Politik

Erbitterte Kämpfe um Aleppo Mig-Jet greift Aufständische an

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Ein Aufständischer schießt in Aleppo auf Assads Truppen.

(Foto: REUTERS)

Die Schlacht um Aleppo fordert immer mehr Opfer. Für die Zivlisten ist die Lage katastrophal, wer kann, flieht aus der Metropole. Assads Soldaten und Rebellen bekämpfen sich heftig mit schwerem Geschütz, der Kampf um die Stadt wird zum entscheidenden Test.

Im hat die syrische Armee ihre Offensive ausgeweitet. Die Regierungstruppen griffen Stellungen der Rebellen in zwei Schlüsselbezirken der Millionenstadt mit Artillerie und Kampfhubschraubern an. Die Aufständischen erklärten, sie hätten die ihnen an Feuerkraft überlegenen Truppen von Präsident Baschar al-Assad zurückgeschlagen. Ihr Ziel sei das Zentrum der Wirtschaftsmetropole, das sie in wenigen Tagen besetzen wollten.

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Ein Trümmerfeld: Syrische Siedlungen bei Homs.

(Foto: REUTERS)

Der Schlacht um Aleppo ist für beide Seiten zum entscheidenden Test geworden. Weder die Regierung noch die Rebellen können Aleppo aufgeben, wenn sie den seit fast eineinhalb Jahren tobenden Machtkampf gewinnen wollen. Die Assad ergebenen Einheiten nahmen vor allem den Stadtteil Salaheddine im Südwesten und Viertel im Osten unter Beschuss. An den Angriffen auf die Gebiete im Osten waren auch Kampfhubschrauber und später ein Mig-Jet beteiligt. Dort stieg anschließend dichter Rauch auf.

Die Armee hatte am Sonntag erklärt, sie habe Salaheddine eingenommen. Meldungen des Staatsfernsehens über anhaltende Gefechte deuten aber darauf hin, dass die Streitkräfte das Viertel noch nicht gänzlich kontrollieren. Ein vor sechs Monaten zu den Rebellen übergelaufener Kommandeur widersprach der offiziellen Darstellung, dass Salaheddine eingenommen wurde. "Das Regime hat drei Tage lang versucht, Salaheddine zurückzuerobern. Es ist gescheitert, und dabei hat es schwere Verluste an Menschen, Waffen und Panzern erlitten", sagte Oberst Abdel-Dschabbar al-Okaida. Die Regierungssoldaten seien zum Rückzug gezwungen worden.

Die Rebellen beherrschen nach eigener Aussage einen Bogen, der die Stadtviertel Aleppos im Osten und Südwesten umfasst. Für Okaida ist die angestrebte Besetzung des Stadtzentrums eine Frage "von Tagen, nicht von Wochen". Die Ziele der 3000 in Aleppo kämpfenden Rebellen seien kurzfristiger Natur. "So Gott will, werden wir Aleppo mit seinen Militär- und Sicherheitseinrichtungen befreien." Trotz überlegener Feuerkraft sei die Moral der gegnerischen Truppen auf dem Nullpunkt. Nachprüfen lassen sich die Äußerungen Okaidas nicht.

Assads Truppen haben die bessere Ausrüstung

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Immer mehr Zivilisten werden bei den Kämpfen verwundet.

(Foto: REUTERS)

Die mit Kalaschnikow-Sturmgewehren, Maschinengewehren und Granatwerfern bewaffneten Rebellen sind Assads Truppen unterlegen. Die Regierungssoldaten können auf Kampfflugzeuge und -hubschrauber, Artillerie, Panzer und gepanzerte Fahrzeuge zurückgreifen. Die Aufständischen haben einige Panzer und gepanzerte Fahrzeuge erobert, sie aber bislang noch nicht eingesetzt.

Katastrophal wirken sich die Kämpfe auf die 2,5 Millionen Einwohner Aleppos aus. Allein in den vergangenen Tagen mehr als 200.000 Menschen aus der Metropole, die nach dem Willen der Assad-Gegner zum Grab für die Regierungstruppen werden soll. Die in der Stadt Zurückgebliebenen suchten zu Tausenden Schutz in Moscheen und öffentlichen Gebäuden, sagte die Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), Melissa Fleming, in Genf.

EU-Kommissarin Kristalina Georgieva forderte Gefechtspausen, damit sich Zivilisten ohne Furcht um ihr Leben aus den Kampfgebieten retten können. "Syrien gleitet in eine humanitäre Tragödie gewaltigen Ausmaßes ab", sagte sie.

Für die dringend benötigte humanitäre Hilfe fehlt jedoch das Geld. Der Leiter des Berliner Büros des Welternährungsprogramms (WFP), Ralf Südhoff, sagte im Deutschlandradio, seine Organisation brauche allein 100 Millionen Euro, um die akute Not zu lindern. Bisher habe man allerdings erst etwa 30 Millionen Euro zusammen. "Anderen Hilfsorganisationen geht es kaum besser", sagte Südhoff.

Hunderttausende fliehen aus Syrien

Insgesamt flohen vor den Kämpfen in Syrien seit März 2011 mehr als 276.000 Menschen ins Ausland. Die meisten von ihnn, mehr als 140.000, hätten im benachbarten Jordanien Zuflucht gefunden, berichtete das UNHCR. In der Türkei seien 70.000 Syrer angekommen, im Libanon 31.000. Auch andere Staaten der Region meldeten tausende Flüchtlinge gemeldet, die Zahl steige ständig an.

Der syrische Anwalt und Menschenrechtsaktivist Haitham al-Maleh wurde indes nach eigenen Angaben mit der Bildung einer Exilregierung in Kairo beauftragt. Eine Koalition von syrischen "Unabhängigen ohne politische Zugehörigkeit" habe ihn mit der Aufgabe betraut, sagte der 81-jährige konservative Muslim in der ägyptischen Hauptstadt. Er werde nun Konsultationen mit der Opposition innerhalb und außerhalb Syriens aufnehmen, sagte al-Maleh, der mehrere Jahre in seinem Heimatland im Gefängnis saß.

Seit dem Beginn des Aufstands Assad im März 2011 wurden in Syrien nach Schätzungen von Menschenrechtsaktivisten mehr als 20.000 Menschen getötet. Wenn Assad den auch international erhobenen Forderungen nach einem Rücktritt Folge leiste, "wollen wir uns nicht in einem politischen oder administrativen Vakuum wiederfinden", sagte al-Maleh. Daher müssten jetzt "alle Seiten kooperieren". Wie weit dies gelingt, ist höchst zweifelhaft. Ist die syrische Opposition doch stark zerstritten.

Quelle: n-tv.de, ghö/rts/dpa/AFP