Politik

Sudan-Opposition lehnt Putsch ab Militär ernennt Ibn Auf zum Staatschef

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Ibn Auf war bislang Verteidigungsminister, jetzt soll er den militärischen Übergangsrat führen.

(Foto: REUTERS)

Sudans Armeeführung setzt den viel kritisierten Machthaber al-Baschir ab und macht Verteidigungsminister Ibn Auf zum Chef einer Übergangsregierung. Doch trotz Ausgangssperre gehen weiter Demonstranten auf die Straße. Viele Staaten zeigen sich beunruhigt.

Nach der Absetzung des langjährigen Präsidenten Omar al-Baschir ist sein bisheriger Verteidigungsminister Awad Ibn Auf als Präsident des militärischen Übergangsrates des Sudans vereidigt worden. Ibn Aufs Stellvertreter wurde am Donnerstagabend Generalstabschef Gamal Abdel-Maruf, wie der sudanesische Staatsrundfunk berichtet.

Der Übergangsrat soll dem Militär zufolge zwei Jahre im Amt bleiben und Wahlen vorbereiten. Doch das Oppositionsbündnis Erklärung von Freiheit und Wandel, das Massenproteste gegen al-Baschir organisiert hatte, lehnte das Vorhaben der Militärs ab. Es forderte eine zivile Übergangsregierung und rief die Bürger auf, ihre Proteste fortzusetzen. Der Militärische Übergangsrat vertrete keinen Wandel, erklärte das Bündnis in Khartum. "Wir rufen unser großes Volk auf, ihre mutigen Sit-Ins vor dem Hauptquartier der Streitkräfte fortzusetzen." In allen Städten sollten die Menschen auf den Straßen bleiben.

Das Militär verhängte für einen Monat eine Ausgangssperre jeweils ab 22.00 Uhr Ortszeit bis 04.00 Uhr morgens. Viele Demonstranten hielten sich aber am Donnerstagabend nicht daran. Die Putschisten hatten das Parlament und andere staatlichen Institutionen für aufgelöst erklärt. Die Justiz solle aber weiter arbeiten, sagte Ibn Auf. Der sudanesische Luftraum wurde für 24 Stunden geschlossen. Al-Baschir wurde festgenommen. Für drei Monate gilt der Ausnahmezustand.

Internationale Zurückhaltung

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Viele Demonstranten waren auch nachts noch auf der Straße.

(Foto: REUTERS)

Al-Baschirs Sturz kam trotz der vorangegangenen Massenproteste für viele Regierungen unerwartet. Der Iran, einst ein enger Verbündeter des Langzeitpräsidenten, erklärte, er werde sich in die Verhältnisse nicht einmischen. Arabische Golfstaaten bekundeten ihre Besorgnis. Die USA riefen die neuen Machthaber auf, Zivilisten an der Regierung zu beteiligen. "Die sudanesische Bevölkerung sollte bestimmen, wer sie in Zukunft führt", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums in Washington. "Was wir in Khartum gesehen haben, ist gewiss ein historischer Moment für die Menschen im Sudan", sagte der Sprecher. Die US-Regierung habe aber noch keine endgültige Einschätzung der Lage und stimme sich mit internationalen Partnern ab.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen begrüßte al-Baschirs Absetzung. "Es gibt dem Land eine Chance, einen Übergang in eine demokratische Regierungsform zu finden und befriedet zu werden", sagte sie am Rande des UN-Sicherheitsrates in New York. UN-Generalsekretär António Guterres mahnte zu "Ruhe und allerhöchster Zurückhaltung". Der britische Außenminister Jeremy Hunt forderte einen raschen Übergang zu einer repräsentativen zivilen Regierung. Das Auswärtige Amt in Berlin riet wegen des Putsches von nicht dringend nötigen Reisen in das Land im Nordosten Afrikas ab. Weitere "gewalttätige Ausschreitungen" insbesondere in Khartum könnten nicht ausgeschlossen werden", hieß es.

Dem Putsch waren monatelange Massenproteste vorausgegangen. Auslöser war eine Erhöhung der Benzin- und Brotpreise gewesen. Am Ende blockierten Demonstranten die Militärzentrale und Residenz al-Baschirs mit einer Sitzblockade. Tausende wurden festgenommen. Einem Ärzteverband zufolge kamen mindestens 21 Menschen um. Al-Baschir hatte sich 1989 unblutig an die Macht geputscht. Trotz eines Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofes wegen Massakern im Ostsudan reiste er wiederholt ins Ausland. Der Sudan mit rund 40 Millionen Einwohnern gehört zu den 25 ärmsten Ländern der Welt.

Quelle: n-tv.de, ino/dpa

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