Politik

Team veröffentlicht Video Nawalny offenbar in Hotelzimmer vergiftet

Neue Erkenntnisse im Fall des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny: Sein Team will den Beweis dafür gefunden haben, dass der Oppositionelle tatsächlich in Russland vergiftet wurde und veröffentlicht ein entsprechendes Video auf Instagram. Inzwischen fordert auch das Europaparlament eine internationale Ermittlung.

Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist nach Darstellung seines Teams nachweislich schon in Russland vergiftet worden, und zwar in einem Hotel in der sibirischen Stadt Tomsk. Das Gift soll ihm demnach in einer Flasche mit Mineralwasser in seinem Zimmer verabreicht worden sein. Nawalnys Team zeigte bei Instagram ein Video
von den Flaschen der Marke "Swjatoj Istotschnik" ("Heilige Quelle").

Seine Mitarbeiter betonten, dass nun erwiesen sei, dass Nawalny bereits auf russischem Gebiet vergiftet wurde. Auf ihn soll mit einem als Chemiewaffenkampfstoff verbotenen Nervengift der Gruppe Nowitschok ein Mordanschlag verübt worden sein. Die Bundesregierung macht Russland dafür verantwortlich. Moskau bestreitet, etwas mit dem Fall zu tun zu haben und hatte zuletzt angesichts der Vorwürfe aus Deutschland behauptet, Nawalny sei womöglich erst nach seiner Abreise vergiftet worden.

*Datenschutz

Eine von der Berliner Charité in Auftrag gegebene Analyse bei einem spezialisierten Bundeswehrlabor stellte nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel "zweifelsfrei" ein Gift der Nowitschok-Gruppe fest. Inzwischen haben zwei weitere Speziallabore in Frankreich und Schweden den Befund bestätigt.

Mitarbeiter sichern Beweismittel selbst

Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) hat ebenfalls biomedizinische Proben Nawalnys untersuchen lassen. Die deutschen Behörden würden über die Ergebnisse unterrichtet, teilte die in Den Haag ansässige Organisation mit. Für die Untersuchungen hätten die OPCW-Experten unabhängig Proben Nawalnys gesammelt.

Nawalnys Team erklärte in dem Video, ein deutsches Labor habe die Nowitschok-Spuren an der Wasserflasche nachgewiesen. Der Ausschnitt zeigt, wie Nawalnys Mitarbeiter trotz Warnungen einer Hotelangestellten in dem Zimmer sämtliche möglichen Beweismittel mit Handschuhen aufgriffen und in Plastiktüten verstauten. Sie hätten sich zu dem Schritt entschieden - unmittelbar, nachdem sie Nachricht über den Gesundheitszustand Nawalnys erhalten hatten, hieß es. Die Mitarbeiter kündigten in dem Video zudem an, um 19 Uhr deutscher Zeit mehr Details auf dem Youtube-Kanal des Kreml-Kritikers zu verraten.

EU-Abgeordnete drängen auf Untersuchung

Unterdessen hat das Europaparlament den sofortigen Beginn einer internationalen Untersuchung zu der Giftattacke gefordert. Auch die EU solle daran beteiligt sein, hieß es in einer verabschiedeten Resolution. Der Mordversuch gegen Nawalny wurde scharf verurteilt. Außerdem sei der wiederholte Einsatz chemischer Waffen gegen russische Bürger ein Grund für Besorgnis, hieß es in der Entschließung.

Die Abgeordneten forderten Russland auf, Einschüchterung, Gewalt, Belästigung und Unterdrückung von Oppositionellen ein Ende zu setzen. Politische Morde und Vergiftungen seien in Russland ein systematisches Mittel des Regimes, um die Opposition vorsätzlich anzugreifen. Die EU müsse angesichts des Falls die Beziehungen zu Russland überdenken, forderte das Europaparlament. Russland müsse in internationalen Foren weiterhin isoliert werden und dem EU-Sanktionsregime für Menschenrechtsverletzungen zügig zugestimmt werden.

Nawalny war am 20. August von einem Flug von Tomsk nach Moskau zusammengebrochen. Die Maschine landete deswegen in Omsk zwischen. Nawalny wurde dort im Krankenhaus in ein künstliches Koma versetzt und beatmet. Am 22. August wurde er nach Deutschland ausgeflogen, wo er an der Charité in Berlin behandelt wird.

Dem 44-Jährigen geht es mittlerweile schon etwas besser. Am Dienstag sendete er erstmals via Instagram ein kurzes Lebenszeichen an seine politischen Anhänger und zeigte sich mit seiner Familie. Auch die Charité informierte darüber, dass Nawalny nicht mehr beatmet werden muss und sein Krankenbett zeitweise verlassen kann. Sein Gesundheitszustand habe sich weiter verbessert, und er werde zunehmend mobilisiert.

Quelle: ntv.de, hek/dpa/rts