Politik

Nach Freispruch in Den Haag Nationalist Seselj lästert über UN-Tribunal

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Seselj will wieder in die Politik einsteigen.

(Foto: imago/Pixsell)

Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag spricht den serbischen Nationalisten Seselj frei. Seine Schuld an den Kriegsverbrechen im Bürgerkrieg auf dem Balkan Anfang der 1990er-Jahre sei nicht erwiesen, urteilen die Richter. Seselj sei ein freier Mann.

Das UN-Kriegsverbrechertribunal zum früheren Jugoslawien hat den serbischen Nationalisten Vojislav Seselj freigesprochen. Seine Schuld an Kriegsverbrechen im Bürgerkrieg auf dem Balkan Anfang der 1990er-Jahre könne nicht bewiesen werden, teilten die Richter in Den Haag mit.

In keinem der Anklagepunkte sei eine Verantwortung Seseljs für Verbrechen gegen Kroaten und Muslime erwiesen, urteilte das Gericht ungewöhnlich deutlich. "Mit diesem Freispruch ist Vojislav Seselj ein freier Mann", erklärte der Vorsitzende Richter Jean-Claude Antonetti. Die Anklage hatte 28 Jahre Haft gefordert.

Häme für die Richter

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1994 hatte Seselj im Belgrader Parlament ihm unliebsame Reporter mit der Waffe bedroht.

(Foto: AP)

Nach seinem Freispruch beschimpfte Seselj das Gericht: Es sei "ein antiserbisches Gericht in der Hand der westlichen Mächte", sagte der 61-Jährige in Belgrad: "Es hat juristisch keinerlei Bedeutung." Für seine über zwölfjährige Untersuchungshaft beim UN-Tribunal werde er eine Entschädigung von 14 Millionen Euro verlangen. Es sei von "Anfang an klar gewesen, dass ich unschuldig bin", erklärte der Extremist. Er habe "die dort präsentierten gefälschten Beweise zerstört". Trotz aller Verfahren gegen seine serbischen Landsleute in Den Haag bleibe "die Idee von Großserbien machtvoll mit mir oder ohne mich".

Dem ehemaligen "Chefpropagandisten von Großserbien" waren Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Balkankriege in den 90er Jahren vorgeworfen worden.

Die EU ist "der Satan"

Auch unmittelbar vor der Urteilsverkündung hatte Seselj noch einmal sein Weltbild präsentiert: Er sei der "größte Nationalist Serbiens", verkündet er stolz. Die EU ist für ihn der Satan. Der historische Verbündete seines Landes und die "große Liebe" sei Wladimir Putins Russland. Seinen früheren politischen Ziehsohn und heutigen Staatspräsidenten Tomislav Nikolic bezeichnete Selelj als "Kriminellen übelster Sorte", der mit seinem "riesigen Reichtum" durch den von ihm finanzierten Bau einer Kirche in seinem Geburtsort "den Lieben Gott bestechen" wolle.

Das von Seselj verteufelte Amerika sieht er verkörpert in der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton: "Es wäre das Allerschlimmste, wenn diese Psychopathin gewinnen würde."

Erstmals fiel das Urteil in Abwesenheit des Angeklagten: Der 61-Jährige, der im November 2014 aus Gesundheitsgründen aus der Untersuchungshaft entlassen worden war, weigerte sich, zur Verkündung nach Den Haag zu kommen. Das Gericht erkannte er bis heute nicht an. Er hatte sich 2003 dem Gericht selbst gestellt.

In Serbien kandidiert er zudem für seine Serbische Radikale Partei (SRS) für die vorgezogene Parlamentswahl am 24. April. Bei einem Hafturteil hätte die Regierung in Belgrad Seselj ausliefern müssen.

Quelle: n-tv.de, ppo/AFP/dpa

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