Politik
Angela Merkel wird verspätet beim G20-Gipfel eintreffen.
Angela Merkel wird verspätet beim G20-Gipfel eintreffen.(Foto: picture alliance/dpa)
Freitag, 30. November 2018

G20-Start verpasst: Merkels Flieger hatte "ernsthafte Störung"

Kaum ist der Regierungs-Airbus in der Luft, muss er auch schon wieder umdrehen. Aufgrund eines technischen Defekts schafft es Kanzlerin Merkel nicht rechtzeitig zum G20-Gipfel nach Argentinien. Erstmals spricht sie nun über den brenzligen Zwischenfall.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bestätigt, dass es sich bei dem technischen Defekt an ihrem Regierungsflugzeug um ein größeres Problem gehandelt hat. Nach den Ereignissen könne sie sagen: "Es war eine ernsthafte Störung", sagte Merkel in Bonn, wo sie nach dem Abbruch der Reise zum G20-Gipfel nach Buenos Aires die Nacht verbringt.

Das Regierungsflugzeug "Konrad Adenauer" hatte einen technischen Defekt und musste deswegen außerplanmäßig landen.
Das Regierungsflugzeug "Konrad Adenauer" hatte einen technischen Defekt und musste deswegen außerplanmäßig landen.(Foto: REUTERS)

Ausgesprochen lobend äußerte Merkel sich über den Flugkapitän und die Mannschaft an Bord ihres Flugzeugs: Sie habe "eine sehr, sehr exzellente Crew gehabt". Das Kommando habe "der erfahrenste Kapitän der Flugbereitschaft" gehabt.

Als sie von einem Mitglied der Mannschaft aus einem Briefing geholt worden sei, habe sie zunächst daran gedacht, dass in Deutschland etwas vorgefallen sein könnte. Auf die Frage, ob es nach mehreren Vorfällen mit Regierungsflugzeugen in jüngster Zeit notwendig sei, die Sicherheit der Flugzeuge in Frage zu stellen, sagte Merkel: "Ein einzelner Vorfall sollte uns nicht dazu bringen, das System zu verändern."

Gefährlicher Notfall

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Nach Informationen des "Spiegels" war an Bord des Regierungsflugzeugs das komplette Kommunikationssystem mit dem Boden ausgefallen. Ein solcher Komplettausfall der Kommunikationsanlage, die durch mehrere Ersatzsysteme abgesichert sei, gilt dem Nachrichtenmagazin zufolge in der Luftfahrt als gefährlicher Notfall. Deswegen hätten sich die Piloten sofort entschlossen, den Flug zum G20-Gipfel in Argentinien abzubrechen. Auch nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sollen weite Teile eines für den Flugbetrieb dringend benötigten Elektroniksystems ausgefallen sein. Über dem Atlantik sei Kerosin abgelassen worden, um das Gewicht des für den Transatlantikfluges vollgetankten Airbus zu verringern. Es sei teilweise die Frage gewesen, ob überhaupt eine Landung möglich gewesen sei.

Der "Spiegel" schreibt, nur mit dem Satellitentelefon an Bord sei es der Crew gelungen, Kontakt zur Flugleitstelle aufzunehmen und die Landung auf dem Flughafen in Köln-Bonn zu planen. Die Situation soll nach "Spiegel"-Informationenen so brenzlig gewesen sein, dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen von der CDU schon nach dem Komplett-Ausfall der Funkanlage informiert wurde.

Ehemann Sauer bleibt in Deutschland

Merkel will versuchen, an diesem Freitag noch rechtzeitig zum Abendprogramm des G20-Gipfels in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires zu gelangen. Wie Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, wollen Merkel und Finanzminister Olaf Scholz am frühen Freitagmorgen mit der Flugbereitschaft der Luftwaffe nach Madrid fliegen und dann per Linienflug weiter nach Buenos Aires. Alles Weitere wie etwa das Nachholen bilateraler Treffen werde dann dort geklärt.

Seibert sagte weiter, man hätte an diesem Freitag mit einem Ersatzflugzeug der Flugbereitschaft erst viel später abfliegen können als bei der nun gewählten Lösung. Dies liege an der Verfügbarkeit der notwendigen Besatzung. Seibert zufolge wird Merkels Ehemann, Joachim Sauer, die Kanzlerin nicht mehr nach Buenos Aires begleiten, sondern nach Berlin zurückkehren. Er würde wegen der Verzögerung zu viel vom Partnerprogramm verpassen.

Nicht nur für Sauer, sondern auch für Journalisten, die Merkel begleiten sollten, ist die Reise nun zu ende. Christian Wilp berichtet für n-tv.de vom Flughafen Köln/Bonn. Er twitterte ein Foto, dass die "Konrad Adenauer" auf dem Rollfeld zeigt. "Endstation", schreibt er dazu.