Politik

"Jedem ein Platz in Auschwitz" Pfullendorf-Kaserne droht neuer Skandal

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Schon wieder Pfullendorf: In der Kaserne soll ein Stabsfeldwebel eine rechtsextreme E-Mail verschickt haben.

(Foto: picture alliance / Thomas Warnac)

Anfang des Jahres gerät die Bundeswehrkaserne in Pfullendorf wegen sadistischer Rituale in die Schlagzeilen - nun ermittelt die Justiz erneut gegen einen Soldaten. Er soll eine volksverhetzende Fotomontage an einen Kameraden geschickt haben.

Eine E-Mail mit möglicherweise volksverhetzendem Inhalt hat die Bundeswehr-Kaserne in Pfullendorf (Kreis Sigmaringen) erneut in den Fokus der Staatsanwaltschaft gerückt. Es werde gegen mindestens einen Soldaten wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt, sagte ein Sprecher der Behörde. Wie die "Schwäbische Zeitung" berichtet, geht es in der Hauptsache um eine per E-Mail verschickte Fotomontage mit womöglich volksverhetzendem Inhalt, die ein Stabsfeldwebel an einen anderen Soldaten geschickt haben soll.

Die Zeitung beruft sich auf ein Schreiben vom 8. Oktober an die Staatsanwaltschaft, in dem Soldaten den Vorgang anonym schildern, der sich Ende 2016 in der Ausbildungskompanie ereignet haben soll. Offenbar gehe es dabei auch um eine Fotomontage, die das Eingangstor des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Auschwitz und ankommende Flüchtlinge zeige, mit der Überschrift: "Hier ist für jeden von euch ein Platz."

Der Empfänger der E-Mail habe zwar seinen Kompaniechef informiert, dieser habe aber - ebenso wie ein weiterer Vorgesetzter - nichts unternommen, schreibt die Zeitung weiter. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte, dass auch geprüft werde, ob Beteiligte verpflichtet gewesen wären, den Vorfall zu melden. Beim Verteidigungsministerium hieß es lediglich, der Vorfall sei bekannt.

Zweiter Soldat ist intern Thema

Ein Sprecher des Heeres sagte auf Nachfrage, es werde derzeit gegen einen Soldaten ein gerichtliches Disziplinarverfahren von Seiten der Bundeswehr geführt, bei dem es um entsprechende Bilder gehe. Gegen einen weiteren Soldaten werde wiederum wegen fremdenfeindlicher Äußerungen intern ermittelt. Weitere Angaben machte der Sprecher nicht.

Anfang des Jahres hatte es in der Kaserne in Pfullendorf bereits einen Skandal um entwürdigende Aufnahmerituale gegeben. Die polizeilichen Untersuchungen zu den Vorfällen seien inzwischen abgeschlossen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es gebe aber noch keine weiteren Entscheidungen dazu. Als Konsequenz aus den Vorfällen waren im Februar vier Soldaten aus der Truppe ausgeschlossen worden.

Entsetzen über neue Entgleisungen

Außerdem hatte es Berichte von angeblichen sexuell-sadistischen Praktiken in der Kaserne gegeben - auch hier ermittelte die Staatsanwaltschaft. Im Mai teilte die Behörde jedoch mit, dass es keine strafrechtlichen Konsequenzen gebe, da die Prüfung der Vorwürfe keinen Anfangsverdacht für strafbares Verhalten ergeben hätten.

Das Internationale Auschwitz Komitee in Berlin reagierte entsetzt auf die Berichte. Überlebende des Konzentrationslagers verfolgten mit Abscheu und völligem Unverständnis die "wiederholten menschenfeindlichen Entgleisungen" innerhalb der Bundeswehr, die bewusst und zynisch mit dem Völkermord von Auschwitz verknüpft würden, teilte Vizepräsident Christoph Heubner mit.

Quelle: ntv.de, jug/dpa