Politik

Seilschaft all'italiana Papa wird für Junior zum Verhängnis

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Das geplante Comeback läuft bislang nicht so gut für Matteo Renzi.

(Foto: imago/Italy Photo Press)

Matteo Renzis Vater steht im Verdacht, in eine Korruptionsaffäre verwickelt zu sein. Die italienischen Medien sprechen von der "magischen Lilie" – kein gutes Zeichen für Renzi.

Politik ist zwar nicht immer eine lupenreine Angelegenheit, nichtsdestotrotz soll sie über magische Kräfte verfügen, die Unmögliches möglich machen. Zumindest in Italien, wo die Medien oft und gerne über "cerchi, raggi, gigli magici", also magische Kreise, magische Strahlen und magische Lilien berichten. Wobei die jüngsten Geschichten auch zeigen, dass diese magischen Kräfte schnell auch zum Verhängnis werden können. Eine Erfahrung, die gerade Italiens ehemaliger Regierungschef Matteo Renzi macht. Und dies auf schmerzlichste Weise, denn in der Korruptionsaffäre, die seit einer Woche die Schlagzeilen bestimmt, könnte auch sein Vater Tiziano Renzi involviert sein.

Im Fokus des neuesten Skandals steht die staatliche Beschaffungsstelle Consip, also gerade die Struktur, deren Zweck und Aufgabe es sein sollte, Korruption und Verschwendung bei der Beschaffung und Verwaltung öffentlicher Einrichtungen zu bekämpfen. Consip vergibt jährlich Aufträge für insgesamt 40 bis 45 Milliarden Euro. Bei dem Fall, in dem jetzt ermittelt wird, handelt es sich um einen im Wert von 2,7 Milliarden Euro, und davon wollte sich der neapolitanische Unternehmer Alfredo Romeo ein 600 Millionen Euro starkes Stück abschneiden. Einen Verbündeten in Consip hatte er schon gefunden und mit 100.000 Euro entlohnt – die Ermittler gehen aber davon aus, dass es noch andere gibt, die Schmiergeld kassiert haben.

Romeo wurde vorige Woche verhaftet. Doch was hat Tiziano Renzi, 66 Jahre alt, Kleinunternehmer mit wenig Fortune, mit alldem zu tun? Laut Ermittlungsverfahren wird ihm "illegale Einflussnahme" vorgeworfen. Mehre Zeugenaussagen sollen darauf hinweisen, dass Renzi Senior höchstwahrscheinlich als Bindeglied zwischen den zwei Enden der Seilschaft gedient haben. Also zwischen Romeo und dem Consip-Chef Luigi Marroni. Wobei Renzi Senior, auf Bitte und Druck eines befreundeten Florentiner Unternehmers, Carlo Russo, gehandelt haben soll, der wiederum mit Romeo eng befreundet war.

Tiziano Renzi beharrt darauf, mit der ganzen Sache nicht zu tun zu haben, doch eine handgeschriebene Notiz von Romeo scheint den Verdacht zu bekräftigen. Auf einem dieser Zettel steht hinter dem Betrag "30.000 Euro monatlich" der Buchstabe T. Die Ermittler sind ziemlich sicher, dass "T" für Tiziano steht.

Italienische Magie kann gründlich schief gehen

Neben dem Vater gibt es aber auch andere, die Renzis politische Zukunft vermasseln könnten. Zum Beispiel Luca Lotti, Freund, Verbündeter, rechter Arm als Renzi Premier und heute Sportsminister. Die Ermittler beschuldigen ihn, Marroni, dem Consip-Chef, über die Ermittlungen im Fall Romeo informiert zu haben. Marroni ordnete sofort eine Durchsuchung seines Büros an, um die von der Staatsanwaltschaft platzierten Wanzen zu entfernen.

Außerdem könnte die ganze Affäre für Matteo Renzi zu keinem ungünstigeren Moment kommen. Vom Partito Democratico (PD) hat sich gerade ein Teil des linken Flügels getrennt und schiebt ihm die Schuld dafür zu. Im April sollen Vorwahlen stattfinden, um einen neuen Chef des PD zu nominieren: Renzi hofft, dass dies der Moment seines politischen Comebacks sein wird. Die Consip-Affäre könnte ihm einen doppelten Strich durch die Rechnung machen. Denn Renzi hat es nicht geschafft, sich von dem altbewährten System der Seilschaften, Sippschaften und engen Freundschaften, die Italiens Politik seit eh und je prägen, zu befreien.

Auch er hatte seine Gefolgschaft. Bei ihm heißt sie "giglio magico" – die Lilie gehört zum Wahrzeichen von Florenz, Renzis Heimatstadt. Das mit dem "magico" geht noch auf den Gründer der separatistischen Lega Nord, Umberto Bossi, zurück. Dieser war von einem "cerchio magico" umgeben, einem "magischen Kreis". In Rom spricht man seit die 5-Sterne-Politikerin Virginia Raggi Bürgermeisterin ist, vom "raggio magico", dem "magischen Strahl". Und bei Matteo Renzi nun eben vom "giglio magico".

Nur zeigen diese Beispiele auch, dass das mit dem Magischen gründlich schief gehen kann: Umberto Bossi verdankt seinen erzwungen Abgang unter anderem den korrupten Machenschaften seiner zwei Söhne und dem Schatzmeister der Lega Nord. Virginia Raggi wurde von ihrem engsten Berater- und Freundeskreis und deren Postengeschacher stark in die Bredouille gebracht. Jetzt ist Renzi an der Reihe. Schon hat die 5-Sterne-Bewegung den Partito Democratico in den Umfragen überholt: Die Protestpartei liegt jetzt bei 28,8 Prozent, Renzis Sozialdemokraten kommen mit 27,2 Prozent nur noch auf Platz zwei. Die magische Lilie könnte zur schwarzen Lilie werden, wie die Wochenzeitung "L'Espresso" schreibt.

Quelle: ntv.de