Politik

Nie dagewesener Akt Papst stattet Moskaus Botschafter Besuch ab

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Nie zuvor geschehen: Franziskus begibt sich persönlich in die russische Botschaft.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Mitten in Europa bricht ein Krieg aus und der Papst geht höchstpersönlich in die Botschaft des Aggressors. Während argentinische Medien berichten, dass Franziskus sich dem Kreml als Vermittler angeboten habe, bestreitet Russland, dass der Heilige Vater so weit gegangen sei.

Papst Franziskus hat mit einem höchst ungewöhnlichen Schritt auf den russischen Einmarsch in die Ukraine reagiert. Er ist am heutigen Freitag persönlich in der russischen Botschaft im Vatikan erschienen, wie der Kirchenstaat mitteilte. "Er ist dorthin gegangen, um seine Besorgnis über den Krieg auszudrücken", sagte Vatikan-Sprecher Matteo Bruni. Einzelheiten nannte er nicht. Beobachtern zufolge ist es das erste Mal, dass ein Papst während eines Konflikts direkt eine Botschaft aufgesucht hat. Ausländische Gesandte werden normalerweise vom Staatssekretär des Vatikans vorgeladen oder treffen sich mit dem Papst im Apostolischen Palast.

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Historische Privataudienz: Putin 2013 bei Franziskus.

(Foto: picture alliance / Stefano Spaziani)

Der Papst habe mehr als 30 Minuten in der Botschaft verbracht, sagte Bruni. Er wollte sich allerdings nicht zu einem Bericht äußern, wonach der 85-Jährige die Vermittlung des Vatikan angeboten habe. Dies hatte ein argentinischer Medienbericht nahegelegt. Franziskus kommt aus Argentinien.

Russland bestreitet Vermittlungsvorschlag

Botschafter Aleksandr Awdejew bestritt russischen Medienberichten zufolge, dass der Papst seine Vermittlerdienste angeboten habe. Er wird von der Nachrichtenagentur RIA Novosti zitiert, dass Franziskus "große Besorgnis" über die humanitäre Lage in der Ukraine geäußert und "zum Schutz der Kinder, zum Schutz der Kranken und Leidenden und zum Schutz der Menschen" aufgerufen habe.

Papst Franziskus hatte sich bereits vor dem Einmarsch um eine diplomatische Lösung des Konfliktes bemüht. "Lasst uns nicht vergessen: Krieg ist Wahnsinn", sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche etwa bei seiner Generalaudienz im Vatikan. Franziskus rief den Aschermittwoch zum Gebets- und Fastentag für den Frieden in der Ukraine aus.

Der Vatikan teilte am Nachmittag separat mit, dass Franziskus wegen akuter Knieschmerzen den Gottesdienst am Aschermittwoch nicht leiten könne. Er muss auch an diesem Sonntag auf eine Reise nach Florenz verzichten.

Quelle: ntv.de, mau/rts

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