Politik

Transport von viel TreibstoffNato-General fordert Ost-Verlängerung von militärisch wichtiger Pipeline

18.03.2026, 18:23 Uhr
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Kai Rohrschneider leitet seit 2024 das Logistik-Kommando der Nato. (Foto: picture alliance/dpa)

In großen Militäreinsätzen werden täglich Hunderttausende Kubikmeter Treibstoff benötigt. Deshalb drängen Polen und andere Staaten an der Nato-Ostflanke seit Langem auf die Erweiterung einer wichtigen Pipeline, die in Deutschland endet. Doch es gibt Hürden.

Ein hochrangiger deutscher Nato-General dringt auf eine rasche Verlängerung der Treibstoff-Pipeline des Verteidigungsbündnisses nach Polen und ins Baltikum. "Aus militärischer Sicht wäre es sehr sinnvoll, das Leitungssystem weiter nach Osten auszudehnen", sagte Generalleutnant Kai Rohrschneider in einem Interview. Das 10.000 Kilometer lange Netz, das aus der Zeit des Kalten Krieges stammt und derzeit in Westdeutschland endet, ist im Kriegsfall für den Kraftstoff-Nachschub für Flugzeuge, aber auch für Panzer nötig. "Ich würde sagen, dass es notwendig ist, das Pipelinesystem nach Polen zu verlängern, und ich glaube, es sollte auch eine Lösung für die drei baltischen Staaten geben", sagte Rohrschneider. Weitere Abzweige wären in Richtung Finnland und Rumänien gebraucht.

Rohrschneider leitet seit Oktober 2024 das Joint Support and Enabling Command (JSEC) der Nato, das in Ulm angesiedelt ist. Das Logistik-Kommando JSEC war 2014 nach der Invasion Russlands auf der Krim eingerichtet worden, um die logistische Bereitschaft der Nato zu verbessern und schnelle Bewegungen von Truppen und Nachschub zu erleichtern. Der Transport großer Mengen von Kraftstoffen sei "vielleicht die größte Herausforderung im Nachschub, vor der wir stehen", sagte der General. "Kraftstoff und Munition sind wahrscheinlich die beiden wichtigsten Dinge für eine Operation. Wenn einem die Munition ausgeht oder wenn der Kraftstoff ausgeht, endet die Operation."

Die Nato schätzt, dass sie in einer großen militärischen Auseinandersetzung täglich Hunderttausende Kubikmeter Treibstoff brauchen würde. 85 Prozent davon würden nach einer Schätzung des polnischen Zentrums für Oststudien allein für Flugzeuge gebraucht. Das Kerosin, das durch die Rohrleitungen fließt, kann mit einer Beimischung von Additiven aber auch für Fahrzeuge verwendet werden, die normalerweise mit Diesel betrieben werden.

Der Treibstoffbedarf der Nato würde laut der polnischen Studie die bestehenden Kapazitäten im Konfliktfall schnell übersteigen. Die Länder an der Nato-Ostflanke drängen deshalb seit Langem auf eine Verlängerung der Pipeline. Die Rohrleitungen, die rund 80 Zentimeter unter der Erde liegen und zwölf Länder umspannen, versorgen derzeit unter anderem die US-Militärbasis in Ramstein mit Kerosin, aber auch zivile Einrichtungen wie den Frankfurter Flughafen.

Rohrschneider sagte, die politische Debatte über die Verlängerung laufe noch, eine Entscheidung sei nicht absehbar, könne aber schon vor dem nächsten Nato-Gipfel im Juli in Ankara fallen. Eine große Hürde ist die Kostenfrage: Das Projekt würde nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" 21 Milliarden Euro kosten, bis zu einer Fertigstellung könnten 20 bis 25 Jahre vergehen.

Quelle: ntv.de, mwa/rts

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