Politik

"Von Entscheidung überrollt" Meuthen von Petry-Verzicht total überrascht

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Jörg Meuthen war offenbar nicht in Petrys Entscheidung eingeweiht.

(Foto: picture alliance / Rainer Jensen)

Der Verzicht von Frauke Petry auf die Spitzenkandidatur im Bundestagswahlkampf überrascht auch Teile der AfD-Führungsriege - so auch den Co-Vorsitzenden Jörg Meuthen. Er kann dem Ganzen aber auch etwas Positives abgewinnen.

Der AfD-Parteivorsitzende Jörg Meuthen ist vom Verzicht der Co-Vorsitzenden Frauke Petry auf eine Bundestags-Spitzenkandidatur überrascht worden. Er habe weder von einer Videobotschaft noch von ihren Plänen gewusst, sagte er in Hamburg. "Ich war vorab nicht informiert."

Als er am Nachmittag in Stuttgart ins Flugzeug Richtung Hamburg gestiegen sei, sei er davon ausgegangen, dass Petry beim Parteitag in Köln am Wochenende um die Spitzenkandidatur kämpfen oder zumindest in einem Spitzenteam mitmachen wolle. Als er dann in der Hansestadt gelandet sei, sei er von Petrys Entscheidung "etwas überrollt" worden.

Meuthen, der selbst nicht Spitzenkandidat werden will, räumte ein, dass mit dem Rückzug Petrys ein Streitthema des Parteitags potenziell abgeräumt sei. Hätte diese eine alleinige Spitzenkandidatur angestrebt, "wäre das sehr konfliktär gewesen". Er hätte es daher begrüßt, wenn Petry mit AfD-Vize Alexander Gauland in einem Team gearbeitet hätte. Meuthen betonte, die AfD sei personell breit aufgestellt.

AfD-Bundesvorstandsmitglied Dirk Driesang, der Petrys Antrag unterstützt hatte, lobte sie für ihren Verzicht. Er sagte: "Sie nimmt sich erst einmal als Person zurück, damit die Partei diese wichtige inhaltliche Debatte jetzt führen kann." Als Anfang vom Ende Petrys als "Gesicht der AfD" sei dieser Schritt keineswegs zu verstehen. "Sie bleibt ja Parteivorsitzende", betonte Driesang. Vorstandsmitglied André Poggenburg sagte: "Ich finde es schade, weil ich Frauke Petry als wichtige Figur in einem Spitzenteam gesehen hätte." Ob Petry nun noch Chefin einer künftigen Bundestagsfraktion der AfD werden könne, "diese Frage ist noch völlig offen", sagte der Vorsitzende der Magdeburger AfD-Landtagsfraktion. Poggenburg wird dem rechten Partei-Flügel zugerechnet. Er steht dem umstrittenen Björn Höcke nahe, einem scharfen Gegner von Petry.

Petry hatte in einer verbreiteten Videobotschaft erklärt, dass sie "weder für eine alleinige Spitzenkandidatur noch für eine Beteiligung in einem Spitzenteam zur Verfügung stehe". Zur Begründung sagte sie, es sei ihr wichtig, dass ihre Partei drängende Sachfragen unabhängig von Personalfragen diskutiere. Die AfD will am Wochenende auf einem Parteitag in Köln über die Frage der Spitzenkandidatur oder eines Spitzenteams entscheiden.

Parteivize Gauland bedauerte den Rückzug Petrys. Gauland sagte der "Bild"-Zeitung, er halte den Rückzug Petrys "für falsch". Tatsächlich könne es dazu kommen, dass nun gar kein Spitzenteam aufgestellt werde. Bislang gebe es allerdings eine klare Beschlusslage, dass ein Team gebildet werden solle. Gauland hatte in der vergangenen Woche gewarnt, wenn der Antrag von Petry über die strategische Ausrichtung der Partei beschlossen werde, "droht der AfD eine fürchterliche Auseinandersetzung".

Quelle: ntv.de, sgu/dpa/AFP

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