Politik

"Alles wurde anders" Merkel versteht Unmut vieler Ostdeutscher

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Angela Merkel wuchs selbst in Ostdeutschland auf.

(Foto: imago/localpic)

Die Wiedervereinigung ist fast 30 Jahre her. Dennoch gibt es in den neuen Bundesländern viel Unzufriedenheit. Kanzlerin Merkel hat Verständnis dafür, da die Einheit zu harten Umbrüchen geführt habe. Bei aller Kritik zieht sie aber auch eine klare Grenze.

Vor dem Tag der Deutschen Einheit hat Bundeskanzlerin Angela Merkel für mehr Verständnis für den Unmut vieler Ostdeutscher geworben. Insgesamt sei die Wiedervereinigung eine Erfolgsgeschichte, sagte die CDU-Chefin der "Augsburger Allgemeinen". "Aber es ist schon auch so: Vieles, was Anfang der neunziger Jahre passiert ist, kommt jetzt bei den Menschen nochmal auf den Tisch.", betonte die Kanzlerin. "Viele Menschen haben ihre Arbeit verloren, mussten neu anfangen. Das Gesundheitssystem, das Rentensystem - alles wurde anders."

Die Einheit habe zu harten Umbrüchen geführt, viele Ostdeutsche hätten nie wieder in ihrem Beruf arbeiten können, sagte Merkel. "Das ist niemals eine Rechtfertigung für Hass und Gewalt", betonte die Kanzlerin. "Aber es ist eine Erklärung für eine andere Lebensbiografie."

Die Kanzlerin vertrat die Ansicht, dass es insgesamt seit der Bundestagswahl 2017 in Deutschland eine "gewisse Nervosität" gebe. Dies habe mit dem Wahlergebnis zu tun. "Aber sicher auch mit der Tatsache, dass das Thema Flüchtlinge dieses Land ein Stück weit spaltet." Dies dürfe aber nicht zu einer Vergiftung der Auseinandersetzungen führen: "Diese völlige Enthemmung in der Sprache ist etwas, das wir nicht tolerieren dürfen in Deutschland", sagte die Kanzlerin. "Davon bin ich zutiefst überzeugt. Ich habe diesen Hass auch im Wahlkampf zu spüren bekommen."

Auf die Frage, ob Merkel beim CDU-Parteitag ihren Posten als Parteivorsitzende abgeben werde, sagte sie: "Ich habe gesagt, ich stehe für diese Legislaturperiode zur Verfügung und ich habe meine Meinung, dass Parteivorsitz und Kanzlerschaft zusammengehören, nicht geändert."

Eine mögliche Minderheitsregierung schloss Merkel aus. "Nein, was meinen Sie, was dann los wäre. Es wäre noch viel, viel unruhiger." Mit Blick auf die AfD sagte die Kanzlerin: "Wir sollten alles tun, damit die AfD so klein wie möglich wird. Das heißt für mich: Die Probleme, die die Menschen umtreiben, ernst zu nehmen und zu lösen. Aber auch da müssen wir einen klaren Schlussstrich ziehen, dort, wo Hass ist, wo generelle Verdächtigungen sind, wo Minderheiten ausgegrenzt werden. Da muss man sich absolut abgrenzen."

Quelle: n-tv.de, mli/rts/dpa

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