Politik

Und, wie war Ihre Woche so? Nummer 10 für Laschet, 16 Cent für Baerbock

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Kurs aufs Kanzleramt: Am Donnerstag präsentierten die Grünen ihr Wahlkampfmotto.

(Foto: picture alliance/dpa)

Am Sonntag könnte die ewige Konkurrenten-Debatte zwischen Markus Söder und Armin Laschet entschieden werden. Annalena Baerbock wurde eine wichtige Information vorenthalten. Und Olaf Scholz grinst schon wieder etwas schlumpfig. Der Wahlkampf im Wochenrückblick.

Laschets Woche: Darauf einen Müller-Thurgau

Von Nadine to Roxel

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Wahlkampf in Sachsen-Anhalt: Ministerpräsident Reiner Haseloff könnte Laschet am Sonntag Rückenwind geben.

(Foto: dpa)

Eine Auf-und-ab-Woche für Armin Laschet. Alles guckt auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt. Lange hat sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen AfD und CDU abgezeichnet, jetzt liegt die CDU in Umfragen vorn. Trotzdem: Wahlschlappe nicht ausgeschlossen. Das wäre für den CDU-Chef Laschet eine ziemliche Katastrophe. Und für ihn als Kanzlerkandidat erst recht. Und dann war da auch noch der Ärger um die Werteunion.

Dabei hatte Laschets Woche durchaus gute Momente, gerade im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt. Im Saalekreis hat der Kanzlerkandidat jetzt seinen eigenen Rebstock. Zumindest als Pate. Schön gelegen am Geiseltalsee, Weinberg "Goldener Steiger" - Reihe 10, Nummer 25. Sorte: Müller-Thurgau. Es hängt sogar ein Zettelchen mit seinem Namen dran.

Hat auch nicht jeder, könnte man meinen. Aber einer eben doch. Ausgerechnet sein Rivale um die Kanzlerkandidatur, Markus Söder. Sein Weinstock steht eine Reihe weiter. Söder war ja in Sachsen-Anhalt auch im Wahlkampf unterwegs und das auch noch eine Woche früher als Laschet.

Der nimmt’s mit Humor. Wenn die Wahl in Sachsen-Anhalt gut läuft für die CDU, dürfte das auch Rückenwind für Laschet sein. Und dann könnte auch das ewige Konkurrenten-Thema zwischen Laschet und Söder erledigt sein. Darauf einen Müller-Thurgau!

Baerbocks Woche: Das darf man doch nicht sagen!

Von Holger Schmidt-Denker

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Am Donnerstag begrüßte Annalena Baerbock den österreichischen Bundespräsidenten Alexander van der Bellen, einen Grünen, in Berlin. Bei Armin Laschet war van der Bellen zuvor auch.

(Foto: dpa)

"Bereit, weil Ihr es seid". Beim frisch vorgestellten Wahlkampfmotto der Grünen kommt einem unwillkürlich Hannibal Lecter aus dem Film "Das Schweigen der Lämmer" in den Sinn. Und die Frage, ob die Deutschen wirklich bereit sind, erheblich mehr Geld für Energie zu zahlen. 16 Cent mehr für den Liter Benzin, fordert Annalena Baerbock am vergangenen Sonntagabend. Hat ihr denn niemand gesagt, dass man den Wähler nicht erschrecken darf? Nun ist die Zahl in der Welt, der politische Gegner freut sich, von Linkspartei bis AfD. So sehr, dass das Thema die gesamte Woche der Kanzlerkandidatin begleitet.

Dabei hat Baerbock Recht: Natürlich müssen die Energiepreise steigen, damit die Klimaziele erreichbar bleiben, das wissen auch alle anderen Parteien. Aber das darf man doch nicht sagen! Jedenfalls nicht vor der Wahl.

Pech für die Grünen, dass sie ein anderes Thema im Schatten der Spritpreisaufregung nicht richtig platzieren konnten: Baerbock will die regionale Daseinsvorsorge ins Grundgesetz aufnehmen. Besseres Internet, bessere öffentliche Verkehrsinfrastruktur und bessere Gesundheitsversorgung für alle Deutschen. Wer würde da widersprechen? Doch die 16-Cent-Dabatte überstrahlt alles.

Die Woche könnte trotzdem noch versöhnlich enden für Baerbock, denn der Wahlsonntag verspricht ein wenig Seelenstreicheln für die Kandidatin. In Sachsen-Anhalt wird man wohl ein für den Osten gutes Ergebnis einfahren, und die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Grünen dort auch in Zukunft weiter mitregieren.

