Politik

AfD-Kranz löst Empörung aus NSU-Gedenkort eröffnet mit Tumult

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Anfang Oktober wurde ein Gedenkbaum für Enver Simsek, das erste NSU-Opfer, von Unbekannten abgesägt.

(Foto: dpa)

"Wir zeigen, dass der NSU ein Teil der Zwickauer Geschichte ist." Jahrelang können die Neonazis Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe im Untergrund leben und unschuldige Menschen ermorden. Das Gedenken an ihre Opfer sorgt in Sachsen für heftigen Streit.

Zehn Bäume erinnern seit heute im sächsischen Zwickau an die Mordopfer der Neonazi-Terrorzelle NSU. "Wir zeigen, dass der NSU ein Teil der Zwickauer Geschichte ist", sagte Oberbürgermeisterin Pia Findeiß zur Einweihung des Gedenkortes. Die Bäume und die Gedenktafeln mit den Namen der zehn Opfer seien zugleich ein Zeichen der Hoffnung und eine Mahnung, sich für Demokratie und Toleranz einzusetzen.

Am Rande der Einweihung kam es zwischen einigen Teilnehmern und der Polizei zu einer Auseinandersetzung, nachdem eine junge Frau einen niedergelegten Kranz der Zwickauer AfD-Fraktion beschädigt hatte. Einige Beobachter verteidigten die Frau und argumentierten, Blumen von einer Partei, die selbst rechtes Gedankengut verbreite, seien eine weitere Verhöhnung der Opfer. Die Polizei hingegen wertete das Geschehen als Sachbeschädigung. Medienberichten zufolge nahmen die Beamten die Personalien der Frau auf.

Der NSU hatte jahrelang unerkannt im Untergrund gelebt. Zu der Terrorzelle gehörten Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. Zwischen den Jahren 2000 und 2007 töteten sie acht türkischstämmige und einen griechischstämmigen Kleinunternehmer und eine Polizistin. Außerdem wurden sie für zwei Sprengstoffanschläge und diverse Raubüberfälle verantwortlich gemacht.

Anfang Oktober war in Zwickau ein Gedenkbaum für Enver Simsek, das erste Opfer der Rechtsterroristen, von Unbekannten abgesägt worden. Die Tat hatte bundesweit für Empörung gesorgt, aber auch eine Welle der Solidarität ausgelöst. Bei der Stadt gingen rund 14.000 Euro an Spenden ein. Es wurden Blumen niedergelegt und Mahnwachen abgehalten.

Opfer-Anwalt kritisiert fehlende Einladung

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In Zwickau soll ein Gedenkort die Erinnerung an die Mordserie der Neonazis vom NSU wachhalten.

(Foto: dpa)

Am morgigen Montag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel an dem Gedenkort erwartet. Nach Informationen von n-tv wurden Angehörige der Mordopfer weder über den neuen Gedenkort noch über den Termin mit Merkel informiert. So erfuhr Sebastian Scharmer, Nebenklage-Anwalt von Gamze Kubasik, nach eigenem Bekunden erst Anfang November von der Neueinweihung des Mahnmals und den Besuch Merkels.

"Gamze Kubasik und ihre Familie wurden weder in die Planung des Mahnmals einbezogen, geschweige denn überhaupt gefragt, was sie davon halten", teilte Scharmer n-tv mit. Über die Einweihungsfeier "wurden sie nicht informiert. Sie sind nicht eingeladen worden." Kubasiks Vater, Mehmet Kubasik, war am 4. Mai 2006 vom NSU ermordet worden.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa