Zwölf Jahre an der MachtNicolas Maduro: Vom Busfahrer zum Präsidenten zum Gefangenen
In den 1990er-Jahren steigt Maduro zum Vertrauten von Venezuelas Präsident Chávez auf. Nachdem er selbst das höchste Staatsamt übernimmt, gerät das Land in eine tiefe Wirtschaftskrise. In den Jahren an der Macht gelingt es Maduro nie, sich aus dem Schatten seines Vorgängers zu lösen.
Die mehr als zwölfjährige Herrschaft des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro ist abrupt beendet worden. US-Spezialkräfte nahmen den 63-jährigen Sozialisten gefangen und flogen ihn aus dem Land, wie US-Präsident Donald Trump mitteilte. Damit endet die Ära eines Staatschefs, dem Kritiker im In- und Ausland vorwarfen, ein Diktator zu sein: Er ließ politische Gegner inhaftieren und Wahlen fälschen, um an der Macht zu bleiben.
Maduro, ein Salsa-Liebhaber mit einem Hang zur Theatralik, bezeichnete Oppositionspolitiker oft als "faschistische Dämonen". Er war stolz darauf, dem Druck der USA zu widerstehen. Seine Anhänger feierten ihn als Helden, der in der Tradition des Kubaners Fidel Castro der Weltmacht USA die Stirn bot.
Zuletzt hatte Maduro im Januar 2025 nach einer international als Betrug verurteilten Wahl eine dritte Amtszeit angetreten. Tausende Menschen, die gegen die Ausrufung seines Sieges protestierten, wurden inhaftiert. Die Verleihung des Friedensnobelpreises 2025 an die Oppositionsführerin María Corina Machado setzt ein Zeichen gegen diese repressive Politik.
Die USA hatten den Druck auf Maduro in den vergangenen Monaten massiv erhöht. So wurde unter anderem eine Belohnung von 50 Millionen Dollar für dessen Ergreifung wegen Drogenhandelsvorwürfen und der Beschlagnahmung venezolanischer Öltanker ausgesetzt.
Einem Bericht der Vereinten Nationen vom Dezember zufolge hat die Nationalgarde des Landes über mehr als ein Jahrzehnt schwere Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit bei der Verfolgung politischer Gegner begangen. Bei Protesten gegen seine Regierung kamen 2017 insgesamt 125 Menschen ums Leben. Nach der Wahl 2024 eskalierte die Regierung laut UN die Repression, um friedliche Proteste niederzuschlagen. Die Folge waren mehr als zwei Dutzend Tote und 2400 Verhaftungen.
Wirtschaftlicher Zusammenbruch
Maduros Herrschaft war zudem von einem tiefen wirtschaftlichen Zusammenbruch des einst relativ wohlhabenden Landes geprägt, dessen Ölvorkommen zu den größten der Welt zählen. Die hohe Armut löste eine Auswanderungswelle von rund 7,7 Millionen Menschen aus. Einem UN-Sonderberichterstatter zufolge lebten 2024 fast 82 Prozent der Venezolaner in Armut, 53 Prozent davon in extremer Armut.
Maduro wurde am 23. November 1962 als Sohn eines Gewerkschaftsführers in einer Arbeiterfamilie geboren. Er arbeitete als Busfahrer, als der Offizier und spätere Machthaber Hugo Chavez 1992 einen gescheiterten Putschversuch anführte. Maduro setzte sich für Chavez' Freilassung ein und wurde zu einem glühenden Verfechter von dessen linker Agenda. Nach Chavez' Wahlsieg 1998 stieg Maduro rasch auf, wurde Parlamentspräsident und später Außenminister. In dieser Funktion reiste er um die Welt, um durch ölfinanzierte Hilfsprogramme internationale Bündnisse zu schmieden.
Chavez ernannte Maduro zu seinem Wunschnachfolger. Nach dem Krebstod von Chavez im Jahr 2013 wurde Maduro mit knappem Vorsprung zum Präsidenten gewählt. Er erreichte jedoch nie die charismatische Ausstrahlung seines Mentors. Unter seiner Regierung erlebte das Land einen dramatischen wirtschaftlichen Zusammenbruch, der von Hyperinflation und chronischer Knappheit geprägt war. Dies lag vor allem an Maduros Weigerung, die kostspieligen Subventionen aus der Chavez-Ära nach dem Ende des Ölbooms zurückzufahren.
Eine wichtige Rolle an seiner Seite spielte stets seine Frau Cilia Flores, die als "erste Kämpferin" bezeichnet wurde und zahlreiche hohe Ämter bekleidete. Sie wurde nach US-Angaben ebenfalls gefangen genommen.
