Politik

Jet bombardiert "falsches Ziel" Nigerias Armee tötet dutzende Flüchtlinge

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Gegen den Terror von Boko Haram geht das Militär seinerseits mit großer Härte und teilweise Brutalität vor. Hier ein Bild von Kämpfen im Jahr 2015

(Foto: dpa)

Seit Jahren terrorisiert Boko Haram den Norden Nigerias und die Nachbarländer. Zuletzt gelingt es dem Militär, die Islamisten zurückzudrängen. Dabei kommt es nun zu einem furchtbaren Irrtum, dem dutzende Flüchtlinge und Helfer zum Opfer fallen.

Im Einsatz gegen die Islamistengruppe Boko Haram hat die nigerianische Luftwaffe irrtümlich ein Flüchtlingslager bombardiert und dabei dutzende Menschen getötet. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen sprach nach dem Angriff im Bundesstaat Borno von 50 Toten und 120 Verletzten, ein örtlicher Bewohner berichtete von mindestens 25 Todesopfern. Das Militär räumte ein, das Lager versehentlich angegriffen zu haben.

"Ein Kampfjet hat das falsche Ziel getroffen", hieß es aus Militärkreisen im Staat Borno. Die Opferzahl sei "enorm", sagte der ranghohe Vertreter weiter, ohne sich konkreter zu äußern. Ärzte ohne Grenzen bezeichnete den Angriff als "schockierend und inakzeptabel".

Angriff zur Mittagszeit

Getroffen wurde am Vormittag das Flüchtlingslager in Rann im Norden von Borno, wo die Dschihadistenmiliz Boko Haram besonders aktiv ist. In dem Flüchtlingslager halten sich Menschen auf, die vor der Gewalt der Miliz geflohen sind. Angegriffen wurde das Camp, als Hilfsmitarbeiter gerade Essen an die Flüchtlinge verteilten.

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Statt des Lagers sollte wahrscheinlich das nahegelegene Kala getroffen werden, vermutete ein Anwohner. Dorthin habe die Miliz vor einigen Wochen eine Basis verlegt, sagte er.

Auch der Generalmajor Lucky Irabor, der den Militäreinsatz gegen Boko Haram leitet, sagte vor Journalisten, die Luftwaffe habe Koordinaten von Boko-Haram-Kämpfern in der Region Kala-Balge bekommen. Leider habe sich das angegriffene Ziel als das falsche herausgestellt.

Armee in der Kritik

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz erklärte, unter den Toten seien auch sechs Mitarbeiter des nigerianischen Roten Kreuzes. Außerdem wurden demnach 13 Rot-Kreuz-Mitarbeiter verletzt. Ärzte ohne Grenzen war bei den Rettungsarbeiten nach dem Angriff vor Ort im Einsatz.

Boko Haram kämpft seit Jahren für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias. Die Gruppe verübt immer wieder Angriffe auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen. Seit 2009 wurden in dem Konflikt mehr als 20.000 Menschen getötet. Außerdem ergriffen 2,6 Millionen Menschen die Flucht.

Auch dem nigerianischen Militär werden in dem jahrelangen Kampf gegen die Extremisten schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Zuletzt erzielte die Armee Fortschritte und konnte Boko Haram zurückdrängen. Generalmajor Irabor sagte zu dem versehentlichen Angriff, dies sei das Ergebnis der Wirren dieses Konflikts. Der Vorfall sei "bedauerlich" und zeige, "dass dieser Krieg beendet werden muss".

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa/AFP