Nachfolge des Ajatollahs im IranBerichte: Expertenrat wählt Chamenei-Sohn zum neuen Führer

Nach dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei steht der Iran ohne obersten Führer da. Als der sogenannte Expertenrat aus Dutzenden Geistlichen zur Nachfolge tagt, wird ein Gebäude des Rates angegriffen. Trotzdem ist wohl eine Entscheidung gefallen.
Der iranische Expertenrat hat Medienberichten zufolge den Sohn des getöteten Ajatollahs Ali Chamenei, Modschtaba Chamenei, zum neuen obersten Führer des Landes gewählt. Wie das iranische Exilmedium "Iran International" berichtet, geschah dies unter dem Druck der einflussreichen Revolutionsgarden des Landes. Auch die israelische Zeitung "Haaretz" meldete die Ernennung Modschtabas. Eine offizielle Bestätigung von iranischer Seite gibt es bisher noch nicht.
In den vergangenen Jahren wurde Chamenei-Sohn Modschtaba immer wieder als möglicher Nachfolger seines Vaters genannt, er ist jedoch wenig in der Öffentlichkeit aufgetreten.
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Für die Wahl des Staatsoberhaupts ist im Iran ein Gremium aus 88 einflussreichen Geistlichen zuständig. Zuletzt hieß es, dass bis zur Wahl ein dreiköpfiger Rat die Aufgaben des getöteten Ajatollahs übernehmen soll. Diese Rolle fällt laut offiziellen Angaben Präsident Massud Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi sowie dem Mitglied des Wächterrats, Alireza Arafi, zu.
Staatsoberhaupt und Religionsführer Chamenei war am Samstag bei einem israelischen Angriff getötet worden. Am Dienstag gab es Berichte darüber, dass das Gebäude des Expertenrats bei einem Angriff in der Stadt Ghom getroffen und schwer beschädigt worden sei. Es gab allerdings widersprüchliche Angaben aus Israel und dem Iran zu der Frage, ob dort zum Zeitpunkt des Angriffs gerade ein Gremium iranischer Geistlicher tagte, das den Nachfolger von Ajatollah Chamenei bestimmen soll.
Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete, US-israelische Kräfte hätten das Gebäude des Sekretariats des Expertenrats in Ghom angegriffen. Nach ersten Informationen hätten sich dort zum Zeitpunkt des Angriffs keine Personen befunden. Durch den Raketenangriff seien auch Wohnhäuser und Geschäfte in der Umgebung beschädigt. Mehrere Anwohner und Passanten seien verletzt worden.
Laut der den Revolutionsgarden nahestehenden Nachrichtenagentur Fars sind die Berichte über einen Angriff auf das Gebäude des Expertenrats in Ghom zutreffend, dort habe jedoch keine Sitzung stattgefunden. Demnach führte der Expertenrat aus Sicherheitsgründen Abstimmungen in anderer Form durch. Unter Berufung auf informierte Quellen hieß es, das Verfahren zur Wahl eines neuen Religionsführers befinde sich in der Schlussphase.