Politik

Steuerbetrug in Deutschland Panama Papers: Justiz ermittelt in 150 Fällen

b7c8bbaf93d8305545c5e8948cbb461f.jpg

Durch Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen wie Panama schleusten auch deutsche Firmen Geld am Fiskus vorbei.

(Foto: dpa)

Vor drei Jahren wurde ein Netzwerk von Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen aufgedeckt. Durch Steuerhinterziehung und Geldwäsche entgeht auch dem deutschen Fiskus viel Geld. In 150 Fällen wird bereits ermittelt - die Zahl der verdächtigen Firmen liegt sogar deutlich höher.

Im Zuge der Ermittlungen zu den sogenannten Panama Papers sind bislang bundesweit in rund 150 Fällen Steuerstrafverfahren eingeleitet oder bereits laufende Verfahren unterstützt worden. Die Steuermehreinnahmen betragen rund 4,2 Millionen Euro, wie Hessens Finanzminister Thomas Schäfer in der Oberfinanzdirektion (OFD) in Frankfurt am Main sagte. Bei diesen Zahlen handele es sich nur um eine Momentaufnahme - die Mehreinnahmen für den Fiskus könnten noch steigen.

Unter Beteiligung der OFD sowie des Finanzamts Kassel II-Hofgeismar und der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main organisiert eine beim Bundeskriminalamt eingerichtete Ermittlungsgruppe die Auswertung der Panama Papers. Dabei geht es um die im April 2016 veröffentlichten Erkenntnisse eines internationalen Rechercheteams zur Steuervermeidung und Geldwäsche mittels Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen. Die Ermittlungsgruppe sucht in akribischer Kleinarbeit nach inländischen und ausländischen wirtschaftlichen Verzweigungen zwischen Verdächtigen und leitet entsprechende Fälle an die zuständigen örtlichen Finanzbehörden im In- und Ausland weiter.

Auskunft zu über 2000 Firmen gegeben

Die hessische Steuerverwaltung sichtet die Datensätze und liefert sie aktiv oder auch auf Nachfrage den zuständigen Steuerbehörden. Dem Landesfinanzminister zufolge gingen aus Deutschland bislang bei der hessischen Steuerverwaltung über 180 Anfragen von Finanzbehörden zu den Panama Papers ein, aus dem Ausland über 90.

Dabei umfassen die erbetenen Auskünfte den Angaben zufolge oftmals eine Vielzahl von Firmen- und Personennamen - mit der Folge, dass bis Ende März bereits 2259 Firmen und 1087 Menschen im Bestand der Panama Papers recherchiert werden mussten. Innerhalb Deutschlands wurden vom Kasseler Auswertungsteam in der Folge über 257.000 Dokumente zu mehr als 1350 Offshore-Firmen zur Verfügung gestellt. Rund 32.000 Dokumente zu über 150 Offshore-Firmen gingen an internationale Finanzbehörden.

Weltweite Nachzahlungen knacken Milliardengrenze

Vor drei Jahren hatte ein internationales Mediennetzwerk, dem ein ungeheurer Datenberg zugespielt wurde, Details über Briefkastenfirmen in Panama enthüllt. Dadurch waren weltweit Politiker, Geschäftsleute und Prominente unter Druck geraten. Im Kampf gegen Geldwäsche und Steuerbetrug hatte das Bundeskriminalamt im Sommer 2017 die Panama Papers angekauft.

Weltweit habe es Nachzahlungen von umgerechnet mehr als einer Milliarde Euro gegeben, hatten Anfang April NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" berichtet, die als erste im Frühjahr 2016 in Deutschland Hintergründe zu den Panama Papers veröffentlichten. Allein in Deutschland seien bisher rund 150 Millionen Euro zusammengekommen, hieß es.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa/AFP

Mehr zum Thema