Politik

Rettung von Ortskräften im Juni Ministerium hielt Charterflüge für unnötig

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Soldat der Bundeswehr auf dem Flughafen in Masar-i-Scharif.

(Foto: imago/photothek)

Wenige Tage bevor die Bundeswehr ihr Lager im afghanischen Masar-i-Scharif verlässt, entwirft das Verteidigungsministerium Pläne für ausreisewillige Ortskräfte. Doch letztendlich werden die Charterflüge storniert. Ende Juni habe es noch andere Möglichkeiten zur Ausreise gegeben, so das Ministerium.

Die Bundeswehr hat bereits vor ihrem Abzug aus Afghanistan Charterflüge für die Ausreise von Ortskräften für den Fall geplant, dass der Transport mit Linienmaschinen nicht mehr möglich ist. Das bestätigte das Verteidigungsministerium nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung".

Am 17. Juni seien zwei Maschinen spanischer Fluggesellschaften aus einem bestehenden Rahmenvertrag der Bundeswehr abgerufen worden, um bis zu 300 Personen vom nordafghanischen Masar-i-Scharif nach Deutschland zu fliegen. Die Flüge seien für den 25. Juni geplant gewesen - nur vier Tage vor dem Abzug der letzten deutschen Soldaten aus dem Camp Marmal in Masar-i-Scharif. Zu diesem Zeitpunkt habe man mit 60 verbliebenen Ortskräften plus Familienangehörigen gerechnet - insgesamt bis zu 300 Menschen.

Es habe sich dann aber herausgestellt, dass die Flüge nicht notwendig gewesen seien. "Es ist im Nachhinein festzustellen, dass ein Charterflug am 25. Juni nicht notwendig war, weil die Menschen Ende Juni noch auf anderem Wege ausfliegen konnten." Ein Teil der Ortskräfte habe zu diesem Zeitpunkt keinen Ausreisewunsch gehabt, so das Ministerium. Andere hätten bereits Tickets für Linienflüge gehabt. Für die verbleibenden fünf Ortskräfte und ihre Angehörigen seien die Ticketkosten übernommen worden. Der Flughafen Kabul war bis Samstag noch in Normalbetrieb. Auch aus Masar-i-Scharif wurden die Verbindungen ins Ausland erst vergangene Woche eingestellt.

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte gestern im zuständigen Ausschuss des Bundestags dem Auswärtigen Amt die Schuld für die verzögerte Rettung der Ortskräfte gegeben. Nach Informationen von ntv sagte die CDU-Politikerin, wegen Visaproblemen seien die für den 25. Juni geplanten Flüge abgeblasen worden. Außerdem habe sie seit April die anderen Ministerien vergeblich aufgefordert, ihre Ortskräfte zu kontaktieren und Listen anzufertigen, sagte sie weiter. Geschehen sei aber nichts.

"Der Ausfall der Charterflüge (hat) nicht dazu geführt, dass Menschen in Afghanistan festsitzen, die andernfalls ausgeflogen worden wären", betonte das Verteidigungsministerium nun. Es berichtet in seiner Stellungnahme aber auch von möglichen Problemen bei der Visaerteilung für den Fall, dass der Flug stattgefunden hätte. "Zu dem geplanten Durchführungszeitpunkt konnten die Voraussetzungen wie Pass und Visa für die sichere Abfertigung der möglichen Passagiere vor Ort nicht mehr erfüllt werden", heißt es in der Stellungnahme.

"Dies betraf insbesondere die Forderung nach eindeutiger Identifikation der Passagiere und einer Berechtigungsprüfung für eine Ausreise nach Deutschland noch vor dem Betreten des Flughafengeländes. Dies war zum damaligen Zeitpunkt auch durch das deutsche Einsatzkontingent nicht mehr leistbar."

Quelle: ntv.de, jpe/dpa

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