Politik

Führungskräfte in Bundesbehörden Ostdeutsche landen selten in der Chefetage

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Die Berliner Mauer ist längst Geschichte, doch ihre Spuren hinterlässt sie bis heute.

(Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Nur 13,9 Prozent aller Führungskräfte in deutschen Behörden sind gebürtige Ostdeutsche. Das geht aus einem Bericht des Ostbeauftragen des Bundes hervor. Demnach ist ihr Anteil in höheren Chefetagen- auch über 30 Jahre nach dem Mauerfall- besonders gering.

Ostdeutsche sind in Spitzenpositionen der Bundesbehörden immer noch deutlich unterrepräsentiert. Nur 13,9 Prozent der Führungskräfte in obersten Bundesbehörden sind gebürtige Ostdeutsche, wie aus einem Bericht des Ostbeauftragten der Bundesregierung Carsten Schneider hervorgeht. Nimmt man als Geburtsorte nur die fünf ostdeutschen Flächenländer ohne Berlin, sind es sogar nur 7,4 Prozent.

"Über alle Führungsebenen hinweg sind Ostdeutsche nicht ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entsprechend vertreten", heißt es in dem Bericht, über den auch das Bundeskabinett beraten soll. Für die erstmals erhobene Statistik hatte Schneider den Angaben zufolge die Herkunft des Führungspersonals auf mehr als 3600 Positionen in 93 Bundesbehörden untersuchen lassen. "

Dazu gehörten unter anderem Bundesregierung, Bundestag, Bundespräsidialamt, Bundesrat und Bundesverfassungsgericht sowie sämtliche Bundesgerichte. Das Resümee: "In den höheren Führungsebenen ist die Unterrepräsentation besonders stark ausgeprägt. So liegt der Anteil Ostdeutscher in den Leitungsebenen bei 6,8 Prozent, ohne Berlin bei 4,5 Prozent.

Linken-Politiker fordert "Ost-Quote"

Aus Sicht Schneiders belegen die Zahlen "eine deutliche Benachteiligung" Ostdeutscher bei der Verteilung von Führungspositionen in der Bundesverwaltung. "Wie in anderen Bereichen der Gesellschaft handelt sich um eine Art unbewusster Diskriminierung von Menschen aus dem Osten", sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete. Insbesondere für die älteren Generationen im Osten habe es "wenig Zugang zu hochdotierten Stellen im öffentlichen Dienst auf Bundes- und Landesebene" gegeben, "da nach der Wende vor allem junge Westdeutsche diese Positionen besetzt haben und bis heute besetzen". Nach seiner Erhebung sind rund 20 Prozent der Bevölkerung gebürtige Ostdeutsche.

Schneider mahnt angesichts der Zahlen eine Selbstverpflichtung der Bundesregierung an, beim Bemühen um eine höhere Diversität künftig auch Ostdeutsche im Blick zu haben. "Auf allen Hierarchiestufen muss die Sensibilität für die Unterrepräsentation von Ostdeutschen in Führungspositionen vorhanden sein", fordert Schneider in dem Bericht. "Eine bessere Repräsentation und die öffentliche Sichtbarkeit von Ostdeutschen in Führungspositionen gerade auch in der Bundesverwaltung können das Vertrauen in die Demokratie stärken und die Akzeptanz auch für schwierige politische Entscheidungen erhöhen."

Der Linken-Ostbeauftragte Sören Pellmann sieht die mangelnde Vertretung Ostdeutscher in Führungspositionen des Bundes als Verfassungsbruch. "Artikel 36 des Grundgesetzes verlangt eine faire Personalverteilung aus allen Bundesländern", sagte Pellmann in Berlin. Er bekräftigte die Forderung nach einer "Ost-Quote" in Bundesministerien und Bundesbehörden. Von allein würden die Zahlen nicht besser. Schneider ist jedoch gegen eine Quotenregelung. Pellmann nannte die Ampel-Koalition eine "ausgesprochen westdeutsche Bundesregierung" und fügte hinzu: "Sie sollte bei sich selbst anfangen, denn insbesondere in ihren Ministerien sind die Zahlen schlecht."

Quelle: ntv.de, bek/AFP/dpa

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