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"Krieg gegen Iran" gelöscht Netanjahu testet Nerven der Nahost-Konferenzler

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Polens Präsident Duda und Israels Ministerpräsident Netanjahu bei der Nahost-Konferenz in Warschau.

(Foto: picture alliance/dpa)

Israels Ministerpräsident Netanjahu spricht in einem Video von einem "Krieg gegen den Iran". Dann rudert er zurück und redet vom "Bekämpfen". Es ist ein denkwürdiger Auftakt der Nahost-Konferenz in Warschau, zu der Iran nicht eingeladen ist.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will bei der von Polen und den USA ausgerichteten Nahost-Konferenz in Warschau über Iran sprechen, der zu "bekämpfen" sei. Netanjahu hatte in einem von seinem Büro verbreiteten Video aus Warschau zunächst sogar von "Krieg" gegen den Iran gesprochen. Sein Büro löschte das Video aber anschließend und schwächte die Aussage ab. In der geänderten englischen Übersetzung des Ministerpräsidenten-Büros wurde das Wort "Krieg" durch "Bekämpfung" ersetzt. In dem gelöschten Video hatte Netanjahu das hebräische Wort für "Krieg" benutzt.

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif reagierte auf Twitter spöttisch: "Wir kannten Netanjahus Phantasien schon immer. Jetzt kennt die Welt - und alle beim Warschauer Zirkus - sie auch."

"Was wichtig bei diesem Treffen ist ..."

Netanjahu sagte vor Konferenzbeginn in dem Video: "Von hier aus gehe ich zu einem Treffen mit 60 Außenministern und Gesandten von Ländern aus aller Welt gegen den Iran." Dann fügte er hinzu: "Was wichtig bei diesem Treffen ist, und das ist nicht geheim, weil es viele davon gibt - ist, dass das ein offenes Treffen mit Vertretern führender arabischer Länder ist, die sich zusammen mit Israel hinsetzen, um unser gemeinsames Anliegen eines Krieges gegen den Iran voranzubringen." In der geänderten Version lautete der letzte Teil des Satzes: "...um unser gemeinsames Anliegen einer Bekämpfung des Irans voranzubringen".

Auch die israelische Regierungs-Pressestelle hatte zunächst den Original-Wortlaut mit dem Wort "Krieg" verbreitet. Später verschickte die Pressestelle eine "Neuauflage" der Mitteilung mit dem Begriff "Bekämpfung". Die USA haben betont, dass die Konferenz in Warschau nicht gegen den Iran gerichtet ist, sondern sich mit Sicherheit und Stabilität im Nahen Osten insgesamt befassen soll. Kritiker sprechen dagegen von einem Anti-Iran-Treffen, mehrere westeuropäische Staaten sind deswegen nicht mit ihren Außenministern dabei, darunter auch Deutschland.

Arbeitssitzungen ab Donnerstag

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Außenminister Heiko Maas schickte seinen Staatsminister Niels Annen nach Warschau, der am Abendessen zur Eröffnung der Konferenz teilnahm. Dort sollten der polnische Präsident Andrzej Duda und US-Vizepräsident Mike Pence reden. Am Donnerstag geht es mit Arbeitssitzungen weiter. Am Nachmittag ist eine Abschluss-Pressekonferenz der Außenminister Polens und der USA, Jacek Czaputowicz und Mike Pompeo, geplant.

Die USA hatten die Konferenz initiiert. Die polnische Regierung hatte sich trotz diplomatischer Probleme mit dem Iran zur Ausrichtung bereiterklärt.

Die Regierung in Teheran wurde nicht eingeladen. Russland boykottiert das Treffen komplett und die Türkei schickt Medienberichten zufolge zumindest keinen Regierungsvertreter. Die Präsidenten dieser drei Länder, Hassan Ruhani, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan, treffen sich am Donnerstag in Sotschi am Schwarzen Meer zu einer Art Gegengipfel. Sie wollen dort über die Zukunft Syriens beraten. Konkret geht es um den geplanten Verfassungsausschuss für Reformen in dem Bürgerkriegsland und um die Lage in Idlib, der letzten großen Hochburg der Oppositionsgruppierungen.

Iran-Frage polarisiert

Europa und die USA sind gespalten in der Frage, wie man mit dem Iran umgehen soll. Während die Europäer für ein Abkommen eintreten, das eine iranische Atombombe verhindern und gleichzeitig die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Land stärken soll, setzen die Vereinigten Staaten auf Sanktionen.

Die USA werfen der Führung in Teheran unter anderem vor, sie unterstütze Terrorgruppen und destabilisiere die Region. Der Iran steht beispielsweise im Syrienkrieg an der Seite von Präsident Baschar al-Assad. Im jemenitischen Bürgerkrieg unterstützt der Iran die schiitischen Huthi-Rebellen.

Quelle: n-tv.de, bad/dpa

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