Politik

Tötung von iranischem General Milizen rüsten zum Kampf gegen USA

Nicht nur Teheran, auch schiitische Milizen im Irak schwören nach der Tötung eines iranischen Generals durch die USA Rache. Mehrere Anführer irantreuer Gruppen rufen ihre Kämpfer auf, sich bereitzuhalten. Auch ein alter, sehr mächtiger Gegner der USA meldet sich zu Wort - und reaktiviert seine Miliz.

Nach dem tödlichen US-Luftangriff auf den iranischen Kommandeur der Al-Kuds-Brigaden, Ghassem Soleimani, drohen schiitische Milizen mit Vergeltung. Der einflussreiche irakische Schiitenführer Moktada al-Sadr rief seine Anti-US-Miliz wieder zum Kampf auf. Via Twitter rief er die Kämpfer seiner vor gut einem Jahrzehnt offiziell aufgelösten Mahdi-Armee auf, sich "bereitzuhalten". Während der jahrelangen US-Präsenz im Irak war die etwa 60.000 Mann starke Mahdi-Armee von al-Sadr lange der mächtigste Gegner der US-Truppen.

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Al-Sadr (hier 2015) hatte seine Miliz eigentlich vor gut zehn Jahren aufgelöst.

(Foto: picture alliance / Karim Kadim/A)

Al-Sadr hatte die Mahdi-Armee nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Saddam Hussein durch die US-Invasion 2003 gegründet. Nach wochenlangen Kämpfen um ihre Hochburg Sadr-City im Frühjahr 2008 löste er die Miliz auf und gründete eine politische Bewegung. Der populistische Volkstribun und Prediger spielt seit Jahren eine zentrale Rolle in der irakischen Politik. Mit einem einzigen Tweet kann er Hunderttausende Anhänger auf die Straße rufen.

Der einflussreiche Milizenführer Kais al-Khasali erklärte, im Gegenzug für das vergossene Blut würden das Ende der amerikanischen Militärpräsenz im Irak und die Zerstörung Israels kommen. Der Chef der irantreuen Miliz Asaib Ahl al-Hak rief seine Kämpfer außerdem dazu auf, bereit zu sein, da die nächsten Tage "eine baldige Eroberung und einen großen Sieg" bringen würden.

Bei den Schiitenmilizen im Irak handelt es sich um paramilitärische Truppen, die weitestgehend unabhängig agieren. Sie sind eng mit dem benachbarten Iran verbunden und gelten als dessen verlängerter Arm. Mehrere Milizen sind auch im Bürgerkriegsland Syrien im Einsatz.

Aber auch der libanesische Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah rief zur Vergeltung auf. Die "verbrecherischen Mörder" müssten eine "gerechte Bestrafung" erhalten, erklärte er. Dazu seien alle "Widerstandskämpfer" weltweit verpflichtet. Nasrallah verwendet den Begriff "Widerstand" in Zusammenhang mit seiner schiitischen Miliz und deren Verbündeten. Als "Achse des Widerstands" ist etwa das Bündnis zwischen dem Iran, Syrien und der Hisbollah gemeint, das gegen Israel und die westliche Militärpräsenz in der Golfregion gerichtet ist.

"Zerstörerischen Krieg auslösen"

Die irakische Regierung warnte unterdessen vor einer verheerenden militärischen Eskalation. Der Angriff werde "einen zerstörerischen Krieg im Irak auslösen", erklärte der geschäftsführende irakische Regierungschef Adel Abdel Mahdi. Er sei zudem ein "ungeheuerlicher Verstoß" gegen die Sicherheitsvereinbarung mit den USA, die die Bedingungen für die US-Präsenz im Irak regelt.

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Marines bewachen die US-Botschaft in Bagdad.

(Foto: via REUTERS)

Mahdi bezog sich insbesondere auf den Tod des Vize-Chefs der pro-iranischen Hasched-al-Schaabi-Milizen, Abu Mehdi al-Muhandis. Dieser war neben Soleimani bei dem von US-Präsident Donald Trump angeordneten Angriff getötet worden. Die Miliz rief ebenfalls "alle Kämpfer" auf, sich bereitzuhalten. Die "Ermordung eines irakischen Militärkommandanten" sei eine "Aggression gegen den irakischen Staat, seine Regierung und sein Volk", sagte Mahdi.

Auch das geistliche Oberhaupt der Schiiten im Irak verurteilte die Tötung Soleimanis und rief alle Beteiligten zu Zurückhaltung auf. Der Angriff auf den internationalen Flughafen von Bagdad stelle eine dreiste Verletzung der irakischen Souveränität dar, erklärt das Büro von Großajatollah Ali al-Sistani.

Zuvor hatten bereits Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei und Präsident Hassan Ruhani Rache für die Tötung Soleimanis geschworen. Die iranischen Revolutionsgarden und anti-amerikanische Kräfte würden dessen Tod rächen, sagt auch ein Sprecher der iranischen Revolutionsgarden.

Israel in erhöhter Alarmbereitschaft

Auch aus Syrien kam scharfe Kritik. Damaskus verurteile die "niederträchtige amerikanische Aggression" und sehe in ihr eine "schlimme Eskalation" für den Nahen Osten, berichtete die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf eine Quelle im Außenministerium.

Die US-Regierung rief ihre Bürger auf, den Irak umgehend zu verlassen. US-Bürger sollten mit Flugzeugen aus dem Land ausreisen, solange dies möglich sei, erklärte die US-Botschaft in Bagdad. Israel befindet sich derweil in erhöhter Alarmbereitschaft. Es gibt Befürchtungen, dass Racheakte von regionalen Verbündeten wie die vom Iran unterstützte Hisbollah, die Hamas oder den islamischen Dschihad in Gaza erfolgen könnten.

Israels Verteidigungsminister Naftali Bennett berief ein Treffen mit dem Generalstabschef der Armee und weiteren Sicherheitsvertretern ein. Israel und der Iran sind Erzfeinde. Das Ende Israels und "die Befreiung Palästinas" sind seit fast 40 Jahren die außenpolitische Doktrin des Irans. Vertreter des Iran haben in der Vergangenheit immer wieder mit Vergeltungsschlägen gegen den US-Verbündeten Israel gedroht.

Quelle: ntv.de, mli/AFP/dpa/rts