Politik

Neuer Liebling im Oval OfficeMerz geht für engen Draht zu Trump ein Risiko ein

04.03.2026, 14:18 Uhr
imageVon Nadine to Roxel, Washington
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Freunde im Weißen Haus geben sich im einen Klaps - oder? (Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Europa braucht einen guten Draht ins Oval Office. Bundeskanzler Merz füllt diese Rolle offenbar gut aus, wie sein Besuch in Washington zeigt. Wirkung zeigt die Taktik bislang aber nicht.

Das hätte auch schlechter laufen können. Und Friedrich Merz weiß es auch. Entsprechend entspannt erscheint er nach seinem Treffen mit Donald Trump zum Pressestatement, obwohl das Gespräch deutlich länger ging als geplant. "Geburtstag gut überstanden?", fragt Merz einen Journalisten. Spätestens da ist klar: Wenn sich der Kanzler nach dem Geburtstagsbefinden der mitreisenden Presse erkundigt, ist die Laune gut.

Der Termin im Oval Office ist überraschend harmonisch gelaufen. Trump hatte den deutschen Bundeskanzler diesmal an einem Seiteneingang des Weißen Hauses abgeholt, um ihm den neuen West Wing zu zeigen. Der US-Präsident hatte ihn erst kürzlich renovieren lassen - mit viel Marmor und heroischen Bildern von sich selbst. Auch Bilder gemeinsam mit dem chinesischen Machthaber Xi Jinping und Wladimir Putin hängen dort. Der Weg zum Oval Office führte weiter durch den "Presidental Walk of Fame", den Bilder der ehemaligen US-Präsidenten zieren. Das Porträt seines Vorgängers sucht man allerdings vergeblich - Statt Joe Biden hängt ein Foto einer Unterschriftenmaschine.

Eigentlich wollte der Bundeskanzler vor allem über die Zollstreitigkeiten mit der EU reden, den Krieg in der Ukraine und seinen Chinabesuch. Aber die Weltlage ist seit vergangenem Samstag eine andere, die Prioritäten haben sich zumindest auf der amerikanischen Seite verschoben. Anders als beim letzten Besuch ist Trump ein Präsident im Krieg. Die Eskalation im Nahen Osten bestimmt die Agenda.

Merz schweigt und schweigt und schweigt

Merz hatte sich im Vorfeld stark mit Kritik am Angriff auf den Iran zurückgehalten. Das gibt ihm bei Trump einen klaren Pluspunkt. Fragen hat der Kanzler trotzdem: Wie soll es in dem Land weitergehen, wenn es militärisch besiegt sein sollte? Gibt es eine Strategie der Amerikaner für die Zukunft? Einen von außen militärisch herbeigeführten Regimewechsel hält Merz für ein Risiko. So deutlich sagt er das im Büro des US-Präsidenten aber nicht - vor laufenden Kameras hält sich der Kanzler mit Kritik betont zurück. Merz will bei Trump nicht mit erhobenem Zeigefinger auftreten.

Und so lobt Trump im Oval Office erstmal sich selbst und dann: Friedrich Merz. Der mache einen "großartigen Job", sei ein "ausgezeichneter Anführer". Trump sieht Merz als "ziemlich das Gegenteil" von Angela Merkel. Während Trump auf Merkels Migrations- und Energiepolitik schimpft, verzieht der Kanzler keine Miene.

Die beiden haben einen Draht zueinander, das wird an diesem Mittag im Oval Office deutlich. Unter den europäischen Regierungschefs gehört Merz zu Trumps Lieblingen. Bei diesem Treffen geht das so weit, dass Trump Witze macht, die USA würden bei Deutschland mit den Zöllen "sehr, sehr hart" zuschlagen, inklusive kumpelhaftem Klaps fürs Kanzlerknie.

Trump führt allerdings auch vor, wie er mit Ländern umzuspringen gedenkt, die ihn ärgern. Gerade trifft es Spanien und Großbritannien. Der britische Premierminister Keir Starmer hatte den USA die Nutzung einer Militärbasis verweigert. Erst am Sonntagabend lenkte er ein. "Schockierend" findet das Trump. Merz schweigt. Noch härter geht Trump Spanien an, das den USA die Nutzung der US-Stützpunkte auf seinem Territorium für die Luftangriffe auf den Iran untersagte. "Sie waren unfreundlich". Deals mit Spanien will Trump deshalb erst einmal auf Eis legen. Und was macht Merz? Der schweigt weiter.

Europa braucht einen Freund im weißen Haus

Es ist Merz' Taktik, den US-Präsidenten bei Laune zu halten. Madrid, ein enger Verbündeter Deutschlands, ist sichtlich verärgert. Der Kanzler versichert im Anschluss, er habe Spanien und Großbritannien sehr wohl verteidigt - aber erst später, hinter den Kulissen. Bei Salat mit Hähnchen und Rosenkohl spricht Merz dann die Themen abseits des Iran an: ein verlässliches Zollabkommen zwischen der EU und den USA, das auch für Spanien gilt. Auch beim Thema Ukraine muss Merz die europäischen Forderungen vorantreiben. "Wir sind nicht bereit, ein Abkommen zu akzeptieren, das über unsere Köpfe hinweg verhandelt wird", so der Kanzler.

Trotzdem macht Trump an diesem Tag keine Zugeständnisse. Offenkundig kann er Merz auch die Frage nicht vollends beantworten, wie eine Strategie für den Iran aussieht, und bestätigt damit die Befürchtungen des Kanzlers. "Nun wissen wir nicht, ob der Plan aufgeht und ob die Militärschläge von außen einen politischen Wandel von innen heraus ermöglichen. Dieser Plan ist nicht ohne Risiko und seine Folgen hätten auch wir zu tragen", so Merz. Auf dieses Risiko lässt sich der Kanzler mit seiner zurückhaltenden Haltung gegenüber Trump wohlwissend ein. Auch aus Mangel an Alternativen.

Was bleibt von 22 Stunden Washington ist die Erkenntnis: Merz und Trump haben trotz des komplizierten transatlantischen Verhältnisses einen Draht zueinander, aber konkrete Vereinbarungen oder Zugeständnisse erwachsen daraus erst einmal nicht. Der Kanzler scheint trotzdem zuversichtlich. Er weiß, dass es Geduld braucht mit einem Präsidenten, der nur in einem Punkt verlässlich ist - dass man sich auf ihn nicht verlassen kann.

Quelle: ntv.de

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