Politik

Kreml-Kritiker zurück in Haft Nawalnys Anwältin spricht von Vergiftung

Der Oppositionspolitiker Nawalny bekommt im Gefängnis plötzlich ein angeschwollenes Gesicht und Hautrötungen. Seine Anwältin spricht von einer Vergiftung. Der Putin-Kritiker sei mit einer unbekannten chemischen Substanz in Kontakt geraten. Diesen Vorwurf erhebt auch seine Ärztin.

Die Anwältin des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny führt die Erkrankung ihres Mandanten auf eine Vergiftung zurück. Nawalny sei mit einer unbekannten chemischen Substanz in Kontakt geraten, sagte Olga Michailowa zu Journalisten. Bereits zuvor hatte sie auf Facebook geschrieben, es sei komisch, dass ein Mensch in 43 Lebensjahren noch keine allergischen Reaktionen gezeigt habe und sie dann plötzlich bekomme. Fünf Mitgefangene in der Zelle hätten die gleichen Lebensmittel wie Nawalny zu sich genommen. Ihnen gehe es jedoch gut.

Den Vorwurf, dass Nawalny vergiftet worden sei, hatte zuvor schon Nawalnys Ärztin Anastasia Wasiljewa erhoben. Wasiljewa teilte unterdessen mit, Nawalny sei gegen ihren Rat aus dem Krankenhaus zurück ins Gefängnis gebracht worden. Nicht einmal die Ergebnisse der Untersuchung lägen vor, sagte die Medizinerin.

Immer wieder Vergiftungen im politischen Milieu

Der 43-Jährige war zu 30 Tagen Haft verurteilt worden, weil er zur Teilnahme an einer verbotenen Kundgebung am Samstag aufgerufen hatte. Die Demonstration richtete sich gegen den Ausschluss von Oppositionellen und unabhängigen Kandidaten von den Regionalwahlen in sechs Wochen. Bei der Kundgebung nahm die Polizei mehr als 1300 Menschen fest.

Es war nicht das erste Mal, dass Nawalny wegen Aufrufen zu Demonstrationen verurteilt wurde. Einen Tag nach den jüngsten regierungskritischen Demonstrationen war der Politiker nun aber ins Krankenhaus eingeliefert worden. Nach Angaben seiner Ärztin litt der prominente Oppositionspolitiker unter geschwollenen Augenlidern und hatte Ausschlag an Nacken, Rücken, Rumpf und Ellenbogen. Seine Sprecherin Kira Jarmisch hatte zunächst von einer "schweren allergischen Reaktion" gesprochen, seine Anwältin und seine Ärztin betonen nun jedoch, Nawalny sei vergiftet worden.

In Russland waren mutmaßliche Vergiftungen im politischen Milieu in der Vergangenheit immer wieder ein Thema. International für Schlagzeilen sorgte zuletzt der Giftangriff auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia im März 2018 im englischen Salisbury. Sie sollen mit dem Nervengift Nowitschok attackiert worden sein. Beide überlebten. Großbritannien macht Russland für den Anschlag verantwortlich. Moskau hat eine Verantwortung stets zurückgewiesen.

Quelle: n-tv.de, aeh/dpa/rts

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