Politik

Hingerichtet und "versklavt" Der brutale Kampf für Feminismus

277812328.jpg

"Wann werden Frauen sicher sein?", fragt diese Demonstrantin.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Weniger Geld, weniger Rechte, mehr Gewalt: Das ist noch immer der Alltag vieler Frauen, obwohl der Kampf um Gleichberechtigung schon vor mehr als 200 Jahren begonnen hat. Doch der Blick in die Geschichte zeigt auch, dass Gleichberechtigung ein Prozess ist, in dem Fortschritte möglich sind.

"Ihr seid doch längst gleichberechtigt!" - Diese und ähnliche Sprüche hören viele Frauen, die sich für gesellschaftliche Gleichstellung einsetzen. Denn die gibt es nach wie vor nicht: Es sitzen weniger Frauen als Männer in Vorständen und Parlamenten. In denselben Berufen verdienen sie weniger Geld. Im Alltag erfahren sie mehr Gewalt. Selbst im Jahr 2022 dürfen sie nicht komplett allein über ihre Körper bestimmen, wie Diskussionen um Schwangerschaftsabbrüche und den Paragraf 219a zeigen.

Nicht, weil Frauen nicht wollen, sondern weil strukturelle Unterdrückung allgegenwärtig ist. Muriel González Athenas versucht seit ihrer Jugend, möglichst viele dieser Barrieren einzureißen. In der neuen Folge des ntv-Podcasts "Wir sind Geschichte" erzählt sie Moderator Moritz Harms von ihrem Kampf und davon, was es noch alles zu tun gibt - und, was wir schon erreicht haben. Denn der Blick in die Geschichte zeigt, dass es sich bei der Gleichberechtigung um einen Prozess handelt, in dem Fortschritte möglich sind und, indem schon einiges erreicht wurde.

Ehemänner dürfen ihre Ehefrauen nicht mehr straffrei vergewaltigen, wie es noch bis 1997 der Fall war. Auch Bankkonten können Frauen inzwischen selbst eröffnen und sich ohne Erlaubnis ihres Gatten einen Job suchen. Bis in die 60er-Jahre war das in Deutschland undenkbar.

Politik? Männern vorbehalten

Die Reise in die Vergangenheit beginnt dieses Mal im Jahr 1789. In Frankreich propagieren die Revolutionäre "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" als neue Menschenrechte - die offensichtlich nur für Männer gelten, Frauen werden außen vor gelassen.

Dies inspiriert die Schriftstellerin Olympe de Gouges zur Deklaration "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin". Wie es damals jedoch en vogue war, wurde unliebsamen Stimmen per Guillotine der Kopf und damit auch das Wort abgeschnitten. Die französischen Revolutionäre hätten ihren Einsatz für die Rechte der Frauen als "unerwünschte Einmischung in die den Männern vorbehaltene Politik" empfunden, schreibt der Historiker Karl Heinz Burmeister später über die Hinrichtung von de Gouges.

Moderne Sklaverei

Mehr zum Thema

Je mehr Nationalstaaten sich in Europa herausbilden, umso schlimmer wird die Lage. In den plötzlich angewendeten Gesetzestexten, auf deren Grundlage regiert werden soll, werden Frauen ganz offiziell zu Bürgern und Menschen zweiter Klasse herabgestuft. Diese Benachteiligung erzeugt aber auch trotzigen Widerstand: Frauen beginnen, sich zu organisieren - zuerst in den USA und in Großbritannien. Etwas später erkämpften sich auch in Deutschland die sogenannten Suffragetten ihren ersten großen Sieg: das Frauenwahlrecht von 1918.

Die manisch-depressiven 1920er kamen und gingen, Nazideutschland hielt nur die "arische Mutter" in Ehren und auch das Ende des Zweiten Weltkriegs brachte keine nachhaltige, gesellschaftliche Gerechtigkeit. Im Gegenteil: Die konservativen 1950er bescherten den deutschen Frauen einen Rückfall in dunkelste Zeiten. Erst die 68er-Bewegung führte zur Abschaffung der modernen Sklaverei.

In den 1990er Jahren explodiert das Thema Feminismus dann förmlich. Doch es gibt noch immer viel zu tun - für Frauen und für Männer.

Wir sind Geschichte - ein ntv Podcast

In "Wir sind Geschichte" steuert Moritz Harms seinen Zeitreisebus in zehn Episoden über die interessantesten Routen, die unser historisches Straßennetz zu bieten hat. Die Olympischen Spiele in Deutschland, Feminismus, politische Attentate, das atomare Wettrüsten und vieles mehr. "Wir sind Geschichte" - der ntv History-Podcast erscheint ab 1. April jeden Freitag in der ntv App und überall, wo es Podcasts gibt: Audio Now, Amazon Music, Apple Podcasts, Google Podcasts und Spotify. Mit dem RSS-Feed auch in anderen Apps.

Quelle: ntv.de, chr/jhe/cwe

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen