Politik

Gauck genießt seinen Ruhestand "Merkel wird noch gebraucht werden"

Bundespräsidenten haben einen eng getakteten Tagesablauf, eine "ganze Fülle von Aufgaben", wie der ehemalige Amtsinhaber Gauck bei n-tv Frühstart sagt. Die große Verantwortung, die damit einher geht, vermisst er aber nicht. Für Menschen wie Kanzlerin Merkel hat er einen Tipp für den Ruhestand.

Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck ist erleichtert, dass er nicht mehr so große Verantwortung tragen muss wie zu seiner Amtszeit. "Ja, das bin ich, denn ich werde demnächst 80", sagte er bei n-tv Frühstart. Er verwies auf die vielfältigen Tätigkeiten des deutschen Staatsoberhaupts: "Das ist eine ganze Fülle von Aufgaben, aber auch Wissen, das man sich aneignen muss, weil man in die unterschiedlichsten Gebiete der Debatten hineingerät und oftmals auch hineingeraten will." Dazu gehöre, vorbereitet zu sein und sich sehr intensiv auf Themen einzulassen. Zudem erwarteten sehr viele Menschen, dass der Bundespräsident Präsenz zeige. "Das ist richtig Arbeit", so Gauck, "da freut man sich dann auch, wenn es mal ruhiger wird."

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Von 2012 bis 2017 war Joachim Gauck Bundespräsident - doch trotz Ruhestands hat er noch viele Termine, wie hier auf dem Evangelischen Kirchentag im Juni.

(Foto: picture alliance/dpa)

Angesprochen auf Kanzlerin Angela Merkel, die nicht noch einmal bei einer Wahl antreten will, sagte Gauck: "Angela Merkel gehört nun ganz gewiss zu den Frauen, die keine Tipps von älteren Männern brauchen, um ihr Leben zu gestalten." Für alle, die besonders aktiv waren im Berufsleben, sei die Rente aber eine Zeit des Lernens: "Wir alle müssen lernen, wie viel Freiheit und pures Rentnerdasein für unsere Psyche gut ist und wie viel Aktivität noch belebend wirkt."

Er denke, dass Merkel wirklich Zeit brauche, um sich zu erholen, so Gauck weiter. "Es ist eine unglaubliche Arbeitsleistung, die diese Frau über Jahrzehnte geschultert hat. Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sie dann nur auf dem Land sitzt und guckt, was der Rasen macht oder die Blümchen. Sie wird schon noch gebraucht werden."

Kann nicht alle Termine wahrnehmen

Die Aufmerksamkeit, die er als Bundespräsident erhielt, vermisst Gauck nicht. "Das hatte ich reichlich", so der 79-Jährige, der von 2012 bis 2017 das deutsche Staatsoberhaupt war. Wenn er etwa ein Buch veröffentliche, habe er zudem weiterhin die Möglichkeit, Menschen zu treffen und darüber zu debattieren. Zuletzt brachte Gauck im Juni sein Buch "Toleranz: einfach schwer" heraus.

"Und es gibt eine Fülle von Einladungen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Ich kann die gar nicht alle wahrnehmen", sagte Gauck weiter. Er müsse das begrenzen. "Ich bin am Lernen: wie viel Rentner und wie viel Dienst. Und das ist manchmal gar nicht so einfach." Auf die Frage, was er am Leben in Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, vermisse, nennt Gauck "die Fülle der wirklich engagierten Mitarbeiter".

Quelle: n-tv.de, mli

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