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Nach Gewalt in Flüchtlingsheim Polizei in Suhl vollstreckt Haftbefehle

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Das Flüchtlingsheim in Suhl.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im thüringischen Suhl bricht Mitte August hemmungslose Gewalt in einer Flüchtlingsunterkunft aus. Erst ein Großaufgebot der Polizei bringt die Lage unter Kontrolle. Nun lässt die Justiz mehrere mutmaßliche Täter festnehmen.

Rund sechs Wochen nach den Krawallen in einer Asylbewerberunterkunft im thüringischen Suhl hat es zahlreiche Festnahmen gegeben. Im Zuge einer landesweiten Polizeiaktion seien in mehreren Flüchtlingsunterkünften bislang 14 Tatverdächtige festgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher in Suhl. Insgesamt sollten 16 Haftbefehle vollstreckt werden. Rund 310 Beamte sind demnach im Einsatz.

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Die Büros der Wachleute wurden bei dem Gewaltausbruch am 19. August verwüstet.

(Foto: dpa)

Den Tatverdächtigen wird laut Polizei schwerer Landfriedensbruch, versuchter Totschlag, Körperverletzung und Sachbeschädigung vorgeworfen. Bei Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen in der Unterkunft in Suhl und anschließenden Krawallen waren im August 17 Menschen verletzt worden. Dutzende Flüchtlinge hatten die Beamten mit Steinen und Eisenstangen angegriffen und Mobiliar und Streifenwagen beschädigt.

Zuvor war ein Streit zwischen Flüchtlingen eskaliert, nachdem ein Heimbewohner einige Seiten aus einem Koran herausgerissen und demonstrativ in die Toilette geworfen haben soll. 120 Beamte waren nötig, um den anschließenden Gewaltexzess unter Kontrolle zu bringen. Sechs Polizisten wurden dabei verletzt.

Videos überführen Schläger

Die nun festgenommenen Flüchtlingen sollen an den Auseinandersetzungen beteiligt gewesen sein. Nach Informationen des MDR Thüringen wertete die Kriminalpolizei Suhl zuvor wochenlang Videobänder und Fernsehbilder aus, um die mutmaßlichen Täter zu identifizieren. Darunter war demnach auch ein knapp 30-minütiges Video, das offenbar von einem Flüchtling in der Erstaufnahmestelle Suhl gedreht wurde. Darin sei unter anderem zu sehen, wie Flüchtlinge die Wachräume in dem Gebäude angreifen und auf die Wachleute losgehen.

Thüringens Integrations- und Justizminister Dieter Lauinger bezeichnete die Gewaltausbrüche in Flüchtlingsunterkünften als "nicht hinnehmbar". Man müsse hier auch den Flüchtlingen gegenüber klare Grenzen ziehen. "Zu diesem Land gehört Religionsfreiheit. Und das bedeutet: auch wenn man sich gekränkt fühlt, kann man nicht jemand, der einen gekränkt hat, ans Leben gehen wollen", sagte der Grünen-Politiker im Bayerischen Rundfunk.

Bundesweit gab es wiederholt Auseinandersetzungen in Flüchtlingsunterkünften, zuletzt eine Massenschlägerei in einer Unterkunft in Kassel mit 14 Verletzten. Deshalb waren unter anderem von der Polizeigewerkschaft Forderungen laut geworden, Flüchtlinge künftig nach Religionen getrennt unterzubringen.

Quelle: ntv.de, nsc/AFP/dpa