Politik

Boris Johnson auf Antrittsbesuch Mr. Brexit verspricht Berlin ein "win-win"

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Zum Haare-Raufen: Der Vollzug des Brexit wird für die britische Regierung komplizierter als gedacht.

(Foto: dpa)

Trotz Austausch von Nettigkeiten und witzigen Sprüchen können Großbritanniens Außenminister Johnson und sein deutscher Kollege Steinmeier nicht darüber hinwegtäuschen: Es gibt derzeit nicht viele Gemeinsamkeiten zwischen Berlin und London.

Ein bisschen Slapstick gibt es immer, wenn Boris Johnson sich zeigt. Seinen Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier begrüßt der wuschelköpfige britische Außenminister fröhlich. Ich bin nicht ein Berliner, stellt er fest, natürlich auf Deutsch, als er nach seinem Antrittsbesuch an der Spree vor die Kameras tritt. Aber seine Frau, die sei in Berlin geboren. Schon im Sommer vor drei Jahren schwärmte der ehemalige Bürgermeister Londons von Pils und Würstchen zu einem sehr vernünftigen Preis. Alles in Berlin sei "perfectly wunderbar".

Dafür dauerte es dann doch ganz schön lange bis zu diesem ersten Besuch in der deutschen Hauptstadt. Erst nach mehr als drei Monaten kommt der Mann nach Berlin, dessen Eintreten für den Brexit möglicherweise den Ausschlag beim britischen Referendum über einen EU-Austritt am 23. Juni gab. Sich so lange Zeit zu lassen, ist zwischen zwei wichtigen europäischen Partnern normalerweise ein Unding.

Aber die Zeiten zwischen Berlin und London sind seit dem Erfolg der Brexit-Gegner alles andere als normal. Fairerweise muss man auch dazusagen, dass sich Johnson und Steinmeier seither schon häufiger gesehen haben. Bei der EU in Brüssel, bei den Vereinten Nationen in New York und einmal sogar auch schon auf deutschem Boden, Anfang September bei einem internationalen Treffen in Potsdam. Das betont am Freitag auch Steinmeier: "Viele Male" sei man sich schon begegnet.

Zwar ging es dabei meist um andere Themen. Aber die Sprache kam immer wieder auf den Brexit. Weiter auseinander als Johnson und sein deutscher Kollege könnte man dabei nicht sein, da hilft auch die SPD-rote Krawatte des Besuchers in Berlin nicht. "Du standst auf der Seite derjenigen, die die Zukunft Großbritanniens außerhalb der Europäischen Union gesehen haben", sagt Steinmeier. "Ich will nicht verhehlen, und das weißt du auch, dass ich davon nicht übermäßig begeistert war."

Merkel und Steinmeier gegen "Rosinenpickerei"

Dass die Briten die EU verlassen, damit hat man sich in Berlin inzwischen abgefunden - auch wenn Deutschland damit einen wichtigen Partner verliert und künftig wohl mehr in die Brüsseler Kassen einzahlen muss. Jetzt soll es wenigstens möglichst schnell über die Bühne gehen. "Eine Hängepartie jedenfalls nutzt keiner Seite etwas", sagt Steinmeier. Und mahnt, wie es auch die Kanzlerin diese Woche wieder getan hat: Zugang zum Binnenmarkt ohne die "weniger attraktiven Teile", wie er es umschreibt, das gehe nicht. 

Johnson, der sich am Freitag auch mit Kanzleramtschef Peter Altmaier trifft, lässt das unkommentiert. Er sagt lieber ganz diplomatisch, dass der Brexit "mit der richtigen Einstellung" zum "win-win" werden könne. Ärger um den Brexit hat er zu Hause gerade genug. Der Plan der Regierung, im März mit den Austrittsverhandlungen nach Artikel 50 zu beginnen, wackelt: Ein Gericht hat entschieden, dass das Parlament erst zustimmen muss. Bestätigt die nächste Instanz das Urteil, könnte nicht nur der Zeitplan durcheinander geraten. 

Denn die Abgeordneten des Unterhauses, die mehrheitlich gar keinen Brexit wollten, könnten Einfluss auf die Verhandlungen gewinnen - und einen "weichen" Brexit erzwingen, der die Briten ziemlich nah an die EU bindet und Freizügigkeit über Grenzkontrollen stellt. Für die EU wäre das sicher nicht die schlechteste Lösung.

Boris Johnson will in Berlin erst gar keine Hoffnung aufkommen lassen: Wie er schon zu Frank-Walter gesagt habe, solle man besser nicht zu viel hineinlesen in das Gerichtsurteil und den "Sturm und Drang" im britischen Parlament. Wieder ein bisschen Deutsch, wieder ein kleiner Lacher. Aber nur ein kleiner - selbst einem Boris Johnson ist an diesem Nachmittag anzumerken, dass die Brexit-Lage ziemlich ernst ist.

Quelle: ntv.de, Christoph Sator und Teresa Dapp, dpa

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