Politik
Innenminister Reul bei einer Pressekonferenz Mitte September.
Innenminister Reul bei einer Pressekonferenz Mitte September.(Foto: picture alliance/dpa)
Freitag, 05. Oktober 2018

Syrer stirbt unschuldig in Haft: NRW-Innenminister gesteht Fehler ein

Der Fall wirft viele Fragen auf, die jetzt die Justiz in NRW beschäftigen: Ein Syrer stirbt nach einem Brand in der JVA Kleve. Dort saß er nur wegen einer Namensverwechslung ein. Wie ist das möglich?

Nach dem Tod eines unschuldig ins Gefängnis gesperrten Syrers hat Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul einen schweren Fehler in seinem Verantwortungsbereich eingeräumt. Polizisten hätten es entgegen geltender Regeln versäumt, die Identität des 26-Jährigen näher zu überprüfen, erklärte der CDU-Politiker.

Der junge Mann war Opfer einer Verwechslung geworden. Reul bat die Familie des Verstorbenen um Entschuldigung. "Wir müssen alles daran setzen, dass sich ein solcher Fall nicht wiederholt."

Der 26-Jährige Amed A. war nach einem Feuer in seiner Gefängniszelle in Kleve am vergangenen Samstag in einer Klinik gestorben. Er hatte bei dem Brand schwerste Verbrennungen erlitten. Zehn weitere Menschen trugen Rauchvergiftungen davon. Die Behörden hatten danach eingeräumt, dass der Syrer mehr als zwei Monate lang zu Unrecht im Gefängnis saß. Er sei verwechselt worden. Der tatsächlich Gesuchte, ein Mann aus Mali, habe mit dem Inhaftierten keine Ähnlichkeit, sagte Reul.

Psychologin glaubte Amed A. nicht

Der Vorgang beschäftigte auch den nordrhein-westfälischen Landtag. Innen- und Rechtsausschuss des Parlaments kamen zu einer Sondersitzung zusammen. "Wir müssen uns selbstkritisch fragen, was schiefgelaufen ist. Denn dass etwas schiefgelaufen ist, steht fest", sagte Justizminister Peter Biesenbach.

Wie der "Spiegel" unter Berufung auf das nordrhein-westfälische Justizministerium berichtet, hatte Amed A. noch während seiner Haft darauf aufmerksam gemacht, dass er zu Unrecht im Gefängis sitze. Demnach erklärte er seiner Gefängnispsychologin, dass er Opfer einer Verwechslung sei. Zu dem Zeitpunkt, an dem er die Straftaten begangen haben solle, sei er noch nicht in Deutschland gewesen.

Die Psychologin habe die Aussagen allerdings nicht geglaubt. Die Ministerin notiert, dass er eine "Menge kaum nachvollziehbarer Angaben" gemacht habe.

Quelle: n-tv.de