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"Gekochte Küken schlüpfen nicht" Nordkorea ist sauer, aber nicht auf Trump

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Wenigstens der "oberste Führer" scheint noch immer glücklich zu sein: Kim Jong Un beim Besuch einer nordkoreanischen Fischfabrik.

REUTERS

Zwei Monate nach dem Gipfel von Trump und Kim ist Nordkorea offenbar frustriert über die bisherigen Verhandlungsergebnisse. Der Ärger entlädt sich in einer Pressemitteilung, in der einer jedoch ausdrücklich nicht kritisiert wird.

Nordkorea hat sich darüber beschwert, dass die USA ihre Zusagen aus dem Gipfel von US-Präsident Donald Trump mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un nicht eingehalten hätten. In einer Pressemitteilung des nordkoreanischen Außenministeriums werden dafür "einige hochrangige Vertreter der US-Regierung" verantwortlich gemacht, die "gegen die Intention von Präsident Trump" handelten.

Während Nordkorea bereits "praktische Schritte zur Denuklearisierung" unternommen habe, darunter ein Ende von Atom- und Raketentests, bestünden die USA auf ihrer "einseitigen Forderung von 'Denuklearisierung zuerst'". Trotzdem habe Nordkorea versucht, mit "großzügigen Maßnahmen" Vertrauen zwischen beiden Ländern zu schaffen. Erwähnt wird in diesem Zusammenhang die Rückgabe von sterblichen Überresten amerikanischer Soldaten, die im Koreakrieg in den 1950er Jahren gefallen oder als Kriegsgefangene in Nordkorea gestorben waren.

"Wir hofften, dass diese Maßnahmen des guten Willens dazu beitragen würden, die hohe Hürde des Misstrauens zwischen der DPRK und den USA niederzureißen", heißt es in der Pressemitteilung. DPRK ist das englische Kürzel für die Demokratische Volksrepublik Korea. "Die USA beantworteten unsere Erwartungen jedoch damit, dass sie zu internationalen Sanktionen und Druck gegen die DPRK aufriefen." Damit könnte etwa gemeint sein, dass die USA eine Lieferung von Sportgeräten nach Nordkorea verhindert haben, die das Internationale Olympische Komitee geplant hatte. Anfang August verhängten die USA zudem Sanktionen gegen eine russische Bank, der sie vorwerfen, weiterhin Geschäfte mit Nordkorea zu machen.

In einem solchen Klima Verhandlungsergebnisse zu erwarten, sei ein "verrückter Akt, der dem Warten darauf gleichkommt, dass ein Küken aus einem gekochten Ei schlüpft", heißt es in der Pressemitteilung, die bereits am Donnerstag veröffentlicht wurde. Dass Trump beim Gipfel mit Kim versprach, die USA würden keine Militärmanöver mehr mit Südkorea durchführen, wird in dem Schreiben nicht erwähnt. Für dieses einseitige Zugeständnis war Trump in den USA scharf kritisiert worden.

Unklar ist, was mit "Denuklearisierung" überhaupt gemeint ist

Wer mit den "hochrangigen Vertretern der US-Regierung" gemeint ist, bleibt offen. Allerdings hat Trumps Sicherheitsberater John Bolton unlängst erklärt, die USA warteten noch immer darauf, dass Nordkorea den Prozess der Denuklearisierung beginne. Das zentrale Problem ist, dass zwischen Nordkorea und den USA nach wie vor Uneinigkeit darüber herrscht, was unter dem schwammigen Begriff der Denuklearisierung zu verstehen ist. Für die Führung in Nordkorea sind Atomwaffen eine Überlebensgarantie, die sie nicht so schnell hergeben dürfte.

Vor zwei Wochen berichtete die "Washington Post" zudem, US-Geheimdienste seien der Meinung, Nordkorea könne dabei sein, neue Raketen zu entwickeln. Unter anderem gebe es Satellitenbilder, die diesen Verdacht stützten. Der Bericht der "Post" legt nahe, dass nicht alle Mitglieder der US-Regierung Trumps Entspannungspolitik mit Nordkorea so enthusiastisch unterstützen wie der Präsident selbst. Bolton etwa hatte im Februar, bevor er Sicherheitsberater wurde, in einem Artikel für das "Wall Street Journal" für einen Krieg gegen Nordkorea geworben. Auf der anderen Seite war auch Trump noch vor wenigen Monaten ein Nordkorea-Hardliner. In einer Rede vor der UN-Generalversammlung drohte er damit, das Land "total zu zerstören". Nach seinem Gipfel mit Kim in Singapur verkündete Trump dann, es gebe "keine atomare Bedrohung aus Nordkorea" mehr.

Konkrete Schritte vereinbarte Trump mit Kim allerdings nicht. Das überließ er seinem Außenminister Mike Pompeo. Auch er dürfte zu den US-Vertretern gehören, die in Pjöngjang nicht sonderlich beliebt sind. Nach Informationen der US-Nachrichtenseite Vox.com fordert Pompeo von dem nordkoreanischen Regime, es solle 60 bis 70 Prozent seiner Atomsprengköpfe innerhalb der nächsten sechs bis acht Monate vernichten. Reuters zufolge hat Nordkorea dies mehrfach abgelehnt. Zwei US-Vertreter sagten der Nachrichtenagentur, Nordkorea scheine Trump als leichteren Verhandlungspartner zu sehen. Belegt wird diese Einschätzung mit folgender Geschichte: Als im vergangenen Monat Pompeos Beratungen in Pjöngjang in einer Sackgasse steckten, hätten ihn seine Gesprächspartner gebeten, den Raum zu verlassen. Sie wollten Trump anrufen.

Der US-Sender CNN schreibt, die Erklärung des nordkoreanischen Außenministeriums scheine auf ein Publikum in den USA zu zielen, da sie von der UN-Botschaft des Landes in New York verbreitet wurde. Es könnte sogar sein, dass die Botschaft sich an nur eine Person richtet: an Trump. Bei aller Kritik wird er in dem Text ausdrücklich gelobt. "Die Botschaft ist kunstvoll gefertigt, um sicherzustellen, dass die Schuld nicht auf Trump geschoben wird", zitiert Vox.com die Nordkorea-Expertin Jenny Town. "Das lässt Trump Spielraum, um eine Kurskorrektur zu fordern, die die Verhandlungen wieder auf Kurs bringt."

Genau darauf scheint Pjöngjang zu hoffen. Nordkorea habe weiterhin die Absicht, "die Intentionen der höchsten Anführer der DPRK und der USA hochzuhalten", endet die Presseerklärung des nordkoreanischen Außenministeriums. "Die USA sollten, selbst zu diesem späten Zeitpunkt, angemessen auf unsere ehrlichen Anstrengungen reagieren."

Quelle: n-tv.de, mit dpa

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