Politik

Sorge um Sicherheit Nobelpreisträgerin Alexijewitsch verlässt Belarus

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Swetlana Alexijewitsch: "Wir wollten, dass in der Gesellschaft ein Dialog beginnt."

(Foto: picture alliance / dpa)

In ihrer Heimat Belarus opponiert Swetlana Alexijewitsch gegen Staatschef Lukaschenko. Doch weil die Literaturnobelpreisträgerin wegen der unruhigen Lage um ihre Sicherheit fürchtet, entscheidet sie sich zur Ausreise. Nun befindet sich die 72-Jährige in Berlin.

Die politisch engagierte Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch hat ihre Heimat Belarus verlassen. Die 72-Jährige sorgte sich demnach um ihre Sicherheit. Alexijewitsch flog an Bord einer Maschine der belarussischen Fluggesellschaft Belavia nach Deutschland und landete in Berlin-Schönefeld. Die 72-jährige Schriftstellerin wolle sich in Deutschland einer medizinischen Behandlung unterziehen, sagte ihre Vertraute Marija Woiteschonok.

Alexijewitsch werde einen Monat im Ausland bleiben, unter anderem wolle sie auch zu einer Preisverleihung nach Italien reisen, sagte Woiteschonok weiter. Danach aber wolle die Autorin, die 2015 für ihr Werk mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, nach Belarus zurückkehren.

Die Autorin gehört zu den schärfsten Kritikern von Machthaber Alexander Lukaschenko. Sie forderte immer wieder seinen Rücktritt. Alexijewitsch musste als Präsidiumsmitglied des Koordinierungsrates der Opposition in Belarus befürchten, wie ihre Mitstreiter entweder in Haft zu kommen oder gegen ihren Willen außer Landes gebracht zu werden. Nun entschied sie sich dafür, das Land zu verlassen. Zuvor hatten sich westliche Diplomaten für ihren Schutz eingesetzt, sie richteten auch einen Wachdienst ein, nachdem sich die Schriftstellerin in ihrer Wohnung in Minsk von den belarussischen Behörden bedroht gefühlt hatte. Alexijewitsch hatte viele Angebote aus dem Ausland erhalten, sich in Sicherheit zu bringen.

Auch Friedenspreisträger aus aller Welt hatten sich mit der Autorin solidarisiert und ihren Mut gewürdigt. "Sie hat nichts anderes getan als das, wofür sie mit dem Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels im Jahre 2013 ausgezeichnet worden ist: Die Wahrheit auszusprechen und ihre Stimme all jenen zu leihen, die sich auflehnen gegen Erniedrigung", hieß es in der Erklärung. "Wir solidarisieren uns mit Swetlana Alexijewitsch und ihren Gefährt*innen vom Koordinationsrat und fordern die Einstellung der Einschüchterung, der Terrormaßnahmen gegen sie wie gegen die bisher so friedlich verlaufene Bewegung des belarussischen Volkes."

"Wir wollten keine Spaltung in unserem Land"

Alexijewitsch war wie die meisten anderen Mitglieder des Koordinierungsrates der Zivilgesellschaft unlängst auch zur Vernehmung vorgeladen worden. Sie beklagte zuletzt öffentlich, dass ihr Präsidiumskollege Maxim Snak festgenommen wurde. Zuvor waren die Oppositionelle Maria Kolesnikowa und andere verhaftet worden. Zwei Präsidiumsmitglieder hatten das Land auf Druck der Behörden verlassen.

"Erst haben sie uns das Land gestohlen, jetzt greifen sie die Besten von uns auf", sagte Alexijewitsch unlängst. Aber es kämen Hunderte andere an ihrer Stelle. Das Land bäume sich auf gegen den Machtapparat. Es gehe hier aber nicht um einen Umsturz, wie von Lukaschenko behauptet. "Wir wollten keine Spaltung in unserem Land. Wir wollten, dass in der Gesellschaft ein Dialog beginnt." Es gingen auch Menschen mit kleinen Kindern auf die Straße, weil sie fest vom Sieg überzeugt seien.

Zugleich appellierte die Nobelpreisträgerin an Intellektuelle in Russland, den "Volkswillen" in Belarus zu unterstützen. "Warum schweigt Ihr? Wir hören nur seltene Stimmen der Unterstützung (...) Warum schweigt Ihr, wenn Ihr seht, dass ein kleines stolzes Volk getreten wird? Wir sind doch Eure Brüder."

Quelle: ntv.de, jpe/jwu/dpa/AFP

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