Politik

AfD-Abgänger pokern mit Mandat Petry kann Mitgliederschwund verschmerzen

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Frauke Petry hat sich gegen Bernd Lucke durchgesetzt.

(Foto: dpa)

Infolge des Austritts von Bernd Lucke aus der AfD, verliert die Partei bereits 2000 Mitglieder. Und es könnten auch noch mehr werden, räumt die neue Chefin Petry ein. Sie fordert den Mandatsverzicht der Ex-Mitglieder, um die Partei "nicht weiter zu schädigen".

Die AfD hat seit der Wahl ihres neuen Vorstands knapp zehn Prozent ihrer 21.000 Mitglieder verloren. Das teilte die neue Bundesvorsitzende Frauke Petry in Berlin mit. Sie sagte: "Wir haben von Anfang an damit gerechnet, dass wir 20 Prozent der Mitglieder verlieren könnten." Der Parteitag am vergangenen Wochenende in Essen sei trotz des Mitgliederschwunds "ein Befreiungsschlag" gewesen.

An den politischen Leitlinien der Partei von 2013 habe sich nichts geändert, bekräftigte Petry. Lediglich in der Frage, wie sich die Europäische Union entwickeln solle, habe der neue Vorstand etwas andere Vorstellungen als die alte Parteiführung. Die AfD sei in Sachen EU-Reform näher bei der britischen Regierung als bei der Bundesregierung.

Attacke gegen Luckes Anhänger

Der ausgeschiedene AfD-Gründer Bernd Lucke und seine Mitstreiter haben nach eigenen Angaben noch nicht entschieden, ob sie eine neue Partei gründen wollen. Petry forderte Luckes Anhänger zu einen Mandatsverzicht auf. "Ich gehe nicht davon aus, dass Bernd Lucke und diejenigen, die ihm folgen, die Größe besitzen, ihre mit der AfD errungenen Mandate zurückzugeben", sagt Petry der "Bild"-Zeitung mit Blick auf Luckes Entscheidung, aus der Partei auszutreten. Sie erwarte aber, "dass sie mit ihren Versuchen aufhören, die AfD nach dem Prinzip 'Verbrannte Erde' weiter zu beschädigen".

Auch AfD-Vize Alexander Gauland forderte alle ehemaligen AfD-Mitglieder, die im Europa- oder in einem Landesparlament sitzen, zum Mandatsverzicht auf. "Das verlangen die Regeln des politischen Anstandes", sagte Gauland den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Selbstverständlich" gelte dies auch für Lucke und Henkel. Gauland sagte, Luckes Austritt sei konsequent, wenn auch bedauerlich. "Lucke war der Gründer der AfD, doch in den vergangenen Monaten hat er alles falsch gemacht. Er tut mir leid", sagte Gauland den Funke-Blättern.

Bislang wollen dem Bericht zufolge fünf AfD-EU-Abgeordnete, darunter neben Lucke auch Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel, sowie jeweils vier Bürgerschaftsmitglieder in Bremen und Hamburg die AfD verlassen. Insgesamt erklärten seit dem Wochenende bereits mehr als tausend Mitglieder ihren Austritt aus der AfD.

Petry klopft künftigen Kurs fest

Auf dem AfD-Parteitag am Wochenende hatte sich Luckes Rivalin Petry in einer Kampfabstimmung um den Parteivorsitz durchgesetzt, die für einen nationalkonservativen Kurs steht. Luckes Anhänger sind mehrheitlich für die Gründung einer neuen Partei. Wie am Donnerstag mitgeteilt wurde, sprachen sich in einer Mitgliederbefragung in dem von Lucke innerhalb der AfD gegründeten Verein Weckruf 2015 drei Vierteil für eine Neugründung aus. Nur knapp fünf Prozent der Weckruf-Mitglieder gaben an, in der AfD bleiben zu wollen. Mehr als zwölf Prozent sind noch unentschlossen.

Quelle: ntv.de, jog/AFP/dpa