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Franziskus besucht Flüchtlingslager Papst holt syrische Familien in den Vatikan

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Papst Franziskus grüßt Menschen im Flüchtlingscamp Moria auf Lesbos.

(Foto: picture alliance / dpa)

Fünf Stunden lang schüttelt der Pontifex im Flüchtlingscamp Moria Hände und spricht Mut zu. Dann fliegt er mit zwölf Gästen zurück in den Kirchenstaat. Was bleibt, ist ein ein Aufruf an die internationale Gemeinschaft.

Papst Franziskus hat bei einem symbolträchtigen Besuch auf der griechischen Insel Lesbos die internationale Gemeinschaft aufgerufen, mit Menschlichkeit auf die Flüchtlingskrise zu reagieren. Besonders die Europäer müssten "mit Respekt für die Menschenwürde" handeln, sagte Franziskus in einem Flüchtlingszentrum der Ägäis-Insel in Begleitung des ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I., und des griechisch-orthodoxen Erzbischofs von Athen und ganz Griechenland, Hieronymus. Drei Familien aus Syrien durften mit dem Kirchenoberhaupt zurück in den Vatikan reisen.

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Franziskus sprach den Flüchtlingen in dem Registrierungszentrum Moria bei Mytilini Mut zu. "Ihr seid nicht allein, liebe Freunde, verliert die Hoffnung nicht!", sagte der Papst, der in Moria mit Rufen wie "Freiheit" und Schildern mit der Aufschrift "Hilfe" empfangen wurde. Die Weltgemeinschaft müsse gemeinsam eine Antwort auf die aktuelle Flüchtlingskrise finden, betonte das katholische Kirchenoberhaupt.

"Mögen euch alle unsere Brüder und Schwestern auf diesem Kontinent wie der gute Samariter zu Hilfe kommen!", sagte der Papst. Der "Geist der Brüderlichkeit, der Solidarität und des Respekts für die Menschenwürde" habe die lange Geschichte des europäischen Kontinents geprägt, betonte er in einer indirekten Kritik an jenen EU-Staaten, die sich gegen eine Verteilung der Flüchtlinge innerhalb der EU sträuben.

Kirchenoberhäupter unterzeichnen Erklärung

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras kritisierte bei einem kurzen Treffen mit Franziskus "gewisse europäische Partner, die im Namen des christlichen Europas Mauern errichtet haben". Bartholomäus I. sagte, "die Welt wird beurteilt werden nach der Weise, wie sie euch behandelt hat". Wer die Flüchtlinge fürchte, "hat euch nicht in die Augen geschaut, (...) hat nicht eure Kinder gesehen".

Die drei Kirchenoberhäupter unterzeichneten auf Lesbos eine gemeinsame Erklärung, in der sie die Staatengemeinschaft auffordern, der "gewaltigen humanitären Krise" mit Mut zu begegnen. Auch die "tieferen Gründe" für die massenhafte Flucht müssten mit diplomatischen, politischen und karitativen Anstrengungen im Nahen Osten und in Europa angegangen werden, hieß es.

Franziskus erinnerte später im Hafen von Mytilini mit Hieronymus und Bartholomäus I. an Hunderte von Flüchtlingen, die "skrupellosen Schurken" zum Opfer gefallen seien. Auf der Überfahrt vom türkischen Festland ertranken dieses Jahr bereits 375 Flüchtlinge in der Ägäis. Allerdings ging die Zahl der Flüchtlinge sowie der Opfer deutlich zurück, seitdem am 20. März der Flüchtlingspakt mit der Türkei in Kraft trat.

Vatikan-Gäste per Los ausgewählt

"Wir sind alle Emigranten", sagte Franziskus, der selbst ein Enkel von nach Argentinien ausgewanderten Italienern ist. Flüchtlinge seien keine Zahlen, sondern Menschen mit "Gesichtern, Namen und individuellen Geschichten", mahnte der Papst. Er verurteilte die Errichtung von Mauern, die nur zu Spaltung und Streit führten, und forderte entschlossene Schritte gegen Waffenschmuggel.

Nach seinem fünfstündigen Besuch nahm Papst Franziskus zwölf syrische Flüchtlinge mit in den Vatikan. Es seien drei per Los ausgewählte Familien, darunter sechs Kinder. Nach griechischen Angaben sind es Menschen, die vor Inkrafttreten des Flüchtlingspakts mit der Türkei auf Lesbos eintrafen.

Im Lager Moria befinden sich derzeit rund 3000 Flüchtlinge. Hilfsorganisationen kritisieren die Unterbringung in dem sogenannten Hotspot als menschenunwürdig. Mehr als eine halbe Million Flüchtlinge reiste vergangenes Jahr über Lesbos nach Griechenland ein. Seit Beginn dieses Jahres trafen nach UN-Angaben bereits knapp 90.000 Menschen auf der Ägäis-Insel ein, ein Drittel davon Kinder.

Quelle: n-tv.de, Fanny Carrier, AFP

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