Politik

Drohnenflüge in FrankreichGreenpeace warnt vor Terrorgefahr an AKW

25.11.2014, 08:30 Uhr
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Das französische Atomkraftwerk Cattenom steht rund zehn Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. (Foto: REUTERS)

30 Mal haben Unbekannte Drohnen über französischen Atomkraftwerken fliegen lassen. Eine Bedrohung? "Ja", so die Antwort einer Studie. Sie beschreibt auch, was bei einem Terror-Angriff passieren könnte - die Folgen wären verheerend.

Die Umweltorganisation Greenpeace hat wegen Terrorgefahr eine vorübergehende Abschaltung der französischen Atomkraftwerke in Cattenom und Fessenheim gefordert. Hintergrund ist eine Serie von rund 30 ungeklärten Flügen über Nuklearanlagen. "Die überalterten Atomanlagen müssen abgeschaltet werden, bis die Hintergründe der Drohnenüberflüge geklärt sind", heißt es in einer Mitteilung.

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Das größte französische Atomkraftwerk steht in Gravelines, an der Kanalküste. (Foto: REUTERS)

"Die Anlagen sind absolut unzureichend gegen Angriffe gesichert", kritisierte Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. Eine aktuelle Studie belege die ernsthafte Gefährdung der Sicherheit in Frankreich, Deutschland und anderen europäischen Ländern. Die französischen Nuklearanlagen sind auf 19 Standorte verteilt. In den vergangenen Wochen wurden dort rund 30 unbemannte Drohnen gesichtet. Es ist verboten, Atomanlagen zu überfliegen. Als Konsequenz soll nach unbestätigten Informationen französischer Stellen bereits "eine Reihe technischer Geräte" wie Militärradar installiert worden sein.

Greenpeace nennt die Vorfälle besorgniserregend. "Es ist offensichtlich, dass die Sicherheitsbehörden diese Flüge weder aufklären noch verhindern können", sagte Smital. Während einer Anhörung der französischen Nationalversammlung wies auch der britische Atomexperte John Large in Paris auf die selbst von der Atomaufsicht ASN festgestellten Mängel der Kraftwerke hin. Laut Large, dessen umfassendere Studie für Greenpeace Frankreich aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht wurde, sind "französische Atomkraftwerke verwundbar durch Angriffe mit Drohnen".

Drei wahrscheinliche Szenarien

Für die deutsche Greenpeace-Studie hat die Diplom-Physikerin Oda Becker aus Hannover die Anfälligkeit der veralteten grenznahen Mailer Cattenom und Fessenheim sowie des größten Atomkraftwerks des Landes in Gravelines untersucht. Die Studie nennt drei Varianten "am plausibelsten". Zum einen könnten die Flugobjekte in die Betriebe eingeschleuste Terroristen, sogenannte Innentäter, bei einem Anschlag unterstützen, etwa durch Anlieferung von Sprengstoff.

Drohnen könnten auch einen Angriff aus der Luft vorbereiten und dafür "die Wirksamkeit der Abwehrmaßnahmen an den Atomkraftwerken" überprüfen sowie Sicherungsmaßnahmen ausspionieren. Solche Spähflüge könnten zudem der Vorbereitung eines Bodenangriffs von außen dienen. Im schlimmsten Fall drohe in den angegriffenen Reaktoren "ein nicht mehr beherrschbarer Kühlmittelverlust und damit ein Kernschmelzunfall", heißt es.

Bei der "gefährlichsten und folgenschwersten Variante" - einer offenen Schutzhülle nach einem Anschlag - wird nach Berechnungen der Wissenschaftlerin radioaktives Material nicht nur in Frankreich, Deutschland oder Belgien, sondern je nach Wetterlage über Europa bis nach Schweden verteilt.

Quelle: ntv.de, bdk/dpa

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