Politik

Direkter Draht nach Moskau Nato reaktiviert das Rote Telefon für Ernstfall

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Eine russische Atomrakete vom Typ Topol-M rollt über den Roten Platz in Moskau.

(Foto: dpa)

Es ist ein Symbol des Kalten Krieges: Das Rote Telefon. Der Kommunikationskanal zwischen dem Westen und der Sowjetunion sollte den Dritten Weltkrieg verhindern. Auf deutsche Initiative reaktiviert die Nato nun die Direktverbindung zum russischen Militär.

Die Nato verfügt erstmals seit Ende des Kalten Krieges wieder über einen direkten Draht zum russischen Militär. "Sowohl der Oberbefehlshaber für Europa als auch der Vorsitzende des Nato-Militärausschusses haben die Erlaubnis, sich mit ihren russischen Kollegen in Verbindung zu setzen", bestätigte das Bündnis der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Kommunikationskanäle seien jederzeit offen und würden regelmäßig getestet. Vor dem Fall der Mauer hatte es bereits jahrzehntelang zwischen den USA und der Sowjetunion eine Direktverbindung gegeben, das sogenannte Rote Telefon.

Wann das System aktiviert wurde, teilte die Nato nicht mit. Wie die Zeitung unter Berufung auf eine "nationale Delegation" berichtete, wurden der russischen Seite in der vergangenen Woche Kontaktnummern übermittelt. Der Vorgang wurde demnach als "geheim" eingestuft. Er geht zurück auf eine Initiative von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Dieser hatte aufgrund der Spannungen im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise im Dezember angeregt, wieder eine regelmäßige Verbindung für Krisenfälle einzurichten.

Merkel trifft Putin in Moskau

Die Beziehungen zwischen der EU und Russland sind wegen des Ukraine-Konflikts auf einem Tiefpunkt. Die Europäische Union hat wegen der russischen Annexion der Krim und der russischen Unterstützung der Rebellen in der Ostukraine Sanktionen gegen das Land verhängt. Anders als vor zehn Jahren kommen auch kaum Staats- und Regierungschefs zu den Jubiläumsfeiern zum Kriegsende am 9. Mai nach Moskau. Bundeskanzlerin Angela Merkel versucht trotzdem, die Verbindung in Richtung Osten nicht abreißen zu lassen: Sie reist einen Tag später in die russische Hauptstadt, um mit Präsident Wladimir Putin der Kriegstoten zu gedenken.

Der russische Botschafter in Deutschland warnte vor einer weiteren Verschlechterung der Beziehungen beider Länder. "Wir dürfen eine gewisse Linie nicht überschreiten, wo wir keine gemeinsamen Berührungspunkte mehr finden und uns entfremden werden", sagte Wladimir Grinin im "Deutschlandfunk". Russland wie die Europäische Union seien "in gewissem Sinn zu Geiseln der Ukraine-Krise geworden".

Mit ihrer Reise nach Moskau zum gemeinsamen Gedenken an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs bekräftige Merkel die langjährige Versöhnungspolitik, sagte Grinin. "Diese Geste ist eigentlich die Bestätigung der Absichten, die Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland nicht abzubrechen, sondern nach Lösungen für die gegenwärtige Situation zu suchen und wieder an eine gemeinsame Politik anzuknüpfen." Für den Fall, dass diese scheitert, gibt es nun wieder das sogenannte Rote Telefon. Die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten hatten erstmals nach der Kuba-Krise von 1962 diese ständige Fernschreiberverbindung zwischen ihren Militärs eingerichtet.

Quelle: ntv.de, rpe/AFP