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"Rücksichtslose Verhaltensweise" Nato: Russland soll Cyberattacken stoppen

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"Moskau muss seine rücksichtslose Verhaltensweise beenden", fordert Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

(Foto: REUTERS)

Der Ton der westlichen Militärallianz gegenüber Russland wird deutlicher. Moskau soll seine Cyberattacken sofort stoppen, fordert Nato-Generalsekretär Stoltenberg. Zuvor kommen aus Großbritannien und den Niederlanden neue Vorwürfe in Richtung Moskau.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat Russland aufgefordert, unverzüglich die Hackerangriffe auf ausländische Computer und Datennetze einzustellen. "Moskau muss seine rücksichtslose Verhaltensweise beenden", sagte der Norweger nach Beratungen bei einem Verteidigungsministertreffen in Brüssel. Er verwies zudem darauf, dass Großbritannien und die Niederlande bei ihrem Vorgehen gegen derartige Angriffe die Solidarität der Bündnispartner haben.

Hintergrund der Äußerungen von Stoltenberg sind neue Vorwürfe aus Großbritannien und den Niederlanden gegen Russland. Die beiden Länder teilten mit, dass sie den russischen Militärgeheimdienst GRU für Attacken der vergangenen Jahre für verantwortlich halten. Attackiert wurden die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) sowie die US-Präsidentschaftswahlen 2016.

Zuvor hatten Großbritannien und Australien dem russischen Militärgeheimdienst GRU vorgeworfen, großangelegte Cyberattacken in aller Welt auszuführen. Der Geheimdienst sei nachweisbar verantwortlich für Hackerangriffe auf politische Institutionen, Unternehmen, Medien und Sportinstitutionen weltweit, erklärte der britische Außenminister Jeremy Hunt. Der GRU missachte dabei internationales Recht.

Williamson: Russland wie ein "Pariastaat"

Verteidigungsminister Gavin Williamson kritisierte, Russland verhalte sich wie ein "Pariastaat". Williamson kündigte bei dem Treffen der Nato-Verteidigungsminister ein gemeinsames Vorgehen mit Großbritanniens Alliierten an. Zusammen mit seinen Verbündeten sei es das Ziel Großbritanniens, Russland zu "isolieren" und seine "rücksichtslose" Vorgehensweise offenzulegen. Russlands Handeln sei einer Großmacht nicht würdig. Neben den Cyberattacken verwies er auch auf den Giftanschlag auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal im südenglischen Salisbury, für den London Moskau verantwortlich macht.

Die niederländische Regierung gab zudem die Ausweisung von vier Russen wegen Spionageverdachts bekannt. Bei den Russen handle es sich um GRU-Agenten, die einen Einsatz gegen die in Den Haag ansässige Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) geplant hätten, sagte Verteidigungsministerin Ank Bijleveld. Die niederländischen Geheimdienste hätten die Operation vereitelt.

Die russischen Agenten hatten den Angaben zufolge ein Auto voller elektronischer Geräte im Parkhaus eines Hotels neben dem OPCW-Sitz in Den Haag abgestellt, um in das Computersystem der Organisation einzudringen. Die niederländische Regierung sprach von einem "äußerst besorgniserregenden" Vorfall.

In Giftanschlag verwickelt?

Die Chemiewaffen-Experten der OPCW hatten in jüngster Zeit Untersuchungen angestellt, die auch russische Interessen berühren. So dokumentierten sie den Einsatz von Chemiewaffen gegen Zivilisten im Syrien-Krieg. Die mit Russland verbündete syrische Regierung wird verdächtigt, diese Waffen eingesetzt zu haben. Zudem leiteten OPCW-Experten nach dem Anschlag auf Skripal mit dem in der Sowjetunion entwickelten Nervengift Nowitschok auf Bitten der Regierung in London Untersuchungen ein.

Stoltenberg hatte bereits am Mittwoch angekündigt, die Nato wolle bei Cyber-Angriffen fortan auch in der Lage sein zurückzuschlagen. Großbritannien und Dänemark haben demnach bereits zugesagt, dem Bündnis ihre offensiven Cyber-Fähigkeiten für Gegenschläge zur Verfügung zu stellen. In der Allianz wurde erwartet, dass dies nun auch die USA tun werden.

Quelle: n-tv.de, kst/AFP/dpa

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