und Klöckner verurteilen Billig-Preise

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"Wir wissen, Bauern stehen unter großem Druck": Merkel und Klöckner beim Agrargipfel im Kanzleramt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die große Treckerdemo vor dem Brandenburger Tor zeigt zumindest einen Erfolg: Das Kanzleramt öffnet sich für die Sorgen der Bauern. Bei einem "Agrargipfel" verspricht Merkel den Landwirten mehr Wertschätzung. Am Ende steht fest: Dumping-Preise der Discounter brauchen ab sofort den strengen Blick der Politik.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will gemeinsam mit den Bauern in Deutschland "gute neue Wege finden", um die Zukunft der Branche zu sichern. Zu einem mehrstündigen Gipfeltreffen im Kanzleramt empfing sie Vertreter der Bauernverbände und von weiteren landwirtschaftlichen Gruppierungen. Merkel würdigte zum Auftakt des Treffens die Landwirtschaft als "ganz wichtigen Teil der Gesellschaft". Diese Landwirtschaft solle in Deutschland "eine Zukunft haben". Für die Bauern gehe es um Berechenbarkeit: "Sie müssen wissen, wo geht das hin", sagte die Kanzlerin an die Adresse der Landwirte. Es gehe darum, dass die Betriebe auch "rentabel wirtschaften können".

Vergangene Woche hatten in Berlin 15.000 Bauern gegen die Agrarpolitik der Regierung protestiert. Sie wandten sich gegen zu weitreichende Umwelt- und Naturschutzvorschriften und forderten mehr Respekt und Anerkennung für ihre Arbeit.

Die Kanzlerin äußerte Verständnis für die Proteste vieler Landwirte. "Wir wissen, dass Sie aus verschiedenen Gründen unter großem Druck stehen." Manche derzeit geführte Diskussion sei "schwer erträglich", da sie zum Teil nicht von großer Sachkunde geprägt sei. Merkel betonte aber auch, es gebe ein "dramatisches Problem bei der Artenvielfalt" in Deutschland. Die Bauern seien nicht die einzigen Verursacher, "aber Teil des Gesamtsystems".

Klöckner will Discounter ins Visier nehmen

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"Die faire Milch": Was bei Kaffee geht, wollen auch deutsche Bauern für ihre Erzeugnisse.

(Foto: picture alliance/dpa)

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner sagte zum Auftakt, es gehe auch um die Einsicht, dass der Wunsch von Verbrauchern nach mehr Tierwohl und Klimaschutz, "Geld kostet". Es müsse darüber geredet werden, dass viele Nahrungsmittel "zu billig sind". Außerdem sei entscheidend, auch junge Menschen für den Beruf des Landwirts zu begeistern und die verschiedenen Interessen einzelner Gruppen unter einen Hut zu bringen.

Nach dem dreistündigen "Agrargipfel" im Kanzleramt teilte Klöckner mit, die Bundesregierung werde ab sofort umstrittene Billigangebote für Lebensmittel stärker in den Blick nehmen. Dazu werde es eine Gesprächsrunde bei Merkel mit Handelsunternehmen geben. Im neuen Jahr seien zudem "Dialogforen" des Agrarministeriums in mehreren deutschen Städten vorgesehen, an denen auch Umwelt- und Verbraucherverbände beteiligt werden sollen. Start soll am 21. Januar bei der Agrar- und Ernährungsmesse Grüne Woche in Berlin sein.

Vor dem Bundeskanzleramt demonstrierten mehrere Dutzende Aktivisten von Greenpeace und vom Tierschutzbund für eine klimagerechte und tierfreundliche Landwirtschaft. Klimaschutz müsse in der Landwirtschaft "ganz oben stehen", forderte Greenpeace, denn der Beitrag der Branche zur Klimakrise sei "erheblich".

Bauernverband: "Wir haben ganz viele Ideen"

Grünen-Chef Robert Habeck sagte im Deutschlandfunk, dem Wert der Lebensmittel müsse "wieder mehr Geltung" verschafft werden. Das bedeute letztlich, die Bauern müssten "höher vergütet werden" und die Verbraucher dazu ihre Konsumgewohnheiten "ein bisschen umstellen". Die Politik wiederum sei gefordert, die Rahmenbedingungen zu verändern. Habeck nannte etwa die Umstellung der "Förderkulisse" - ökologisches Wirtschaften müsse mehr gefördert werden als die intensive Produktion.

Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Bernhard Krüsken, rief zum Dialog und zu konstruktiven Lösungen auf. Die Bauern hätten "viele Ideen" und Rezepte, was in Sachen Umweltschutz, Artenschutz und Klimaschutz getan werden könne, sagte er im n-tv Frühstart. Die Branche wünsche sich, "dass die Umweltpolitik der Bundesregierung das unterstützt und nicht konterkariert". Denn das sei im Moment der Fall.

Quelle: n-tv.de, mau/AFP/dpa

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