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Kein Durchkommen: Seit Tagen ist das Straßensystem Brasiliens de facto lahmgelegt.
Kein Durchkommen: Seit Tagen ist das Straßensystem Brasiliens de facto lahmgelegt.(Foto: imago/Agencia EFE)
Samstag, 26. Mai 2018

Protest-Blockade in Brasilien: Militär zieht gegen Lkw-Fahrer ins Feld

In ihrem Protest für faire Ölpreise haben Brasiliens Lkw-Fahrer das Land de facto lahmgelegt: In Supermärkten herrscht gähnende Leere, die Industrie muss die Produktion stoppen. Genug, findet die Regierung von Präsident Temer und schreitet ein.

Die brasilianische Regierung hat den Einsatz der Armee zur Räumung der von streikenden Lastwagenfahrern errichteten Straßenblockaden angeordnet. Verteidigungsminister Joaquim Silva e Luna kündigte einen "schnellen" Einsatz der Streitkräfte an. Präsident Michel Temer hatte zuvor die Anweisung erteilt, die Straßensperren aufzulösen. Mit ihrem Protest legen die Lkw-Fahrer das Land seit mehreren Tagen nahezu komplett lahm, die Versorgung mit Lebensmitteln und Treibstoffen ist stark beeinträchtigt.

Verteidigungsminister Silva e Luna erklärte, die Armee werde "auf eine schnelle, koordinierte und robuste Art" vorgehen. Durch den Einsatz solle der Verkehr in "kritischen Gegenden" wieder fließen können. "Wir werden nicht hinnehmen, dass die Bevölkerung von lebensnotwendigen Gütern abgeschnitten wird", sagte Präsident Temer zuvor im Fernsehen. Die Regierung akzeptiere die Forderungen, aber eine "radikale Minderheit" der Fahrer setze die Blockaden fort.

Die größten Gewerkschaften Brasiliens verurteilten den Einsatz der Armee in einer gemeinsamen Stellungnahme. Allerdings rief die Abcam-Gewerkschaft, die etwa 700.000 Lkw-Fahrer repräsentiert, ihre Mitglieder unter Verweis auf Sicherheitsbedenken zur Beendigung der Blockaden auf.

Versorgungsengpässe durch Blockade

Der Protest der Fahrer richtet sich gegen hohe Dieselpreise des staatlichen Ölkonzerns Petrobras. Diesem war 2016 erlaubt worden, die Preise selbständig festzulegen. Außerdem spielt der jüngste Anstieg der weltweiten Ölpreise eine Rolle. Die Regierung hatte sich am Donnerstagabend mit Vertretern der Trucker darauf geeinigt, dass die Fahrer ihre Blockaden für 15 Tage zunächst aussetzen. Am Freitag gingen die Proteste aber weiter.

Die Straßenblockaden führen in dem Flächenland zu gravierenden Schwierigkeiten, weil die Güterverteilung stockt. Supermärkte und Tankstellen hatten keinen Nachschub mehr, die komplette brasilianische Autoindustrie musste ihre Produktion stoppen.

Am Flughafen der Hauptstadt Brasilia fielen erste Flüge aus, weil Maschinen nicht betankt werden konnten. Der Bürgermeister der Wirtschaftsmetropole São Paulo rief am Freitag den Notstand aus. Dies sollte den Behörden erlauben, Treibstoff und andere Dinge in Privatbesitz zu beschlagnahmen.

Quelle: n-tv.de