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"Kriegerisch und antirussisch" Moskau verurteilt neue US-Nuklear-Strategie

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Auch U-Boote wie die USS Pennsylvania sollen mit kleineren Atomsprengköpfen ausgestattet werden.

(Foto: Amanda Gray/US Verteidigungsministerium/dpa)

Die USA sehen in Russland die größte Bedrohung - und wollen dem mit einer neuen Atomwaffendoktrin begegnen. In Moskau wird diese scharf kritisiert. Das Papier sei "kriegerisch", heißt es, und es enthalte abwegige Beschuldigungen.

Moskau hat die Ankündigung der US-Streitkräfte zur Modernisierung ihres Atomwaffenarsenals scharf kritisiert. Das russische Außenministerium äußerte sich "zutiefst enttäuscht" und erklärte, der "kriegerische und antirussische Charakter" des entsprechenden Dokuments springe bei der ersten Lektüre ins Auge. Es sei der Versuch der USA, Russlands "Notwehrrecht in Frage zu stellen" und die eigene Verantwortung für die Verschlechterung der internationalen und regionalen Sicherheitslage auf andere abzuwälzen.

In einem Pentagon-Papier zur US-Atomwaffendoktrin, das am Freitag vorgestellt wurde, heißt es, neue Nuklearwaffen von kleinerer Größe sollten entwickelt werden und in erster Linie der Abschreckung Russlands dienen, das als größte Bedrohung für die Vereinigten Staaten eingestuft wird. Die neuen taktischen Atomwaffen seien die Antwort auf die Ausweitung der russischen Nuklearwaffenkapazität. Die bisherigen Atomwaffen würden durch neue Sprengkörper ersetzt. Das US-Atomwaffenarsenal werde dadurch nicht ausgeweitet.

In der Erklärung des russischen Außenministeriums heißt es, das 75-seitige Pentagon-Papier strotze vor "antirussischen Klischees" - angefangen von "abwegigen Beschuldigungen über ein 'aggressives Verhalten' und alle möglichen 'Einmischungen' bis hin zu ebenfalls unbegründeten Beschuldigungen über 'Verletzungen' der ganzen Liste von Abkommen zu Waffenkontrollen".

"Unangemessen, kontraproduktiv, destruktiv"

Russland versichere, seine Verpflichtungen bezüglich aller internationalen Verträge einzuhalten und sei trotz allem bereit, mit Washington zugunsten einer "stabilen Beziehung" und dem "Erhalt der strategischen Stabilität" zusammenzuarbeiten. In dem Pentagon-Dokument werden zwar auch die Sorgen der US-Regierung hinsichtlich der Atomprogramme in Nordkorea, im Iran und in China unterstrichen. Doch der Schwerpunkt liegt eindeutig auf Russland.

Auch Moskauer Politiker und Ex-Militärs kritisierten die neue US-Nuklear-Doktrin. Diese sei "unangemessen, kontraproduktiv, destruktiv und aggressiv gegenüber Russland und China", sagte der Sicherheitspolitiker Franz Klinzewitsch, Senator im russischen Föderationsrat. Washington provoziere einen neuen Rüstungswettlauf, sagte der Chef im Außenausschuss des russischen Parlaments, Leonid Sluzki, der Agentur Interfax zufolge.

An den US-Überlegungen zum Einsatz von Atomwaffen habe sich nicht viel verändert, sagte der frühere General Leonid Iwaschow. "Wir waren immer Hauptziel eines möglichen US-Atomschlags und werden das bleiben." Er schlug aber vor, dass Russland sich enger mit China gegen die USA abstimmen sollte.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP/dpa

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