Politik

Polizeibekannter Dieb und Schläger Nizza-Attentäter war auf Bewährung

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De Nizza-Attentäter Mohamed Lahouaiej-Bouhlel riss 84 Menschen in den Tod.

Die Bilanz der Pariser Staatsanwaltschaft ist verheerend: Bei dem Anschlag sterben 84 Menschen - darunter zehn Kinder. Und es könnten noch weit mehr Opfer werden. Details zur Identität des Täters lassen derweil auf eine gescheiterte Existenz schließen.

Bei dem Anschlag in Nizza sind mindestens 84 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 202 verletzt worden. Unter den Todesopfern sind auch zehn Kinder und Jugendliche. Das teilte der zuständige Staatsanwalt François Molins vor Journalisten in Nizza mit. 52 Menschen schweben den Angaben zufolge noch in Lebensgefahr. Dass es nicht noch mehr Opfer gegeben hat, ist laut Molins vor allem den Polizisten zu verdanken, die sich einen Schusswechsel mit dem Täter geliefert und ihn schließlich "neutralisiert" hätten.

Bei dem Täter handelt es sich nach Angaben des Staatsanwalts um den 31 Jahre alten Mohamed Lahouaiej-Bouhlel. Er wurde in Tunesien geboren und lebte zuletzt mit Ehefrau und Kind in Nizza. Den örtlichen Polizeibehörden war Lahouaiej-Bouhlel schon länger bekannt - allerdings nicht als Gefährder. Wie Molins sagte, hatten die französischen Nachrichtendienste den Mann nicht auf dem Radar und er stand auch nicht unter Beobachtung wegen möglicher Verbindungen zu einer Terrororganisation wie dem Islamischen Staat (IS). Dennoch, so hieß es weiter, konzentrieren sich die Ermittlungen auf den Vorwurf des Mordes für eine terroristische Vereinigung.

Molins sagte, "die Art des Vorgehens" entspreche "weitestgehend den Mordaufrufen terroristischer Organisationen in Zeitschriften und Videos". Nichtsdestotrotz gebe es bisher kein Bekennerschreiben. Bei zwei Hausdurchsuchungen in Nizza seien aber Dateien, Dokumente und Mobiltelefone beschlagnahmt worden, die nun ausgewertet werden. "Unsere Ermittlungen stehen noch am Anfang", stellte Molins klar. Auch ob es Komplizen gab, wisse man bisher nicht. Die Ehefrau von Lahouaiej-Bouhlel sei in Gewahrsam genommen worden.

Zu Bewährungsstrafe verurteilt

Der 31-Jährige hatte offenbar ein längeres Vorstrafenregister, zu dem Delikte wie Diebstahl, Einbruch und häusliche Gewalt gehörten. Am 23. März war Lahouaiej-Bouhlel, der als Lieferfahrer arbeitete, zu sechs Monaten Haft auf Bewährung wegen Bedrohung, Gewalt, Diebstahls und Sachbeschädigung verurteilt worden. Dabei ging es nach Angaben Molins um einen Streit nach einem Verkehrsunfall, bei dem er eine Holzpalette auf seinen Kontrahenten geworfen hatte.

Auch wenn das Tatmotiv nach wie vor ein Rätsel ist: Dass Lahouaiej-Bouhlel seine Tat geplant hat, erscheint naheliegend. Wie Molins sagte, mietete er den weißen 19-Tonner bereits zwei Tage vor dem Anschlag - zu der Tat sei es an jenem Tag gekommen, an dem er den Lastwagen wieder zurückgeben sollte. Abgeholt hatte er das Fahrzeug mit dem Fahrrad. Es sei später auf der Ladefläche des Lkws gefunden worden.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa/AFP