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Harte Nuss vor Islamkonferenz Muslime wollen gesetzlichen Feiertag

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In der Hamburger Zentralmoschee zu Beginn des Opferfestes.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Die Kritik an der Islamkonferenz wurde zuletzt immer lauter. Innenminister de Maizière will Muslimen nun mehr Mitsprache geben. Einige haben schon Extrawünsche wie einen gesetzlichen Muslimfeiertag oder muslimische Seelsorger bei der Bundeswehr.

Die Türkische Gemeinde wünscht sich einen gesetzlichen muslimischen Feiertag in Deutschland. "Das wäre ein wichtiges Signal an die muslimische Bevölkerung", sagte der Bundesvorsitzende Kenan Kolat in Berlin. Als Beispiel nannte er das Opferfest, eines der wichtigsten islamischen Feste.

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Die Muslime in Deutschland fordern auch muslimischer Seelsorger bei der Bundeswehr, in Gefängnissen, Krankenhäusern und Pflegeheimen.

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Über solche gesellschaftlichen Themen solle eine künftige Islamkonferenz beraten, sagte Kolat. Bundesinnenminister Thomas de Maizière will an diesem Montag mit Vertretern muslimischer Verbände über die Zukunft der Islamkonferenz sprechen - darunter die Türkische Gemeinde in Deutschland, der türkisch-islamische Dachverband Ditib, die Alevitische Gemeinde Deutschland und der Verband der Islamischen Kulturzentren.

De Maizière bekräftigte in einem Gespräch mit der türkischsprachigen Tageszeitung "Hürriyet", die Islamkonferenz nach vielen Streitereien auf eine neue Grundlage stellen zu wollen. Künftig sollten die Verbände Regeln und Themen sehr viel stärker mitbestimmen können.

In Anlehnung an die Aussage des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff, der Islam gehöre zu Deutschland, sagte de Maizière nun: "Muslime gehören zu Deutschland. Das ist ein Satz, der sich eher an die Menschen richtet."

Viel Kritik nach positiver Startphase

Im Jahr 2006 hatte der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble die Deutsche Islamkonferenz ins Leben gerufen, um den Austausch zwischen Staat und Muslimen zu verbessern. Kritiker bemängelten heute, die Runde habe nach Fortschritten in der Anfangsphase auf der Stelle getreten.

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Friedrich hatte kein glückliches Händchen mit der Islamkonferenz.

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Hinzu kam der Vorwurf, Sicherheitsthemen seien zu sehr in den Vordergrund gerückt. Bei der jüngsten Konferenz 2013 mit de Maizières Amtsvorgänger Hans-Peter Friedrich hatten sich muslimische Verbände darüber verärgert gezeigt und beklagt, im bisherigen Format habe die Runde keinen Sinn mehr.

Kolat begrüßte den Schritt des CDU-Politikers de Maizières. "Dass der Minister den Dialog sucht, ist wichtig." Mit Friedrich habe es keinen offenen Dialog gegeben. Der CSU-Politiker habe vieles unter Sicherheitsgesichtspunkten bereden wollen. Dabei müssten gesellschaftliche Fragen und das Leben der Muslime in Deutschland bei der Runde im Vordergrund stehen.

Ein Feiertag ist nicht alles

Als weiteres Thema für die künftige Islamkonferenz nannte Kolat den Einsatz muslimischer Seelsorger bei der Bundeswehr, in Gefängnissen, Krankenhäusern und Pflegeheimen. Ähnliches hatte auch der Zentralrat der Muslime gefordert. Kolat sagte, in diesen Einrichtungen sei es generell wichtig, mehr auf Muslime einzugehen, etwa bei den Speisen.

Auch andere muslimische Verbände lobten de Maizières Kurswechsel. Der Generalsekretär des Verbands der Islamischen Kulturzentren, Seyfi Ögütlü, sagte: "Es ist wichtig, dass der Minister ein neues Kapitel öffnet." Es gelte dabei, nach vorne zu schauen.

Ditib-Vorstandsmitglied Bekir Alboga bezeichnete de Maizières Schritt als "gutes Zeichen". Dieser zeige eine angemessene Haltung gegenüber islamischen Religionsgemeinschaften. "Es ist ein anderer Ton und eine andere Vorgehensweise als bei seinem Vorgänger."

Auch Yilmaz Kahraman von der Alevitischen Gemeinde Deutschland sagte: "Die Islamkonferenz hat in den vergangenen Jahren nicht viel gebracht - außer "schönen Broschüren und Papieren". Wie bisher könne es nicht weitergehen.

Kahraman appellierte zugleich an Muslime, nicht nur zu fragen, was der Staat für sie tun könne. "Man muss auch schauen, was die Muslime machen können." Sie sollten sich in die Gesellschaft einbringen und nicht Parallelstrukturen aufbauen und "ihr eigenes Süppchen kochen".

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa

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