Politik

Wut über bizarres "Angebot"Mysteriöser US-Amerikaner sorgt auf Grönland für Aufregung

08.05.2026, 07:49 Uhr
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Viele Einwohner der Insel haben kein Interesse an einer Kontrolle durch die Vereinigten Staaten. (Foto: IMAGO/Ritzau Scanpix)

Die US-Regierung hat sich im Krieg mit Iran festgefahren. Es ist aber nicht auszuschließen, dass sie ihr Auge eines Tages wieder verstärkt auf ein anderes Land richtet: Grönland. Dort ist aktuell zwar weitestgehend Ruhe eingekehrt, aber die Angst vor den Übernahmefantasien besteht weiter.

Auf Grönland sorgen mutmaßliche amerikanische Umtriebe für Unruhe. Ein Taxifahrer namens Danny Brandt berichtet auf Facebook von einer "unbehaglichen" Begegnung. Der Beitrag wurde zudem von einem bekannten Aktivisten geteilt und von der Grönländischen Rundfunkgesellschaft aufgenommen.

Dem Taxifahrer zufolge fuhr ein Mann namens Cliff aus Las Vegas bei ihm mit. Dieser habe ihm viel Geld geboten, wenn er eine Petition unterschreiben würde. "Er fragte, ob wir lieber zu den USA gehören wollten, und meinte, wenn ich zustimme und unterschreibe, würde ich 200.000 Dollar bekommen."

Brandt habe jedoch abgelehnt. "Ich sagte ihm ganz klar nein - ich möchte nicht unter Trump stehen, auch nicht unter irgendeinem anderen Präsidenten." Der US-Amerikaner sei respektvoll weitergegangen und habe gesagt: "Du wirst sehen, du wirst dich an meinen Namen erinnern - Cliff. Im Januar werden deine Frau, deine Kinder, deine Eltern und alle Grönländer jeweils 200.000 Dollar bekommen."

Der Taxifahrer schrieb weiter, er habe sich noch nie so unbehaglich und angewidert gefühlt. Der US-Amerikaner befinde sich im Söma-Hotel. "Schmeißt ihn sofort raus", forderte Danny Brandt.

Polizei bestätigt Anzeige

Auf Anfrage von ntv.de bestätigte die grönländische Polizei, dass sie eine Anzeige erhalten habe. Man könne jedoch weder Informationen zu den Beteiligten noch zum Inhalt des Falls bestätigen oder dementieren. Der Grönländischen Rundfunkgesellschaft sagte der Taxifahrer, dass die Polizei die Sache bei einer Befragung sehr ernst zu nehmen schien. "Sie wollten jedes Detail wissen."

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Unter dem Beitrag auf Facebook antworten viele Grönländer mit lachenden Emojis. Andere sind jedoch auch ziemlich wütend. Eine Person berichtet zudem, sie habe das angebliche Angebot ebenfalls von dem Mann erhalten.

Ob es sich bei dem Fall nur um einen dummen Scherz handelt oder der US-Amerikaner wirklich einen Auftrag hatte, ist offen. Insider hatten Anfang des Jahres der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, dass US-Regierungsvertreter die Möglichkeit von Einmalzahlungen an die Einwohner Grönlands erörtern würden, um sie von einem Anschluss an die USA zu überzeugen. Es seien Summen von 10.000 bis 100.000 Dollar pro Person diskutiert worden.

Krieg um Grönland drohte

Auf Grönland lehnt ein großer Teil der Bevölkerung und auch die Regierung einen Anschluss an die USA ab. Die größte Insel der Welt ist ein autonomer Teil Dänemarks. Kopenhagen spricht sich ebenfalls gegen eine Übernahme durch die Vereinigten Staaten aus. Anfang des Jahres wurde sich einem Bericht zufolge sogar auf einen militärischen Konflikt vorbereitet.

Wie angespannt die Situation auf Grönland ist, wurde Ende Januar auch bei einer fehlgeschlagenen Aktion eines deutschen Satirikers deutlich. Maxi Schafroth von der NDR-Sendung "Extra 3" hantierte an einem Fahnenmast mit einer US-Flagge herum. Vom Personal eines Kulturzentrums wurde er daran gehindert, sie zu hissen. In sozialen Medien machten viele Grönländer deutlich, dass sie die Aktion überhaupt nicht witzig fanden.

Der NDR teilte auf Anfrage von ntv.de mit, dass ein Bußgeld verhängt worden sei. Zu keinem Zeitpunkt während des Drehs habe der Eindruck entstehen sollen, das Ziel der Satire seien Grönländerinnen und Grönländer gewesen. "Die Redaktion erklärt ihr Bedauern gegenüber den Menschen in Grönland, sollte dieser Eindruck entstanden sein." Auch Schafroth entschuldigte sich anschließend.

Quelle: ntv.de, rog

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