Politik

Türkisch-nationalistische Gang "Osmanen" bewachten Flüchtlingsheime

100662188.jpg

Die "Osmanen Germania" werden wegen des Verdachts rockerähnlicher Strukturen von der Polizei beobachtet.

(Foto: picture alliance / Dieter Stanie)

Wegen Mordes und Zwangsprostitution stehen Mitglieder der türkisch-nationalistischen "Osmanen Germania" vor Gericht. Nun wird bekannt, dass die Gang offenbar Dutzende Wachmänner für Flüchtlingsheime gestellt und damit zahlreiche Steuergelder erhalten hat.

Zu Dutzenden haben Angehörige der türkisch-nationalistischen Straßengang "Osmanen Germania" nach Recherchen des "Spiegel" als Wachmänner Flüchtlingsunterkünfte in Südbaden bewacht. Die Ermittler gingen davon aus, dass die "Osmanen" 2016 zeitweise 50 Mitglieder für acht Unterkünfte im Landkreis Lörrach stellten.

Die Aufträge erhielten sie ohne Wissen des Landkreises offenbar von einem Sub-Subunternehmer, wie Landkreissprecher Torben Pahl bestätigte. Der Kreis habe die Bewachung der Unterkünfte an ein Sicherheitsunternehmen abgegeben, das wiederum einen Subunternehmer beauftragt und vom Einsatz der "Osmanen" nichts gewusst habe, erklärte Pahl.

Laut seinen Angaben ging es um einen Zeitraum von Ende 2015 bis Ende 2016, in dem die "Osmanen" tätig waren. Der Landkreis habe davon erst im März 2017 erfahren.
Acht bis zehn Euro sollen Mitarbeiter pro Stunde verdient haben. Der frühere "Weltpräsident" der "Osmanen" und sein Vize sollen oft eine Art Provision erhalten haben. So sollen allein im Februar 2016 mindestens 12.500 Euro an die Gang geflossen sein.

Gegen beide beginnt am Montag im Hochsicherheitssaal am Gefängnis Stuttgart-Stammheim ein Prozess des Landgerichts Stuttgart. Die Staatsanwaltschaft wirft insgesamt acht Bandenmitgliedern unter anderem versuchten Mord, Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Zwangsprostitution, Erpressung, Drogenhandel und Nötigung vor.

Bereits Mitte März hatte die Polizei in mehreren Bundesländern koordinierte Razzien durchgeführt, die Klarheit über die Strukturen der Organisation schaffen sollten. Offiziell bezeichnet sich der Verein als Boxklub, der Jugendliche von der Straße holen wolle. Das Bundesinnenministerium ließ jedoch verlauten, der tatsächliche Zweck liege in der gewalttätigen Gebiets- und Machtentfaltung sowie in der Selbstbehauptung gegenüber konkurrierenden rockerähnlichen Gruppierungen.

Quelle: n-tv.de, mra/dpa

Mehr zum Thema