Scholz' Woche: Fast wie früher

Von Heike Boese

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Großer Vorteil zum digitalen Wahlkampf: Vor Ort gibt's auch mal ein Bier. Wie hier für Olaf Scholz im Magdeburger Moritzhof.

(Foto: ZB)

Für Olaf Scholz fühlte sich die Woche fast ein bisschen wie früher an, als Politiker im Wahlkampf noch Menschen auf Straßen und Plätzen getroffen haben und nicht nur auf Bildschirmen. Der SPD-Kanzlerkandidat war in Sachsen-Anhalt unterwegs, um der schwächelnden Partei zu helfen, bei der Wahl am Sonntag nicht unter die Zehn-Prozent-Hürde zu rutschen. Einstellig bei einer Landtagswahl - das könnte selbst der Bundesfinanzminister nicht schön rechnen. Sachsen-Anhalt ist der letzte Stimmungstest vor der Sommerpause und der Bundestagswahl.

Also tourt er durch das ostdeutsche Bundesland. Magdeburg, Halle, Barleben - ohne Krawatte und gut gelaunt, wie seine Leute versichern. 30 Zuhörer, mal 50, alle getestet und unter freiem Himmel. Sachsen-Anhalt ist nicht eins zu eins auf den Rest der Bundesrepublik zu übertragen, eigentlich gar nicht, nicht mal eins zu fünfzehn - aber es ist eine gute Gelegenheit, sich für den Bundestagswahlkampf warm zu laufen, Argumente zu testen. Was kommt an? Welcher Witz zündet, welcher krepiert? Wobei Olaf Scholz nicht der Mann für den großen, lauten Witz ist, bei dem sich ein vollbesetztes Bierzelt vor Lachen auf die Schenkel klopft. Er ist eher der Mann für den Schmunzler. Schon ein, zweimal erprobt ist der ein oder andere Seitenhieb auf Markus Söder. Der bayerische Ministerpräsident hatte ihm mal ein "schlumpfiges Grinsen" attestiert und das nicht nett gemeint. Trägt Scholz ihm das nach? Naja, er nennt Söder im Gegenzug "Gandalf" und grinst tatsächlich etwas schlumpfig, als er das sagt. Obwohl der Wahl-Brandenburger im Juli in Bayern Urlaub machen möchte, werden die beiden sich wohl eher nicht treffen. Auf ein Bier und eine Brotzeit, idyllisch in den Bergen? Politiker müssen einiges abkönnen, aber das wäre für beide keine Erholung.

Und dann war da noch: Zehlendorf

Von Christian Wilp

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Da war sie noch geöffnet: Thomas Heilmann vor seiner Teststelle.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wer wissen möchte, wie freundschaftlich die (bisherigen) Koalitionspartner im Wahlkampf miteinander umgehen, dem reicht ein Blick in den bürgerlichen Berliner Bezirk Zehlendorf. Auf dem Parkplatz eines Supermarktes hatte der CDU-Abgeordnete Thomas Heilmann, Merkel-Berater und Selfmade-Millionär, in einem Doppeldeckerbus eine Corona-Teststation angeboten, betrieben von einer örtlichen Apotheke. Feierlich eröffnet wurde dieser Testbus von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), und nun abrupt geschlossen von der Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD). Letztere wittert einen Skandal.

"Was mir missfallen hat, ist der parteipolitische Missbrauch dieser Testmöglichkeiten", sagt Kalayci, "und deswegen hat diese Apotheke diese Zertifizierung nicht mehr." Heilmann, ehemals Justizsenator in Berlin, fragt sich, auf welcher rechtlichen Grundlage die Schließung erfolgt. Grundsätzlich gilt: Testzentren werden von den lokalen Behörden eröffnet. Ausschlaggebend dafür ist das Kriterium, dass sie in der Lage sein müssen, Tests durchzuführen und auszuwerten. Ob das in Frage steht, wenn auf dem Bus ein Parteilogo prangt? Heilmann bedauert, dass die Gesundheitssenatorin den Bürgern die Entscheidung abgenommen hat, ob sie dieses Testzentrum besuchen möchten oder nicht. "Wir zwingen ja niemanden, lassen aber jeden gerne rein." Die Apotheke prüft, rechtliche Schritte gegen die Schließung einzulegen. Fortsetzung folgt.

Dies ist die dritte Folge der Wahlkampf-Kolumne "Und, wie war Ihre Woche so?" Folge zwei lesen Sie hier.

Quelle: ntv.de

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