Politik

Mehrere Festnahmen in Hongkong Peking-Anhänger greifen Aktivisten an

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In einem Einkaufszentrum in Hongkong kämpfen regierungskritische Demonstranten gegen Pro-China-Anhänger.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die einen stehen auf der Seite der chinesischen Regierung, die anderen kämpfen für mehr Demokratie. Bei Protesten gehen die Anhänger von Pekings Politik auf Aktivisten der Gegenseite los. Die Schlägereien enden erst, als Polizisten mit Helmen und Schutzschilden eingreifen.

In Hongkong ist es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demokratieaktivisten und Unterstützern der Führung in Peking gekommen. Prochinesische Demonstranten, die chinesische Flaggen schwenkten und die Nationalhymne sangen, gingen in einem Einkaufszentrum und auf einer Straße im Stadtviertel Fortress Hill auf Demokratieaktivisten los. Die Polizei nahm mehrere Menschen fest.

In Fortress Hill attackierten Männer, die blaue T-Shirts mit der Aufschrift "Ich liebe die Hongkonger Polizei" trugen, mutmaßliche Anhänger der Demokratiebewegung. In Videos in Online-Netzwerken war zu sehen, wie die Angreifer ihre größtenteils jüngeren Opfer mit Tritten und Faustschlägen traktieren. Zu Auseinandersetzungen kam es auch im Einkaufszentrum Amoy Plaza im Stadtviertel Kowloon Bay.

Einen geplanten Marsch in Tin Shui Wan nahe der Grenze zu China hatte die Polizei nicht genehmigt. Trotz des Verbots kamen einige Hundert Demonstranten. "Viele Leute haben Angst, gegen Gesetze zu verstoßen, so sind sie nicht gekommen", sagte ein Teilnehmer. Der Protestzug löste sich schnell auf, als er auf Sicherheitskräfte stieß. Die Polizei hatte ein Großaufgebot mobilisiert.

Als Demokratieaktivisten hinzukamen, eskalierte die Situation. Es gab auf beiden Seiten Verletzte. Die Schlägereien endeten erst, als Polizisten mit Helmen und Schutzschilden eingriffen. Mehrere junge Demokratieaktivisten wurden vor und in dem Einkaufszentrum festgenommen. Wie die Zeitung "South China Morning Post" berichtete, kam es auch in einer U-Bahnstation zu Handgemengen.

Weitere Proteste angekündigt

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Polizisten nehmen einen jungen Mann vor einem Einkaufszentrum fest.

(Foto: picture alliance/dpa)

In Hongkong haben seit Juni Millionen Menschen für ihre demokratischen Grundrechte demonstriert. Dabei gab es wiederholt gewaltsame Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei. Zuletzt kam es aber auch vermehrt zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Peking-Anhängern.

Die Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungszone richteten sich anfangs gegen ein geplantes Gesetz, das Überstellungen von Verdächtigen an Festland-China vorsah. Unter dem Druck der Kundgebungen zog die Hongkonger Regierung das Gesetz mittlerweile komplett zurück.

Inzwischen richten sich die Proteste generell gegen Hongkongs pekingtreue Führung. Die Demonstranten fordern den Rücktritt der Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam, eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt, eine Amnestie für die Festgenommenen sowie freie Wahlen.

Auch für Sonntag wurden neue Protestkundgebungen angekündigt. Eine Großdemonstration hat die Polizei allerdings untersagt. In der Vergangenheit haben die Aktivisten solche Verbote allerdings immer wieder ignoriert.

Quelle: ntv.de, ibu/AFP/dpa