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Sonntag, 01. Januar 2017

Partygäste im Club erschossen: Polizei sucht Schützen von Istanbul

Wer ist für das Attentat im Istanbuler Nachtclub "Reina" verantwortlich? Die türkischen Sicherheitsbehörden gehen von nur einem Täter aus, der flüchtig ist. Nach ihm wird gefahndet. In mehreren Berichten ist aber von zwei Angreifern die Rede.

Nach dem Angriff auf einen Nachtclub in Istanbul mit mindestens 39 Toten suchen die türkischen Behörden fieberhaft nach dem Schützen. "Es läuft eine Großfahndung nach dem Terroristen", sagte Innenminister Süleyman Soylu. Er hoffe, dass er schnell gefasst wird. "Die Polizei hat die notwendige Operation gestartet", sagte Soylu. Ihm zufolge gibt es nur Hinweise auf einen Täter. Zuvor war in Medien- und Augenzeugenberichten von zwei Angreifern die Rede gewesen.

Der Nachtclub "Reina" am Morgen nach dem Attentat.
Der Nachtclub "Reina" am Morgen nach dem Attentat.(Foto: REUTERS)

Bislang wurden 21 Leichen identifiziert, darunter 15 oder 16 Ausländer, wie Soylu erklärte. 69 Menschen würden in Krankenhäusern behandelt, vier seien in kritischem Zustand. Wer hinter dem Attentat steckt und ob sich Deutsche unter den Opfern befinden, ist unklar.

Unter den Opfern sollen Menschen aus Nordafrika und dem Nahen Osten sein. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldet, es seien Saudis, Marokkaner, Libanesen und Libyer unter den Toten. Nach Angaben von israelischen Medien wurde außerdem eine junge Israelin Opfer des Angriffs. Zudem erklärte Jordanien laut der Agentur Petra, dass drei seiner Bürger getötet worden und vier weitere verletzt worden seien.

Der Anschlag auf eine Neujahrsfeier ereignete sich um 1.15 Uhr Ortszeit (23.15 Uhr MEZ) im bekannten Club Reina, der unmittelbar an der Bosporus-Meerenge liegt. Nach Behördenangaben schoss der Täter sich seinen Weg in den Club frei. Zunächst tötete er am Eingang einen Polizisten und einen Zivilisten und eröffnete dann wahllos das Feuer auf die Gäste im Innenraum.

Offenbar mit Sturmgewehr geschossen

Zu dieser Zeit befanden sich dort 500 bis 600 Menschen, wie der TV-Sender CNN Türk berichtete. Manche seien ins Wasser gesprungen, um ihr Leben zu retten. Sie seien später von der Polizei in Sicherheit gebracht worden.

Der Nachtclub "Reina"

Der schicke Nachtclub "Reina" ist eine Institution des Nachtlebens von Istanbul. Der Club liegt direkt am Wasser unterhalb einer der drei großen Brücken über die Meerenge Bosporus. Seit seiner Eröffnung 2002 ist er beim türkischen Jetset, Prominenten sowie ausländischen Touristen sehr angesagt. Sowohl Fußballspieler als auch türkische Fernsehstars verkehren im "Reina", in das nur ein ausgewähltes, zahlungskräftiges Publikum gelassen wird.

Während Frauen in Cocktailkleidern und Männer mit Papphüten vom Anschlagsort flohen, rasten Polizeiautos und Krankenwagen heran. "Wir waren gekommen, um einen schönen Abend zu verbringen, doch plötzlich war alles Chaos - eine Nacht des Horrors", sagt Maximilien, ein italienischer Tourist, der wie viele andere Ausländer die Neujahrsnacht in dem Club verbracht hatte.

Der Angreifer benutzte offenbar ein Sturmgewehr. Istanbuls Gouverneur Vasip Sahin sprach von einer Waffe mit großer Reichweite. Damit sei "brutal und grausam" in die Menge gefeuert worden. Unklarheit herrscht auch Stunden danach über die Zahl der Attentäter.

Filmaufnahmen zeigen Schüsse

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Die Nachrichtenagentur DHA verbreitete die Aufnahme einer Überwachungskamera vor dem Club, auf der zu sehen ist, wie aus dem linken Bildrand heraus geschossen wird. Querschläger prallen von der viel befahrenen Straße ab, die an dem Reina vorbeiführt. Ein Mensch wälzt sich auf dem Boden, vermutlich von einer Kugel getroffen. Dann rennt der Angreifer um sich schießend auf den Eingang zu - und verschwindet offenbar in dem Club.

Der Mann ist auf den Bildern nur schemenhaft zu sehen, scheint aber in schwarz gekleidet zu sein. DHA berichtet zudem von zwei Angreifern, die Weihnachtsmannkostüme getragen haben sollen. Ein solches Kostüm ist auf den Bildern der Überwachungskamera allerdings nicht zu erkennen.

Auch der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim dementierte Berichte, wonach der Attentäter verkleidet gewesen sei. Solche Aussagen seien falsch, sagte Yildirim am Sonntag in Istanbul. "Wir wissen von einem bewaffneten Terroristen." Es könne sein, dass der Angreifer seine Waffe im Club gelassen und sich im Tumult unter die Flüchtenden gemischt habe.

Zeugin berichtet von zwei Angreifern

Während Sahin und Innenminister Soylu auf eine einzelne Person Bezug nahmen, war in Augenzeugenberichten von mehreren Angreifern die Rede. Diese hätten Arabisch gesprochen, berichtete die Zeitung "Hürriyet" unter Berufung auf Tatzeugen. In Internetportalen hieß es, mindestens einer der Angreifer habe zunächst ein Weihnachtsmann-Kostüm getragen, dies dann aber auf der Flucht weggeschmissen.

"Zwei Personen schossen mit Waffen", sagt eine Augenzeugin der "Hürriyet". "Plötzlich fingen die Leute an zu laufen. Mein Mann sagte mir, ich solle ja keine Angst haben. Er ist auf mich gesprungen. Die Menschen sind über mich hinweg gelaufen. Mein Mann wurde an drei Stellen angeschossen." Spezialkräfte seien dann in den Club eingedrungen, in dem inzwischen alles voller Scherben gewesen sei. "Es war furchtbar."

Quelle: n-tv.de